In der Boxengasse werden gestandene Männer zu kleinen Jungs
Der Schumi im Mann

Sie suchen den Nervenkitzel auf Rennpisten. Amateure gehen bei den Ferrari-Challenge-Rennen an den Start.

Die Schwierigkeit liegt in der Kurve. "Man muss genau aufpassen, dass man nicht zu früh abbremst", sagt Markus Lehner. "Außerdem ist es wichtig, weit außen zu fahren, ohne jemanden an sich vorbeiziehen zu lassen." Der 38-jährige Vermögensverwalter ist Motorsport-Fan. Immer wenn er Zeit hat, schaut er sich die Formel-1-Rennen im Fernsehen an - wenn er nicht gerade selber fährt. Der Unternehmer hat das Autorennen zu seinem Hobby gemacht, auch wenn er diesen Begriff nicht gerne hört, er ist ehrgeizig. Seit dem Lausitz-Rennen im Sommer führt er die Rangliste der Amateurfahrer der "Ferrari Challenge" an.

Sieben Mal im Jahr fahren Lehner und rund 120 andere Rennbegeisterte 14 Ferrari-Challenge-Rennen auf den großen Rennstrecken dieser Welt - Hockenheim in Baden-Württemberg, Zandvoort in Holland, Franchorchamps in Belgien oder Mugello in Italien. Das Besondere daran: Profis, die einst Formel 1 oder andere große Rennen gefahren haben, starten zusammen mit Amateurfahrern, den so genannten Gentlemen Driver. Sie werden getrennt bewertet, doch alle Piloten haben dieselben Voraussetzungen und denselben Wagen, einen Ferrari F360 Modena. Mitte Oktober findet das Finale in Italien statt. Dort treffen nicht nur die europäischen Fahrer aufeinander, sondern auch amerikanische und italienische Piloten, die während der Saison jeweils in einer eigenen Klasse starten.

Einmal wie die Formel-1-Profis durch das Ziel rauschen, mit ein bisschen Glück auf dem Treppchen stehen, einmal einen goldenen Siegerreifen um den Hals bekommen und Champagner durch die Gegend sprühen - das gehört alles zu dem Traum, den viele Fahrer mit dem Mythos Motorsport verbinden. "Es ist ein tolles Gefühl, wenn man das erste Mal auf dem Treppchen steht und seine Hymne hört", sagt Alfred Kremer, der seit mehr als zehn Jahren eine internationale Motorsportlizenz hat und auch in diesem Jahr das Ferrari - Rennen mitmacht. Wie die meisten Amateurfahrer ist Kremer Unternehmer: Der schlanke Mann Anfang 40 ist geschäftsführender Gesellschafter der Multiconsult GmbH, einem Finanzdienstleister.

Egal, wie viel Verantwortung die Geschäftsleute in ihrem Berufsleben haben: In der Boxengasse werden gestandene Männer zu kleinen Jungs. "Ich weiß, dass ich kein Schumacher mehr werde. Aber ich will gewinnen", sagt Markus Lehner, Vorstandschef von Lehner Investments, einer Fondsgesellschaft. Der gebürtige Wiener fährt auch privat Ferrari. Im Rennzirkus ist er allerdings erst seit zwei Jahren und fährt schon um die ersten Plätze mit. Beim Rennen auf dem Lausitzring bei Chemnitz hat er seine Pole-Positon klar gemacht.

Der Lärm ist ohrenbetäubend laut, die Luft riecht nach Asphalt und Gummi, auf den Rängen haben ein paar Hundert Zuschauer Platz genommen. Unruhig geht Lehner in seinem feuerroten Overall vor seinem Wagen auf und ab, ruft seinen Technikern noch einige Anweisungen zu und schaut mit hastigen Blicken auf die Strecke, wo noch ein anderes Rennen stattfindet. "Es ist schon ungewohnt, einen Ferrari auf der Straße zu fahren. Aber ein Rennwagen hat noch einmal ein ganz anderes Fahrverhalten."

