In den USA, auf europäischer Ebene und in Deutschland wird der Ruf nach schärferen Kontrollen lauter
Prüfer müssen sich warm anziehen

Enron, Tyco und jetzt Xerox - die Liste der Firmen, bei denen Wirtschaftsprüfer für eine geschönte Bilanz sorgten, wird ständig länger. Weltweit wächst der Druck, die Branche stärker zu kontrollieren.

lü/rut/tor DÜSSELDORF. Das weltweite Vorgehen gegen Wirtschaftsprüfer gleicht einer konzertierten Aktion: In den USA nimmt die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) spätestens seit dem Enron-Debakel verstärkt Bilanzmanipulationen von US-Unternehmen ins Visier. Sie hat jetzt auch ihre Untersuchungen gegen Xerox ausgeweitet. Aber nicht nur ehemalige Manager des Kopiergeräteherstellers sind davon betroffen. Die Bilanzprüfer von KPMG müssen ebenso mit zivilrechtlichen Klagen rechnen.

Aufgeschreckt von den jüngsten Bilanzskandalen fordern Politiker in Washington eine grundlegende Reform der Branche. Im US-Kongress arbeiten Abgeordnete bereits an einem Gesetz, das die Wirtschaftprüfer zwingen würde, ihr Beratungsgeschäft abzugeben. Die lukrativen Beratungshonorare gefährden die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer, so der Vorwurf. Nicht nur die betroffenen Gesellschaften, auch SEC-Chef Harvey Pitt hält jedoch nicht viel von diesem Vorschlag. Pitt, der als Anwalt früher selbst in Diensten der Wirtschaftsprüfer stand, will lieber eine unabhängige Aufsichtsbehörde installieren. Die bisherige Kontrollinstanz, der so genannte Public Oversight Board, war ausschließlich mit Branchenvertretern besetzt und ist nach dem Enron-Skandal zurückgetreten.

In Europa beobachtet die Politik mit wachsender Ungeduld die Rolle der Wirtschaftsprüfer bei den sich häufenden Firmen-Finanzskandalen. Es gebe für diesen Berufsstand in der EU keine verbindlichen Verhaltensregeln und auch keine Qualitätskontrolle, klagen die EU-Finanzminister. Immerhin arbeitet die EU-Kommission an einem Verhaltenskodex für die Branche. Er sieht vor, dass Wirtschaftsprüfungsgesellschaften alle sieben Jahre einen neuen Senior-Partner für ihr Unternehmen bestellen müssen. Unheilige Allianzen zwischen dem Bilanzprüfer und dem geprüften Unternehmen sollen so vermieden werden. Die EU will diesen Verhaltenskodex allerdings bislang nicht verbindlich vorschreiben.

Auch in Deutschland sollen Wirtschaftsprüfer in die Pflicht genommen werden. Dies geht aus einem Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums zur Schaffung eines Transparenz- und Publizitätsgesetzes (TransPuG) hervor. So sollen sich Prüfer künftig auch dann melden, wenn sie die Bücher ihres Mandanten zwar abgesegnet haben, ihnen aber Unregelmäßigkeiten im Detail aufgefallen sind. Ferner sind Bewertungsänderungen und wesentliche Bewertungsgrundlagen ausführlich zu erläutern. Dargelegt werden soll zudem, welchen Einfluss Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben. Dies gilt auch für die "sachverhaltsgestaltenden Maßnahmen".

Für eine bessere Kontrolle der Wirtschaftsprüfer soll in Deutschland auch der seit Anfang vergangenen Jahres geltende so genannte Peer Review sorgen. Dabei wird das interne Qualitätssicherungssystem von Wirtschaftsprüferpraxen durch andere Wirtschaftsprüfer kontrolliert. Wer sich nicht mindestens alle drei Jahre einer solchen Kontrolle unterzieht, wird von den gesetzlichen Abschlussprüfungen ausgeschlossen. Experten wie dem Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes, Karlheinz Küting, geht das angesichts der jüngsten Skandale nicht weit genug. "Wir haben in Deutschland faktisch keine wirksame Kontrolle. Weder die Wirtschaftsprüferkammer noch der Peer Review sind wirksame Waffen gegen Betrug und Schlampereien", sagt Küting. Er fordert eine "staatliche neutrale Instanz", die das gesamte Bilanz- und Prüfungswesen überwacht "und die auch mit scharfen Sanktionen ausgestattet ist". Dabei solle auch die Möglichkeit geschaffen werden, gegenüber Wirtschaftsprüfern hohe Geld- oder Haftstrafen zu verhängen.

Besonders betroffen von dem härteren Kurs der Behörden dürfte das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen sein. Die Gesellschaft hat nicht nur die geschönten Bilanzen des Pleite gegangenen Energiekonzerns Enron abgesegnet, sondern auch die Bücher der drei Telekommunikationsunternehmen Global Crossing, Qwest und Worldcom geprüft. Gegen alle drei ermittelt die SEC wegen Bilanztricksereien. Aber auch die KPMG ist nicht erst seit den Xerox-Ermittlungen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die Wirtschaftsprüfer wurden kürzlich von der SEC scharf zurechtgewiesen, weil sie in einen Investmentfonds investiert hatten, dessen Bücher sie gleichzeitig prüften.

Quelle: Handelsblatt

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