In 90 Tagen verfügbar
Videopille als Ersatz zur Endoskopie

Sie bietet schon heute eine fast doppelt so gute Erkennungsrate für krankhafte Veränderungen im Verdauungssystem wie die Endoskopie. Nachteile sind nur die hohen Kosten und die kurze Betriebszeit von wenigen Stunden.

ap WASHINGTON. Der außenstehende Betrachter fühlt sich in einen Science-Fiction-Klassiker aus Hollywood versetzt: In "Phantastische Reise" wurden künstlich verkleinerte Menschen in einem künstlich verkleinerten U-Boot auf eine Reise durch den menschlichen Körper geschickt. In der neuesten medizinischen Errungenschaft aus Israel schluckt der Patient eine in einer Tablettenkapsel eingeschlossene winzige Kamera, die dann Videoaufnahmen vom Inneren des Verdauungstrakts sendet.

Die Zukunftstechnologie Videopille, deren Anwendung in den USA am Mittwoch von der Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde (FDA) in Washington genehmigt wurde, soll auf lange Sicht die bisher übliche Endoskopie ersetzen, bei der der Patient einen langen Schlauch schlucken muss, an dessen Ende sich eine Kamera befindet. Doch bis dahin dürfte noch ein Weilchen vergehen. Vorerst jedenfalls wird die Pille die Standardmethoden der Untersuchung nicht ersetzen, sondern darf nur zusammen mit diesen angewendet werden, worauf die Genehmigungsbehörde ausdrücklich hinwies.

Alternative zur Endoskopie

Die Videopille könnte dem Arzt Einblicke in Ecken und Winkel des gewundenen Dünndarms gewähren, die er nie zuvor gesehen hat, weil die weniger beweglichen Endoskope dort nicht hingelangen. Andererseits taugt die Pille noch nicht zur Untersuchung des gesamten Verdauungstrakts wie des Dickdarms, da für eine solch lange "Reise" die winzige Batterie nicht ausreicht. Vorerst, so erklärt Dan Schultz von der FDA, wird die von der Firma Given Imaging Ltd. hergestellte Pille nur bei Patienten mit kleinen intestinalen Problemen Anwendung finden. Aber es sei der Beginn eines langen Weges für diese Zukunftstechnologie, sagt Schultz.

Die Pille sendet auf ihrer Reise durch das menschliche Verdauungssystem Bilder an einen externen Empfänger, den der Patient an einem Band um die Hüfte trägt. Nach acht bis 72 Stunden wird dann die Kapsel auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. Die "Aufklärungsrate" der Pille ist jetzt schon der der normalen Endoskopie überlegen. Während dabei 35 % der vorhandenen Abnormitäten gefunden werden, entdeckt die Pille 60 % aller krankhaften Veränderungen, wie eine Untersuchung ergab.

Kosten von 450 $ pro Kapsel

Ein Sprecher der Herstellerfirma erklärte, die Pille werde in 90 Tagen verfügbar sein. Einer massenweisen Anwendung stehen hingegen auch finanzielle Hürden im Wege: Ärzte, die die Pille anwenden wollen, müssen eine Computerstation für 20 000 $ (rund 45 000 DM) kaufen. Eine Kapsel kostet 450 $ (rund 1 000 DM).

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