Einige Boxen weiter knetet der Fahrer eines schwarzen Wagens mit grünen Lichtern seine Hände und wartet auf den Start. Für ihn ist es bislang schlecht gelaufen - jetzt will er versuchen, das Feld von hinten aufzurollen. "Ich bin nervös", sagt er und geht zu seinem Auto. Seine Autogrammkarten auf dem Tisch daneben zeigen den deutschen Meister des vorigen Jahres in Siegerpose mit dem Daumen nach oben. Neugierige Zuschauer, die auf Einladung der Fahrer gekommen sind, spähen interessiert in seine Box.

"Bei dem Rennen ist es wie im Leben: Man muss ans Limit gehen, um etwas zu erreichen", sagt Lehner selbstbewusst. Ihm gefällt, dass alle Fahrer der Challenge mit demselben Wagen starten. Die Form und der Motor seines roten Ferraris mit der Startnummer 11 gleichen einem Straßenwagen, das Werk hat jedoch etliche Veränderungen an dem 400-PS-Gefährt vorgenommen: Dank Leichtbauweise mit Kohlefaser und einem Formel-1-Getriebe kommt es in vier Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer.

Im Cockpit blinken Digitalanzeigen, der Innenraum ist frei von schützenden Verkleidungen. 1 200 Kilogramm bringt Lehners Rennmobil auf die Waage, ein Straßen-Ferrari wiegt 1 600 Kilogramm. Wer einen Challenge-Wagen bestellt, muss 170 000 Euro hinlegen. An Startgebühren und sonstigen Kosten kommen jährlich 30 000 bis 130 000 Euro hinzu, heißt es bei Ferrari Deutschland. Je nachdem, wie viele Reparaturen nach den Rennen nötig sind.

Immer wieder kommt es vor, dass die Wagen sich beim Überholen unsanft berühren und dann in der Kurve rausfliegen oder sich auf der Strecke um die eigene Achse drehen. Doch das macht für die meisten Fahrer den Spaß aus - und die Herausforderung. "Man muss jedes Mal aufs Neue seine Grenzen überschreiten", sagt Kremer. Und man muss fit sein. Temperaturen von 75 Grad im Cockpit sind im Sommer keine Seltenheit, die feuerfeste Unterwäsche bringt die Fahrer zusätzlich in Schweiß. Da viele Piloten ihren Einsatz ernst nehmen, halten sie sich mit Ausdauersport fit.

Schon nach zehn Runden wird am Lausitzring deutlich, wem die Puste ausgeht. Lehner scheint eine gute Kondition zu haben, er fährt auch zur 20. Runde, der Schlussrunde, noch mit 230 Sachen in die Kurve und überholt zu guter Letzt noch einen Wagen aus dem eigenen Team. "Auch wenn ich kein Schumacher mehr werde: Ich kann nichts verschenken, auch nicht an meine Teamkollegen", sagt er und grinst zufrieden.

Ferrari-Challenge DMSB-anerkannte Fahrerlehrgänge

Scuderia Hanseat Hohenzollernring 62 22763 Hamburg Tel. 040/3905086

Speed Sport GmbH Daimlerstraße 17 41564 Kaarst Tel. 02131/795870

Motorsport Akademie Nürburgring GmbH Historisches Fahrerlager 53520 Nürburg Tel. 02691/932361

Sportfahrer Center Leipziger Str. 180 01139 Dresden Tel. 0351/8491097

Weitere Lehrgänge über die Sportabteilungen des ADAC, AvD, DMV und ADMV.

Kosten

Nationale Lizenz: 75 Euro Nat. A-Lizenz: 125 Euro Internationale Lizenz: 150 Euro

Fahrerlehrgänge: 500 bis 2 500 Euro

Nähere Informationen über das Challenge-Rennen über einen der 24 Ferrari-Vertragshändler. www.ferrari-deutschland.de

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