In den ersten neun Monaten
Deutsche Telekom erleidet Milliardenverluste durch UMTS

Die milliardenteuren UMTS-Mobilfunklizenzen und hohen Abschreibungen auf Firmenzukäufe haben ein tiefes Loch in die Bilanz der Telekom gerissen. Nach den ersten neuen Monaten des Geschäftsjahres 2001 kletterte der Fehlbetrag des größten europäischen Telekommunikationskonzerns auf 1,1 Mrd. Euro (2,1 Mrd. DM).

Reuters BONN. Die Deutsche Telekom hat in den ersten neun Monaten 2001 ihre selbst gesteckten Ziele zwar erreicht, im dritten Quartal aber ihren Verlust gegenüber den Vorperioden deutlich ausgeweitet. Den am Mittwoch vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen zufolge verbesserten sich Umsatz und Ergebnis (Ebitda) wie vorhergesagt. Auf Nachfrage nannte die Telekom einen vergleichbaren Konzernverlust ohne positive Effekte aus Anteilsverkäufen sowie Abschreibungen auf Firmenwerte und Kosten für den UMTS-Mobilfunk mit 3,1 Mrd. Euro nach einem Verlust von 1,3 Mrd. im Halbjahr. Die T-Aktie gab nach Vorlage der Zahlen nach.

Beim Konzern-Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Amortisationen und Abschreibungen) zeichne sich die geplante Steigerung um einen zweistelligen Prozentsatz zum Vorjahreszeitraum ab, teilte die Telekom weiter mit. Mit dem in den Monaten Januar bis September um 20 % auf rund 36 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz lag die Telekom über den Umsatzerwartungen der von Reuters befragten Analysten, verfehlte jedoch beim Ergebnis die Prognosen. Analysten hatten bei weit auseinander liegenden Schätzungen im Durchschnitt mit einem Konzernverlust in Höhe von 2,7 Mrd. Euro gerechnet.

Sprint und TV-Kabelbnetz verkauft

 

Die Telekom hatte zunächst nur einen durch zumeist positive Sondereffekte wie Beteiligungsverkäufe verzerrten Konzernüberschuss vor Kosten für Goodwill und UMTS von 1,6 Mrd. Euro genannt, nach rund einer Milliarde Euro im Halbjahr. Verkauft wurden im Quartal Anteile an dem US-Mobilfunkunternehmen Sprint PCS und die Mehrheit am TV-Kabelnetz in Baden-Württemberg. Dagegen schlugen im Quartal Abschreibungen auf den Beteiligungsbuchwert bei Aktien von France Telecom und die UMTS-Kosten sowie Abschreibungen auf Firmenwerte negativ zu Buche.

Die meisten Analysten sagten in ersten Stellungnahmen, die Geschäftszahlen stellten keine Überraschung dar. Jeder wisse, dass das laufende Jahr schwach verlaufe, sagte Theo Kitz von Merck, Finck & CO. Die Telekom werde jedoch voraussichtlich ihre zu Jahresbeginn formulierten Geschäftsziele erreichen. Andere Analysten sagten, das operative Geschäft bei der Telekom verlaufe bislang den Erwartungen entsprechend, wobei der Mobilfunk sich besser als erwartet entwickele. Der Schuldenabbau um 5,8 Mrd. Euro auf 65,2 Mrd. Euro mache Fortschritte, hieß es.

"Lesen im Kaffeesatz"

Ein Analyst kritisierte, die Analyse der Geschäftszahlen der Telekom gleiche "dem Lesen im Kaffeesatz". Die vorläufigen Geschäftszahlen seien ungenügend aufbreitet und lieferten keine Vergleichswerte zu den Vorperioden. Fondsmanager äußerten sich skeptisch über die Gewinnsituation und über die Aussichten bei der US-Mobilfunktochter VoiceStream.

Die Mobilfunkholding der Telekom, T-Mobile, hält nach den Worten ihres Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke an ihrer Geschäftsprognose für 2001 fest und will im US-Geschäft 2002 auf Ebitda-Basis Gewinne erwirtschaften. "Die T-Mobile-Gruppe hält an der selbst gesteckten Prognose fest, das Ebitda im Jahr 2001 zu verdoppeln", sagte Ricke der Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf ein positives US-Geschäft. Bei allen Mobilfunk- Mehrheitsbeteiligungen seien das Ebitda und die Ebitda-Margen im dritten Quartal im Vergleich mit dem zweiten Vierteljahr gestiegen, sagte Ricke. VoiceStream werde über das gesamte Geschäftsjahr 2002 gerechnet ein "deutlich positives Ebitda" erwirtschaften.

Bei den Mobilfunk-Mehrheitsbeteiligungen stieg die Kundenzahl den Angaben zufolge auf 45,6 Mill. nach 43,9 Mill. Ende Juni. Das Kundenwachstum bei VoiceStream blieb mit plus 373 000 Netto-Neukunden hinter den beiden Vorquartalen zurück. T-Mobile begründete dies damit, dass das Kundenwachstum im dritten Quartal zu fast 99 % aus vergleichsweise umsatzstarken Vertragskunden bestehe, während die Kundenzahl mit im Voraus bezahlten Telefonkarten um etwa die gleiche Zahl gesunken sei. Die Kundenzahl von T-Online wuchs im dritten Quartal auf 9,8 Mill. von zuvor 9,2 Mill..

Die Telekom-Aktien fielen in einem sich knapp behaupteten Börsenumfeld um 2,3 % auf 17,15 Euro aus. Der europäische Branchenindex für Telekom-Aktien stieg hingegen um rund ein Prozent. Endgültige Zahlen für den Zeitraum Januar bis September will die Telekom am 28. November veröffentlichen.

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