In den Oktober-Zahlen schlagen sich die Folgen der Anschläge in New York noch nicht nieder
Analyse: Arbeitsmarkt im Konjunkturtief

Die wirtschaftlichen Folgen der Terroranschläge in den USA und der schon vier Wochen dauernden Gegenangriffe in Afghanistan sind in Europa immer noch nicht richtig greifbar. Reagiert haben bisher die Stimmungsbarometer. Realwirtschaftliche Indikatoren aus der Zeit nach dem 11. September liegen dagegen noch nicht vor. Die Arbeitsmarktzahlen von Oktober sagen wegen ihres nachlaufenden Charakters über die Anschlagsfolgen noch zu wenig aus.

Die verschärfte Talfahrt des Industrievertrauens in der Euro-Zone im Oktober beruht auf einem offensichtlichen Nachfrageeinbruch seit September. Auch die nach unten revidierten Wachstumsprognosen und allgemeine Unsicherheit dürften eine Rolle gespielt haben. Seitens der amtlichen Statistik trudeln die ersten Daten, die Zeiträume nach den Anschlägen umfassen, erst jetzt ein. Heute werden die Auftragseingänge bei der deutschen Industrie im September veröffentlicht. Am Donnerstag folgen die Produktionszahlen. Erwartet werden deutliche Rückgänge. Ob sie sich im Oktober fortgesetzt haben, wird die Statistik aber erst Anfang Dezember zeigen.

Dann erst wird man auch besser einschätzen können, ob der jetzige Vertrauensverlust bei Industrie und Verbrauchern in Europa eine Überreaktion unter dem frischen Eindruck der Terrorattacken war, oder ob er die Wirklichkeit richtig abbildet. Unklar wird aber auch dann bleiben, wie viel der potenziellen Nachfrage- und Produktionsrückgänge eindeutig den Anschlägen zuzuordnen sind und wie viel auf das Konto der bereits zuvor bestehenden Konjunkturschwäche geht. Dies gilt auch für den Dienstleistungsbereich in Europa, in dem sich die Stimmung jetzt gravierend verschlechtert hat.

Kräftig spekuliert wird derzeit über das Weihnachtsgeschäft. Das gesunkene Verbrauchervertrauen legt Minusraten nahe. Doch eigentlich geben dies die Daten der EU-Kommission nicht her. Denn die Verbraucher in Europa machen bei der Einschätzung ihrer eigenen finanziellen Situation keine Abstriche. Und die Sparneigung ist noch nicht signifikant gestiegen.

Auch der Arbeitsmarkt gibt noch keinen richtigen Aufschluss über die Terrorfolgen. Die schlechten Oktober-Daten für Deutschland sind in erster Linie ein Ergebnis des schon seit gut einem Jahr dauernden konjunkturellen Abschwungs. Seither stagniert auch die Erwerbstätigkeit, weil das Wirtschaftswachstum schon vor September zu niedrig war, um die Beschäftigung steigen zu lassen. Nur bei wenigen Berufen im Tourismus und Reiseverkehr registrierte die Bundesanstalt für Arbeit jetzt eine signifikant höhere Arbeitslosigkeit. Auch bei den ohnehin seit längerem nachlassenden Meldungen offener Stellen gibt es offenbar noch keine klaren Einbrüche, die einen Zusammenhang mit den Terroranschlägen nahe legen. Die höhere Kurzarbeit wiederum ist ein Indiz dafür, dass nur mit einer vorübergehenden Auftragsschwäche gerechnet wird.

Dennoch spricht alles dafür, dass die Folgen der Anschläge auf dem deutschen Arbeitsmarkt spätestens im Winter und im Wahljahr 2002 erkennbar werden. Da diese Attacken die Konjunktur in den USA und Europa in einer labilen Phase getroffen haben, ist ein längerer und wohl auch stärkerer Abschwung wahrscheinlich. Wann die Erholung kommt, ist derzeit ungewiss. Der Arbeitsmarkt wird dadurch jedenfalls zusätzlich belastet. Die Erwerbstätigkeit dürfte abnehmen und die Arbeitslosigkeit steigen. Im Winter wird es wohl wieder mehr als vier Millionen Arbeitslose in Deutschland geben. Die Bundesregierung wird ihr selbstgestecktes Arbeitsmarktziel damit noch deutlicher verfehlen, als vor den Anschlägen zu erwarten war.

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