In den USA
Regierungsattacke gegen Sommer weckt Skepsis

Kai-Uwe Ricke und Jo Brauner, die operativen Vorstände der Deutschen Telekom AG, haben sich am Donnerstag klar für einen Verbleib von Ron Sommer an der Spitze des Unternehmens ausgesprochen.

dri/mm/slo DÜSSELDORF. "Wir stehen hinter Herrn Sommer, und die Strategie wird vom gesamten Vorstand getragen", sagte Ricke auf einer Telefonkonferenz zu vorläufigen Ergebnissen der Sparten T-Com, T-Mobile, T-Systems und T-Online.

Beide Vorstände sagten, der Umgang der Bundesregierung mit Sommer schade der Telekom vor allem in den USA, wo das Unternehmen stets seine Staatsferne betont hatte. Ähnlich äußerten sich gestern Manager von angelsächsischen Fondsgesellschaften: Nicht nur Sommer, sondern auch ein möglicher Nachfolger seien dadurch belastet.

In ganzseitigen Tageszeitungsanzeigen warnten Telekom-Mitarbeiter in einem offenen Brief davor, dem Konzern aus wahlkampftaktischen Gründen Schaden zuzufügen. Institutionelle Großanleger dagegen, die mit ihren millionenschweren Investitionen Kursverläufe maßgeblich bestimmen, würden die Ablösung des Telekomchefs durchaus begrüßen. "Wir trauen Sommer die Wende nicht mehr zu", heißt es bei einer großen Investmentfirma. Sommer sei in den Boomjahren ein glänzender Verkäufer gewesen, den rechtzeitigen Wechsel zum Sparen im Abschwung habe er nicht geschafft.

Ein angelsächsischer Fondsmanager glaubt, dass ein Wechsel an der Telekom-Spitze dem Kurs der T-Aktie auf die Beine helfen könnte. "Ein neuer Chef hat mehr Handlungsfreiheit, auch bei der Suche nach einem Fusionspartner auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt."

Nach den vorläufigen Zahlen, die Ricke und Brauner nannten, hat die Telekom das 2. Quartal besser abgeschlossen als erwartet. Erstmals seit dem Fall des Monopols 1998 sei im deutschen Festnetzgeschäft der Umsatz nicht weiter gesunken, sondern um 1,5 % gestiegen, sagte Brauner. T-Systems steigere die Profitabilität, im 1. Halbjahr wuchs das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 7 %. Einen Verkauf der IT-Sparte, über den spekuliert worden war, schloss Brauner aus.

Laut Ricke hat sich bei T-Mobile das Ebitda im 1. Halbjahr um mehr als 1 Mrd. Euro erhöht. Besonders gut entwickele sich Voicestream: 500 000 neue Kunden seien zu den 7,5 Mill. hinzugekommen. Die Netzabdeckung sei von 150 Mill. auf 200 Mill. US-Bürger ausgedehnt worden. In die US-Tochter würde in diesem Jahr 2 Mrd. Euro investiert, "kein Cent mehr", sagte Ricke mit Blick auf die Skepsis von Analysten. Über mögliche Partnerschaften, etwa mit AT&T Wireless, sagte Ricke lediglich, dass die Telekom viele Angebote bekomme und jedes prüfe. An einen Rückzug aus den USA sei aber nicht zu denken.

Quelle: Handelsblatt

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