Impulse der Binnenwirtschaft fehlen
Institute sehen Aufschwung nun frühestens im Sommer

Zwei weitere Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum deutlich nach unten korrigiert und erwarten frühestens für nächsten Sommer einen moderaten Aufschwung. Damit haben die meisten der sechs führenden Institute ihr gemeinsames, weniger als zwei Monate altes Gutachten revidiert.

Reuters BERLIN. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sagten am Montag für 2003 ein Wachstum von 1,1 % voraus, für 2002 nur 0,2 %. Andere Institute hatten ihre Prognosen vorige Woche zum Teil noch stärker korrigiert. Im gemeinsamen Gutachten war von 1,4 % für 2003 und 0,4 % für 2002 die Rede. Die Bundesregierung rechnet mit 1,5 % für 2003.

Das IWH erwartet frühestens für die zweite Jahreshälfte eine Wende, und dieser "moderate Aufschwung" könne sich dann 2004 fortsetzen. Als Grund für die negative Korrektur nannte das IWH fehlende Impulse der Binnenwirtschaft. "Die Signale für die deutsche Wirtschaft stehen vorerst auf Stagnation", erklärte das IWH. Die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtere sich weiter, da die Hartz-Vorschläge keinen nachhaltigen Beitrag zum Abbau der Arbeitslosigkeit leisteten und grundlegende Reformen ausblieben. Eine akute Deflationsgefahr bestehe nicht; dem wirke auch die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) entgegen.

Nach Einschätzung des RWI erhält die Konjunktur ihre Anregungen im kommenden Jahr vor allem aus dem Ausland. Die gesamtwirtschaftliche Produktion werde sich zunächst nur zögerlich beleben und erst in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnen. Die Konsumausgaben stiegen kaum, da die Arbeitnehmer mehr Steuern und Abgaben zu zahlen hätten, so die Forscher. Das RWI rechnet damit, dass Deutschland mit 2,8 % des BIP im nächsten Jahr die EU-Defizitgrenze wieder unterschreitet.

Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) hatte vergangene Woche ebenfalls nach unten korrigiert und dafür "erheblich dämpfende Einflüssen der Finanzpolitik" verantwortlich gemacht. Das HWWA geht 2003 von 0,7 % Wachstum und 2002 von 0,2 % aus. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hatte seine Wachstumserwartungen ebenfalls zurückgeschraubt. Auch das Ifo-Institut in München deutete bereits eine Korrektur nach unten an. Das Berliner DIW-Institut will seine aktualisierten Zahlen am 7. Januar vorstellen.

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