In Amerika gehen die Warnlampen an - Wagniskapitalmarkt in Deutschland noch stabil
Risiken bei Private Equity nehmen zu

In Deutschland werden vermögende Anleger immer stärker von Anbietern umworben, die über Dachfonds die Beteiligung an Private Equity ermöglichen. Unter diesem Oberbegriff werden Investitionen verstanden, die nicht börsennotierte Unternehmen betreffen, also etwa die Bereitstellung von Wachstumskapital für Start-ups.

HB FRANKFURT/M. Investoren sollten sich ein solches Investment gut überlegen, denn aus den USA, dem größten Wagniskapitalmarkt der Welt, mit Mittelzuflüssen im vergangenen Jahr von rund 154 Mrd. Dollar, kommen beunruhigende Signale.

Barton Biggs, Chef-Stratege bei der Investmentbank Morgan Stanley, erwartet nach Treffen mit einflussreichen institutionellen Anlegern, dass die Renditen der Private-Equity-Beteiligungen in den kommenden Jahren "ein Desaster" werden. Die Beteiligungsportfolios hätten in den zurückliegenden Monaten herbe Rückschläge verzeichnet, wobei ihm von Buchverlusten zwischen 50 bis 70 Prozent berichtet worden sei. Venture Economics, die maßgebliche Quelle für Informationen zum Markt, meldet ein Rendite-Minus von 6,3 % für Venture Capital im vierten Quartal 2000, dem ersten seit 1998. Dabei seien die Investoren überrascht, wie stark Private Equity offenbar doch mit den Börsen korreliert.

Bisher war eines der stärksten Argumente für solche Beteiligungen, dass sie gerade unabhängig seien von den Schwankungen an den öffentlichen Finanzmärkten. Biggs glaubt, dass der Abschreibungsbedarf sehr viel höher sein wird als die gut sechs Prozent, weil über Abgrenzungs- und Bewertungsspielräume die Verluste lange verschleiert werden könnten. Die endgültige Rechnung werde erst in zwei bis vier Jahren präsentiert.

Starke Verunsicherung bei privaten Investoren

Auch in Deutschland zeigen sich erste Bremsspuren. Bei den privaten Investoren gibt es momentan offenbar eine starke Verunsicherung. "Für die Profis läuft das ganz glatt weiter und die wissen auch, dass sich jetzt hoch interessante Beteiligungen zu günstigen Bewertungen anbieten", erklärt Rüdiger Kollmann, Vorstand der Solutio AG, die zusammen mit der LGT Capital Management über das Anlagekonzept "Crown" sowohl institutionelle als auch private Kunden anspricht. Die nicht-institutionellen Investoren seien auf jeden Fall zurückhaltender als vor einem Jahr.

Kollmann geht davon aus, dass eine Reihe von Anbietern, die erst in jüngster Zeit in den Markt drängten, nicht überleben werden - mit entsprechenden Folgen für deren Kunden.

Nach einer fünfjährigen Hochphase ist der Boom für die Wagnisfinanzierer auch hier zu Lande im dritten und vierten Quartal 2000 ausgelaufen. "Wir sprechen von einer Konsolidierung, nicht von einer Krise", erläutert Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Im laufenden Jahr werde das Geschäft schwieriger, ein endgültiges Bild werde man sich aber erst im dritten oder vierten Quartal machen können. Zwar seien Pleiten nicht auszuschließen, die Marktbereinigung werde aber eher über Fusionen erfolgen.

Gefahr für Anleger mit kleinen Beträgen

Nach Ansicht eines Experten sind vor allem diejenigen Anleger in Gefahr, die sich mit relativ kleinen Beträgen engagiert haben. Hier stünden die Renditeversprechen auf der Kippe, obwohl schon im Boom davor gewarnt worden sei, dass sich die Anleger hier "zum Roulettespielen in der Hölle" aufmachten. Bei den Anlagekonzepten der großen Banken und Vermögensverwalter mit hohen Mindestzeichnungssummen gelten die Risiken als deutlich kleiner, weil die Summen ein professionelles Management zulassen.

Investitionen in Wagniskapital sind bei Privatpersonen erst seit wenigen Jahren in Mode gekommen. Dabei stehen "Fund-of-Funds"-Konzepte im Mittelpunkt, bei denen man in einen Dachfonds einsteigt, der sich an vielen Unterfonds beteiligt. Diese wiederum finanzieren zahlreiche Firmen, vorwiegend aus High-Tech-Bereichen wie Biotechnologie, Telekommunikation oder Software.

In der New-Economy-Blase wurden über Börsengänge mit Private Equity traumhaft hohe Renditen erwirtschaftet. In den vergangenen zehn Jahren erzielten die US-Anbieter von Venture Capital jährliche Renditen nach Abzug aller Gebühren von durchschnittlich 21,5 %. Solche Verzinsungen dürften jetzt selten werden.

Für Anleger ist es entscheidend, dass sie sich an Hand einiger Kriterien vor bösen Überraschungen schützen. Experten wie Dirk Söhnholz von der Feri Private Equity GmbH, nennt:

Das Management muss unbedingt in größerem Stil selbst in den Fonds investiert sein.

Der Dachfonds muss nachweisen, dass er in die weltweit besten Unterfonds investiert, denn der Renditeabstand zwischen dem obersten Viertel und dem Durchschnitt kann bis zu 30 Prozentpunkten ausmachen.

Vervielfachung des eingesetztes Kapitals ("Multiples") in der Vergangenheit.

Anreize, mit denen das Management gehalten wird.

Die Gebührenstruktur.

Bei Private-Equity wird es in Zukunft noch stärker als bisher auf das Management-Team ankommen. Wer auf wirklich erfahrene Fondsmanager trifft, dem bleibt vielleicht das Schlimmste des Unwetters erspart, meint auch Stratege Biggs.

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