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In Belgien blüht der Tanktourismus

Eynatten/Aachen (dpa) - Der Unmut über die hohen Benzinpreise wächst. Die Autofahrer im Aachener Grenzland haben ein Ventil, um ihren Ärger zumindest teilweise abzubauen: Sie tanken im billigeren Belgien.

Eynatten/Aachen (dpa) - Der Unmut über die hohen Benzinpreise wächst. Die Autofahrer im Aachener Grenzland haben ein Ventil, um ihren Ärger zumindest teilweise abzubauen: Sie tanken im billigeren Belgien.

Am Feierabend setzt der Verkehrsstrom über die Grenze ein. Neben Pommes, Sahnepralinen und Eichenmöbeln bringt seit einem Jahr der preiswertere Sprit die Grenzgänger auf Trab. Es lockt das Super- Benzin mit einem «Dumping-Preis», der durchschnittlich 10 Cent unter dem deutschen Niveau liegt. Der Diesel ist durchschnittlich 13 Cent billiger. Der Preis dafür: Schlangestehen.

«Wir tanken seit einem Jahr in Belgien», sagt eine Aachenerin, die in Eynatten im Tank-Stau steht. Über die hohen Sprit-Preise regt sie sich schon längst nicht mehr auf: «Das macht ja keinen Sinn.» Ihr Mann hat es ausgerechnet: Pro Tank sparen sie in Belgien sechs Euro. «Das sind zwei Eis», sagt sie mit Humor. Für sie lohnt sich da das Warten.

«Die Leute rechnen mit jedem Cent. Wenn einmal eine Toleranzgrenze überschritten ist, wird der Verbraucher sehr empfindlich», stellt der Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellen- und Garagengewerbes (Bonn), Jürgen Ziegner, fest. Deshalb nehmen Autofahrer bis zu 30 Kilometer Fahrt und eine Wartezeit in Kauf, um billiger zu tanken. Da spielt es offensichtlich keine Rolle, dass die Preisdifferenz in den letzten Wochen geschmolzen ist: Auch in Belgien haben unlängst die Preise angezogen.

Trotzdem, der Strom der Tankenden fließt weiter gen Belgien dem preiswerteren Benzin entgegen. Und nach Angaben von belgischen Tankstellenbetreibern ist er in der jüngsten Zeit sogar noch etwas angeschwollen. «Ich habe den Eindruck, dass in der letzten Zeit noch mehr Deutsche kommen», sagt der Mitarbeiter einer Tankstelle im belgischen Kelmis. Sein Chef hatte schon vor gut einem Jahr an guten Tagen rund 1400 Kunden gezählt, 75 Prozent davon waren Deutsche. Auch bei der Konkurrenz im benachbarten Grenzort Eynatten brummt das Geschäft.

Das gehe auf Kosten der deutschen Tankstellen im Aachener Raum, sagt der Zentralverband des Tankstellen- und Garagengewerbes. «Die haben 70 bis 75 Prozent ihrer Kundschaft verloren», beobachtet Ziegner. Viele hätten zum Leben zu wenig, zum Sterben aber zu viel und hielten sich mit dem Tankstellen-Shop oder Reparatur-Betrieb über Wasser.

Für einen Familienvater, der in Eynatten den Tankrüssel in seinen Van steckt, ist das kein Thema. Es geht um sein Portemonnaie. Die Rechnung ist einfach: Sein Auto braucht Diesel, das Zweitauto ebenso. Pro Tankfüllung spart er sieben Euro. «Und wäre das Zweitauto ein Benziner, würde ich mir sofort einen Gas-Tank drunter montieren lassen», sagt er. Das sei die billigste Variante. In seinem Bekanntenkreis würden viele darüber nachdenken, auf Gas umzusteigen.

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