In den Brunnen gefallen: Wer sich jetzt falsch verhält, riskiert Karriereende

In den Brunnen gefallen
Wer sich jetzt falsch verhält, riskiert Karriereende

"Die Toleranz gegenüber Verhaltensfehlern ist deutlich gesunken, Fehler werden wesentlich härter bestraft", sagt Claus-Peter Sommer, Vorstand des Kölner Recruitingunternehmens Access.

So reagieren viele Chefs derzeit hypersensibel auf offene oder nur verhaltene Kritik. Das bekam der leitende Mitarbeiter eines weltweit tätigen Logistikunternehmens zu spüren. Obwohl er viel mit ausländischen Geschäftspartnern zu tun hatte, beherrschte sein Vorgesetzter die englische Sprache nur in Grundzügen.

Das war unter den Kollegen allgemein bekannt, in guten Zeiten auch kein Problem, hatte er doch selbst mitunter über sein Defizit gewitzelt ("You can say you to me."). Bei einer Verhandlung mit US-Kunden leistete er sich wieder sprachliche Schnitzer - woraufhin ihn der Mitarbeiter, der in den USA studiert hatte, mehrfach korrigierte. "Sie wissen wohl immer alles besser?!", schnauzte ihn der Chef nach Ende des Termins an. Als Kündigungen anstanden, musste der vorlaute Mitarbeiter trotz exzellenter Englischkenntnisse als Erster gehen.

"Sie sollten derzeit möglichst alles unterlassen, was das Verhältnis zum Vorgesetzten belastet", rät der Managementcoach Christopher Rauen. Die Wirtschaftskrise nagt an den Nerven der Bosse, die beim kleinsten Indiz einen Königsmord wittern. Im Umgang mit dem Chef ist deshalb Taktgefühl gefragt. "Bleiben Sie stets ruhig und sachlich, berücksichtigen Sie seinen Stil und seine Tagesform", rät Rauen.

Also jeden Stiefel lecken? Nein, das ist genauso gefährlich. Kollegen hassen die Anbiederer, schneiden den ungeliebten Streber vom Informationsfluss ab und lauern auf eine Gelegenheit, ihn zur Strecke zu bringen. Besonders akut wird diese Gefahr, wenn der Vorgesetzte selbst gehen muss. Wer dann kein ausreichendes Netzwerk im Unternehmen hat, leistet ihm beim Gang in die Wüste Gesellschaft.

Eigenständigkeit ist deshalb weiterhin gefragt, genauso wie Motivation. Es hilft nichts, den Kopf möglichst tief in den Sand zu stecken und zu warten, bis alles vorüber ist. "Wer ständig Trübsal bläst und keine Begeisterung zeigt, der signalisiert dem Management, dass er ausgebrannt ist", sagt der Berliner Arbeitspsychologe Jürgen Hesse. Und "wer nicht spurtet", so Hesse, "gerät ins Visier der Vorgesetzten und wird zum Blitzableiter für Fehler".

Welche Fehler Sie außerdem noch unbedingt vermeiden sollten, lesen Sie unter www.wiwo.de/karriere

Sie haben Fragen zur Karriereplanung? Chatten Sie mit dem Personalexperten Claus-Peter Sommer am Dienstag, 22. April ab 14 Uhr auf www.wiwo.de.

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