In anderen europäischen Ländern und den USA neigt sich die IPO-Flaute dem Ende
Deutschland fällt bei Börsengängen zurück

Auf den internationalen Finanzmärkten bahnt sich ein Ende der Eiszeit bei Neuemissionen an. Einzige Ausnahme: Deutschland. Hier sind die Zeichen für eine Erholung noch äußerst schwach. Die Zahl der Börsengänge wird auch in diesem Jahr hinter dem Niveau des Jahres 1997 bleiben. Es fehlt an lukrativen Angeboten.

FRANKFURT/M. Die Signale sind unüberhörbar: Im Ausland steigt die Zahl der Börsengänge, zunehmend wagen sich wieder Unternehmen mit konkreten Aussagen zu einem anstehenden Börsendebüt in die Öffentlichkeit. Auch die Investmentbanken verzeichnen deutliche Anzeichen für eine Belebung des Marktes für IPOs (Initial Public Offerings). Doch während in Frankreich, den USA, Großbritannien oder Italien bereits Neuemissionen mit Milliardenvolumen Käufer gefunden haben, kann Deutschland mit dem Börsengang des Windenergiespezialisten Repower AG im laufenden Jahr gerade einmal einen wenigstens mittelgroßen Börsengang mit einem Volumen von 94 Mill. ? melden.

Stefan Winter, Vorstand bei UBS Warburg Deutschland, konstatiert zwar, dass sich wieder "eine Pipeline mit Börsenkandidaten aufbaut". Und auch der Markt sei aufnahmefähig, was sich zuletzt bei der kurzfristigen Platzierung von Aktienpaketen mit Milliardenvolumen gezeigt habe. Doch es fehlt an einem lukrativen Angebot. Denn gute Chancen haben momentan nur konservative Investments. Gerade in diesem Bereich gebe es in Deutschland zurzeit aber wenig Angebot. Für risikobehaftetere Technologieunternehmen sei die Stimmung nicht zuletzt auf Grund der Enttäuschungen des vergangenen Jahres schlecht, heißt es auch der Investmentbank CSFB. Das drückt auf die Stimmung: Eine Befragung von 20 in Deutschland tätigen Investmentbanken durch die Kommunikationsagentur Rauch, Gurnik, ergab, dass im laufenden Jahr nur noch mit höchstens 20 Börsengängen in Deutschland gerechnet wird. Ende des Jahres 2001 wurden noch etwa 50 IPOs prognostiziert. Deutlich mehr Optimismus gibt es an der Wall Street. Dort hat der gute Start der Billig-Fluggesellschaft Jetblue positive Zeichen gesetzt. Der Kurs der Aktie stieg am ersten Tag um 67 %, das Börsen-Debüt brachte dem Unternehmen 159 Mill. $ ein. Gleichzeitig verlief jedoch der Start der Biotech-Firma Ribapharm enttäuschend. Die Mutter ICN Pharmaceuticals musste den Ausgabepreis deutlich senken.

Insgesamt hat die Zahl der Börsengänge in den USA in diesem Jahr jedoch bereits wieder deutlich zugenommen. Gegenüber 2001 mit 83 Börsenstarts liest sich die Bilanz des ersten Quartals dieses Jahres mit bereits 43 Unternehmen recht gut. Auch der Branchenmix ist gut: Neben der 6 Mrd. $ schweren Abspaltung des Versicherers Travelers Property Casualty von der Citigroup waren es mehrere kleine Fluggesellschaften, ein Tierfutter-Hersteller, Rüstungsindustrie-Zulieferer, aber auch Technologie-Unternehmen wie etwa die Software-Firma Plumtree.

Auch in London sehen die Experten die Lage am IPO-Markt positiv. "Es herrscht ein vernünftiger Optimismus", sagt James Renwick, Head of European Equity Capital Markets bei UBS Warburg in London. Dieser gründet einmal darauf, dass mit der Schweizer Rohstofffirma Xstrata der bisher größte Börsengang des Jahres in London siebenfach überzeichnet war und rund eine Milliarde Pfund einbrachte. Ein Zeichen für eine optimistischere Einschätzung ist auch, dass der Musik-Supermarkt HMV sogar vor dem ursprünglich angepeilten Termin Ende Juni an die Börse will. Dahinter stehen gleich mehrere Kandidaten in Lauerstellung: Die British-Telecom-Abspaltung Yell, der Luxusgüter-Hersteller Burberry, die Billig-Airline Go, die Wettbürokette Coral sowie der Casino- und Spielhallenbetreiber Gala. Wie in Deutschland tun sich Technologiefirmen aber weiterhin schwer, bestätigt der Emissionsspezialist einer US-Investmentbank. Deshalb kommt dem Börsengang der Biotech-Firma Ark Therapeutics, der noch in diesem Quartal über die Bühne gehen soll, große Bedeutung zu. Renwick von UBS Warburg rechnet bis Ende des Jahres mit 15 IPOs in Großbritannien mit einem Emissionsvolumen von jeweils mindestens 300 Mill. Pfund. Das wäre immerhin eine Verdreifachung der Zahl gegenüber dem letzten Jahr. Positive Signale kommen auch aus dem Norden und Süden Europas: Allein 11 Firmen haben in Stockholm ihren Börsengang für dieses Jahr angekündigt, während es 2001 insgesamt nur sechs Börsendebüts gab. "Wir beobachten so etwas wie eine Eisschmelze", sagt Anders Ackebo von der Stockholmer Börse. Für Mai hat der Prozesstechnik-Entwickler Alfa Laval seinen Börsenstart angekündigt. Mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Euro wäre das der zweitgrößte des Landes überhaupt.

In Italien erhielt der Markt Rückenwind durch den erfolgreichen Start der siebtgrößten Bank des Landes, Antonveneta. Dabei wurden zwar lediglich Genossenschaftsanteile in Aktien umgewandelt, doch der erfolgreiche Start wird als positives Signal gewertet. Alberto Varisco von der größten italienischen Bank IntesaBci, konstatiert, "dass seit etwa Mitte Januar wieder deutlich mehr Unternehmen an einem Börsengang arbeiten".

Vorsichtig sind bislang noch die Kommentare aus Frankreich: "Der Markt ist sehr zurückhaltend", sagt Christophe Ramoisy von Crédit Lyonnais. Die Bank hoffe nach dem Erfolg des Autobahnbetreibers ASF (Autoroutes du Sud de la France), der kürzlich 2,8 Mrd. Euro an der Börse eingesammelt hat, auf eine Aufhellung der Stimmung.

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