In der deutschen Energiewirtschaft werden neue Positionen bezogen
Analyse: Eon zieht jetzt an RWE vorbei

Die deutsche Mineralölwirtschaft und das Tankstellengeschäft sind bis auf unbedeutende Rudimente in ausländischer Hand. Der Gasmarkt in Deutschland wird von Eon, hervorgegangen aus der Fusion von Veba und Viag, kontrolliert. Das ist das Ergebnis des Deals, den Eon und BP gestern bekannt gegeben haben.

Damit hat der Düsseldorfer Konzern, der sich ganz auf das Geschäft mit Strom, Gas und Wasser konzentrieren und sich von Chemie, Logistik und Immobilien trennen will, im Kerngeschäft die Spitzenposition in Deutschland ausgebaut. Konkurrent RWE in Essen gerät bei Gas, der Wachstumsenergie des 21. Jahrhunderts weit ins Hintertreffen. Auf nationaler Ebene bleibt als Partner nur die zur BASF gehörende Wingas. Die sollte vor einigen Jahren schon übernommen werden. Ein unterschriftsreifer Vertrag wurde allerdings damals wohl vor allem wegen Preisdifferenzen wieder zerrissen.

Aus seiner Strategie, das im internationalen Maßstab zu kleine Mineralölgeschäft bei Veba Oel/Aral schleunigst zu verkaufen oder in eine Partnerschaft einzubringen, hatte Eon-Chef Ulrich Hartmann seit der Fusion mit Viag nie ein Hehl gemacht. Als er aber Ende vergangenen Jahres sein Interesse an Europas größtem privaten Gashändler publik gemacht hatte, waren die Branchenbeobachter davon ausgegangenen, dass dies ein langwieriger Prozess werden würde.

Begründet wurde die Skepsis mit der komplexen Aktionärsstruktur des vor 75 Jahren gegründeten Gasunternehmens. Neben Montankonzernen wie RAG (früher Ruhrkohle), Thyssen-Krupp und Mannesmann halten auch die großen internationalen Ölmultis (Exxon-Mobil, Shell und BP) Anteile an Ruhrgas.

Aber Hartmann gelang der doppelte Befreiungsschlag nicht zuletzt deshalb, weil er sich den in vielen wichtigen Gremien bewährten Klaus Liesen als Eon-Aufsichtsratschef an Bord geholt hatte. Der ehemalige Ruhrgas-Chef gilt als Konstrukteur des Jahrzehnte alten Aktionärsmodells, das ursprünglich die Eigenständigkeit der Ruhrgas sichern sollte. Mit Liesens Hilfe wurde nun der erste Schritt zur Übernahme des Gasgroßhändlers gemacht. Wenn die Kartellbehörden in Bonn und/oder Brüssel ihren Segen geben, werden schnell die nächsten Aktionen folgen.

Die Schlüsselposition für die Übernahme der Ruhrgas-Mehrheit liegt bei der RAG. Wenn Eon bei RAG das Sagen bekäme, dann wäre das Problem sofort gelöst und Ruhrgas fest in Düsseldorfer Hand. Zwar ist Eon beim Essener Konzern, der neben der Steinkohle mittlerweile auch ein veritables "weißes Geschäft" aufgebaut hat, mit knapp 40 Prozent schon jetzt der größte Anteilseigner. Doch bei RWE liegt das zweitgrößte Aktienpaket.

Eine Übernahme der RAG-Mehrheit wäre wegen des hoch subventionierten heimischen Bergbaus mit hohen Folgelasten verbunden. Das dürfte Eon zu teuer sein. Um die letzten Pütts stillzulegen, ist ein zweistelliger Milliarden-DM-Betrag erforderlich. Den will aber niemand in die Hand nehmen, zumal die Europäische Union ohnehin die staatlichen Hilfen bis zum Jahr 2010 auslaufen lassen will.

So muss Eon den Essener Rivalen RWE anderweitig zum Einlenken bei der RAG bewegen: Eine Möglichkeit wäre, dass Eon der RWE die RAG-Tochter Steag überlässt. Als internationaler, unabhängiger Stromerzeuger würde das Unternehmen gut zu RWE passen.

Eon hat gestern die Schlagzahl bei der strategischen Fokussierung erhöht. RWE muss reagieren, um nicht zurückzufallen. Nur eine starke internationale Stellung im Wassergeschäft reicht nicht. Sie ist für den Energie-Wachstumsmarkt USA nichts wert.

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