In den USA müssen wahrscheinlich 200 000 Autos in die Werkstätten
Rückrufe bringen BMW in die Bredouille

BMW droht in den USA ein Imageschaden. Der Konzern muss wahrscheinlich 200 000 Autos wegen defekter Airbags überprüfen. Kein Einzelfall: Die Zahl der Rückrufaktionen in der gesamten Branche nimmt zu.

mwb/hof MÜNCHEN/FRANKFURT. Das erfolgsverwöhnte bayerische Vorzeigeunternehmen BMW glänzt mit Rekordergebnissen trotz allgemeiner Branchenflaute. Doch jetzt droht der automobilen Edelschmiede ein Imageverlust. Ausgerechnet auf dem wichtigsten Exportmarkt USA, wo die teuren Limousinen mit hochwertiger Ausstattung besonders beliebt sind, häufen sich die Rückrufaktionen.

Im jüngsten Fall geht es um Seitenairbags, die sich zu früh auslösen, wie aus einer Veröffentlichung der US-Sicherheitsbehörden hervorgeht. Betroffen sind Modelle der BMW 3er-Serie, die von April 1999 bis April 2001 hergestellt wurden. Sollten die Untersuchungen den Verdacht bestätigen, müssen 204 000 Fahrzeuge des Münchener Autoherstellers zurückgerufen werden. In 41 Fällen sollen die Seitenairbags ohne einen vorherigen Unfall aufgegangen sein und Verletzungen wie Prellungen und Hautabschürfungen verursacht haben, wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA mitteilte. Die Verkehrsaufsicht hat 265 Beschwerden registriert, nach denen die Airbags beim Fahren über Schlaglöcher oder Bordsteine aufgegangen sind.

Der Münchener Konzern richtet sich bereits auf die Rückrufaktion ein, zumal das Unternehmen erst im August wegen ähnlicher Probleme Autos in die Werkstätten beordert hatte. "Die Wahrscheinlichkeit für einen Rückruf ist hoch", sagte ein BMW-Sprecher. Einen Imageschaden befürchtet der Konzern allerdings nicht. "Kunden nehmen es eher positiv auf, wenn wir so schnell reagieren", behauptete der Sprecher. Schließlich sei es nicht zu Unfällen gekommen. Die Münchener erwarten, dass nur die Software, die die Empfindlichkeit der Sensoren steuert, angepasst werden muss. Ein Austausch von Teilen werde deshalb nicht nötig sein. Die Kosten schätzt BMW auf rund 10 Mill. Euro.

BMW hatte zuletzt mit zwei Rückrufaktionen auf das Problem mit den Seitenairbags reagiert. Der Konzern hat in diesem Jahr in den USA bereits etwa 73 000 Autos zurückgerufen und damit etwas mehr als im Gesamtjahr 2001. Auch andere Modelle hatten zuletzt Probleme, außer dem neuen Flaggschiff, der 7er-Reihe, auch der neue Imageträger Mini.

Die direkten Folgen von Rückrufaktionen auf die Ertragslage halten sich meist Grenzen. "Rückrufaktionen hat es immer gegeben und wird es immer geben", so Arndt Ellinghorst, Autoexperte der WestLB in Düsseldorf: "Ein Großteil ist über Rückstellungen abgedeckt." Dass die Zahl der Rückrufaktionen überall zunimmt, liege einfach daran, dass zusätzlich zu Fehlern bei mechanischen Teilen nun verstärkt Software-Probleme hinzukämen. Auf Grund von größeren Software-Problemen im Airbag hatte kürzlich auch General Motors (GM) in den USA die Fahrer von 720 000 Autos in die Werkstätten gebeten.

Ebenfalls Ende August hatte Ford in Amerika 120 000 Autos zurückgerufen. Dabei ging es allerdings um Probleme mit Reifen des deutschen Herstellers Continental. Auch eine der größten Rückrufaktionen des Volkswagen-Konzerns liegt erst drei Monate zurück. VW musste weltweit bei 950 000 Polo- und Lupo-Modellen die Bremsschläuche überprüfen. Mit einem ähnlichen Problem hatte Chrysler ein Jahr zuvor bei mehr als einer halben Million Chrysler Neon zu kämpfen.

Um den Imageschaden in Grenzen zu halten, empfiehlt Ellinghorst den Firmen, aktiv auf Fehler hinzuweisen und zu versuchen, den Kunden frühzeitig zu helfen. Wer dabei gravierende Fehler begehe, setze das Vertrauen in die Marke auf längere Sicht aufs Spiel. So litt der Ruf der Ingolstädter Audi AG in den USA extrem lange darunter, dass es bei den ersten Modellreihen des Audi 100 Probleme mit dem Automatik-Getriebe gab. In letzter Zeit blieb Audi allerdings von Aktionen wie bei BMW verschont.

Besondere Brisanz erhalten Rückrufaktionen in den USA durch eine Praxis der Rechtsprechung, die den Unternehmen bei einem entstandenen Schaden hohe Ersatzansprüche auferlegt. In Deutschland hat sich die Zahl der Rückrufaktionen, die dem Kraftfahrtbundesamt in Flensburg gemeldet wurden, in den vergangenen fünf Jahren auf zuletzt 113 im Jahr 2001 fast verdoppelt. "Modellvielfalt, kurze Entwicklungszeiten und zunehmende Komplexität der Fahrzeuge", hält der ADAC für den Hauptgrund der Qualitätsmängel.

Quelle: Handelsblatt

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