In Baden-Baden ringt die internationale Assekuranz-Elite um neue Konditionen
Versicherer wollen Pool für Terror-Risiken

Am Montag beginnt die traditionelle Woche der Rückversicherung in Baden-Baden, in der die Branche die Konditionen für das nächste Jahr auslotet. Unter dem Druck der US-Terrorschäden wollen viele nicht mehr mitziehen. Der Rest plant einen Europa weiten Pool für Terror-Risiken aufzulegen.

HB BÜHL. Baden-Baden ist diese Woche der Mittelpunkt der internationalen Assekuranz. Nach den enorm hohen Schäden aus den Terroranschlägen sind die Erwartungen riesig. Doch anders als in den Vorjahren, dürften die Versicherer hier erstmals keine festen Konditionen für das kommende Jahr aushandeln. Vielmehr, so zeichnete sich am Wochendende auf der diesjährigen Auftaktveranstaltung der Gerling Globale Rückversicherungs-AG ab, werden die Rückversicherer ihre Kunden hinhalten. Sie spielen auf Zeit, wollen im Schnitt ab Januar mehr Geld für weniger Deckung. Und ohne ihre Großhändler, die Rückversicherer, können selbst große (Erst-)Versicherer, wie Allianz und Axa, beispielsweise keine Fabriken in Erdbebenregionen versichern.

Naturgefahren scheuen die Versicherer mittlerweile weniger als die neue Dimension des Terrors. Sie wollen diese unkalkulierbaren Risiken aus möglichst allen Policen ausklammern, was wegen zum Teil lang laufender Verträge nicht so schnell geht. Ausnahmen sind allenfalls für die See-Transportversicherung zu erwarten.

Alternativ versuchen Erst- und Rückversicherer gemeinsam, einen Pool für Terror-Risiken aufzulegen. Solche Versicherungsgemeinschaften gibt es in Deutschland beispielsweise schon für Pharmarisiken, für Atomkraftwerke und für die Luftfahrt. Wegen der irischen Terrorgefahr existiert in Großbritannien sogar schon ein Terror-Pool. Das Pendant in Spanien nennt sich "Consorcia". Für viele Versicherer macht es deshalb keinen Sinn, in Deutschland, wie in Frankreich, wo ähnliche Überlegungen im Gange sind, zusätzliche Pools zu gründen. Sie streben eine Europa weite Lösung an, an der in irgendeiner Form auch die Staaten sich beteiligen sollen. Als eine Art Kartell müsste der Pool ohnehin bei der Brüsseler Wettbewerbsbehörde angemeldet werden.

Die Vorbereitungen in Deutschland laufen jedenfalls auf Hochtouren. Wie in Baden-Baden zu erfahren war, soll sich der Fachausschuss industrielle Sachversicherung (FIS) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft am 10. Oktober auf eine Arbeitsgruppe "Terror-Pool" verständigt haben. Die treibende Kraft sind die Rückversicherer, daher ist Baden-Baden dieses Jahr besonders wichtig.

Angst vor dem "Cyber-Terrorismus"

Der Terror hält die Versicherer auch in anderen Bereichen zu größerer Vorsicht an. Gerling-Manager Christian Friederichsen weist darauf hin, dass nach dem World Trade Center auch das Internet als Symbol der westlichen Welt besonders gefährdet sei. Diesen so genannten "Cyber-Terrorismus" wollen die Versicherer daher auch ausgrenzen. Das gilt insbesondere für die speziellen Betriebsunterbrechungs-Risiken von Computer-Netzwerken. Das Problem ist, dass nach dem herkömmlichen Verständnis von Betriebsunterbrechungspolicen (BU), Ertragsausfall nur dann erstattet wird, wenn Sachen, wie etwa eine Maschine, beschädigt worden sind. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Ohne Sachschaden kein Ausfall-Ersatz. Seitdem streiten Versicherer und Firmenkunden sich, ob Daten und Programme in diesem Sinne Sachen sind. Und damit es künftig keine Zweifel mehr gibt, soll nach dem Vorbild der Allianz eine "Definitionsklausel" in die Policen reingeschrieben werden. Diese besagt im Grunde, dass die Versicherer Daten und Programme nicht als Sachen ansehen. Ob die Assekuranz als Ersatz auf breiter Ebene spezielle BU-Policen für Daten und Programme anbieten wird, wie beispielsweise die amerikanische Chubb Insurance, bleibt abzuwarten.

Die Versicherer sind fest entschlossen, hart durchzugreifen, weiß Rückversicherungsmakler Hans-Werner Rhein vom Marktführer Aon Jauch & Hübener. Vieles, was bisher mitversichert worden ist, wird künftig ausgeklammert. Das dies kein deutsches Problem sei, bestätigt Henk J. von Calcar von den Niederländischen Erasmus Verzekeringen. Gerling-Rück-Vorstand Gerhard Niebuhr umschreibt es so: "Da muss eine Putzkolonne rein und alles aufräumen." Was drin bleibt, müsse klar umrissen werden. Das Zeitalter der Allgefahren-Deckung geht zu Ende; versicherte Gefahren sollen wieder einzeln benannt werden.

Baden-Baden 2001 zeigt neben Deckungsverschlechterungen und saftigen Preiserhöhungen noch einen weiteren Trend auf: Das Geschäft wird individueller. Die Versicherer, so war am Rande des Symposiums vor allem von den großen Rückversicherungsmaklern zu hören, werden Preise und Produkte nach der Qualität ihrer Kunden unterscheiden. Gute Kunden, also Erst-Versicherer mit hervorragender Kreditwürdigkeit und excellenter Risikobeurteilung, werden bevorzugt rückversichert. Umgekehrt haben die anderen es künftig um so schwerer.

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