In der Branche ist Ernüchterung eingekehrt
Banker in der Baisse

Die goldenen Zeiten im Investment-Banking scheinen angesichts der Börsenflaute erst einmal vorbei zu sein. Das wirkt sich auf die Personalpolitik der Häuser aus.

Die Zeiten, als Investment Banking ein absolut heißer Markt war, sind vorbei", stellt Arnaud Mende, Managing Director der Personalberatung Russell Reynolds in Frankfurt, fest. Noch im vergangenen Jahr seien die Gehälter hier geradezu explodiert, doch inzwischen sei in der Branche Ernüchterung eingekehrt. Ganz so hart wie ihre Kollegen in den USA trifft es die Investmentbanker in Deutschland allerdings nicht. Während in New York inzwischen auch die führenden Investmenthäuser wie Merrill Lynch oder Goldman Sachs die Entlassung von Tausenden von Mitarbeitern angekündigt haben, sind ähnlich drastische Maßnahmen hierzulande bislang ausgeblieben. Obwohl auch in Deutschland das Geschäft in den ersten beiden Quartalen alles andere als zufriedenstellend verlaufen ist. Vor allem Dresdner Bank und Commerzbank leiden momentan unter der Flaute an den Kapitalmärkten.

"Die Investmentbanker setzen aber nach wie vor große Hoffnungen auf den deutschen Markt", sagt Mende. Die Ausgangslage sei gut. "Sie erhoffen sich Wachstum und Ertrag von der Steuerreform und der zunehmenden Kapitalmarktfähigkeit des Mittelstandes", fügt er hinzu.

Die Zukunft des Corporate Banking, also des Firmenkundengeschäfts der Banken, ist in Europa heiterer als es heute aussieht, heißt es in einer Studie von Goldman Sachs und McKinsey. Allerdings seien bislang noch 75 Prozent des Kapitals, das dem europäischen Corporate Banking zur Verfügung steht, im Kreditgeschäft gebunden, das nur geringe Erträge abwirft.

Banken schauen bei der Einstellung inzwischen genauer hin

Auch Andreas Halin, Spezialist für Financial Services bei der Personalberatung Spencer Stuart, sieht weiterhin "erheblichen Bedarf" bei den Banken. Die Nachfrage nach Mitarbeitern in den Geschäftsfeldern Fusionen und Übernahmen (Merger & Acquisitions), Aktienmärkte (Equity Capital Markets) sowie Akquisitions- und Beteiligungsfinanzierung sei weiterhin rege.

Allerdings schauten die Banken genauer hin, wen sie einstellen, hat Halin beobachtet. Das bestätigt auch die Deutsche Bank: "Der Ausleseprozess ist hart und die Anforderungen sind hoch. Aber talentierte Mitarbeiter nehmen wir gerne an Bord", sagt ein Sprecher des deutschen Branchenprimus in Frankfurt.

Nicht so gut sieht es allerdings für die Bankangestellten aus, die ihren Schwerpunkt in den High-Tech-Bereichen haben. In den TMT-Branchen (Telekommunikation, Medien, Technologie) seien erste Entlassungen zu beobachten, sagt Personalberater Mende. Sowohl Experten für die Begleitung von Börsengängen als auch für das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) und Anleiheemissionen sei gekündigt worden. Damit ist die Spitze aber offensichtlich noch nicht erreicht. "Die Banken haben Pläne für weitere Entlassungen in der Schublade", sagt Mende. Ob es tatsächlich zu einer Kündigungswelle kommen wird, hängt seiner Ansicht nach im wesentlichen von der Entwicklung der US-Kapitalmärkte bis zum Jahresende ab. Ginge es dort wieder bergab, drohen noch mehr Entlassungen. Dennoch solle man diesen Indikator nicht überbewerten, warnt Mende. Schließlich werde der Personalmarkt noch von einer ganzen Reihe anderer Faktoren beeinflusst.

"Rainmaker" stehen hoch im Kurs

Unter den Banken, die in Deutschland zurzeit sogar in großem Umfang Investmentbanker einstellen, sieht Mende die Deutsche Bank, Lehman Brothers und ABN Amro. Die Commerzbank tritt hingegen die Kostenbremse: "Wir werden weder im Firmenkundengeschäft noch in anderen Bereichen in nennenswertem Umfang Einstellungen vornehmen", sagte ein Sprecher der viertgrößten deutschen Geschäftsbank.

Eine Personengruppe steht noch bei allen Häusern hoch im Kurs: "Rainmaker" sind gesucht. "Das sind Leute, die sofort Geschäft bringen und über hervorragende Kontakte auf Ebene der Vorstandsvorsitzenden und Finanzvorstände verfügen", erklärt Mende.

Hiervon gebe es im deutschsprachigen Raum allerdings "nur eine Handvoll". Diese zu einem Wechsel des Arbeitgebers zu bewegen, erfordere Glück und massive Überzeugungskraft. Rainmaker kassierten Gehälter in der Größenordnung von fünf bis zehn Millionen Mark jährlich.

In anderen, weniger gefragten Positionen müssen die so erfolgs- und einkommensverwöhnten Investmentbanker jedoch deutliche Abstriche hinnehmen. Das Gehaltsniveau sei im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken, so Mende.

Associates mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung verdienten gegenwärtig 90 000 bis 150 000 Dollar fest, müssten aber damit rechnen, in diesem Jahr keine Bonuszahlungen zu erhalten. Auch auf höheren Karrierestufen lägen die Fixgehälter meist nicht über 400 000 Mark.

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