In der deutschen Wirtschaft wächst die Skepsis
Der Aufschwung schwächelt

Deutschlands Firmen blicken wieder skeptischer in die Zukunft. Das belegt der Ifo-Geschäftsklima-Index. Der Höhenflug des Euros hemmt vor allem die bisherige Konjunkturstütze - den Export.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Konjunkturerwartungen der deutschen Unternehmen haben sich im Juni überraschend eingetrübt. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland fiel überraschend von 91,6 im Mai auf 91,3 Punkte im Juni. Volkswirte hatten mit einem Anstieg gerechnet.

Die vom Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo befragten Unternehmen beurteilten vor allem die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate pessimistischer. Dagegen stieg der Index für die Bewertung der aktuellen Lage. Zur Gesamtverschlechterung trugen ungünstige Meldungen aus dem Bauhauptgewerbe sowie aus dem Groß- und Einzelhandel bei, teilte Ifo mit. "In dem für die konjunkturelle Entwicklung besonders wichtigen verarbeitenden Gewerbe hat sich dagegen das Geschäftsklima weiter erholt", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Entsprechend hoffnungsvoll fiel die Reaktion im Regierungslager in Berlin aus. "Wir beobachten mit Freude, dass der Aufschwung an Fahrt gewinnt", sagte ein Sprecher von Finanzminister Hans Eichel. Wirtschaftsminister Werner Müller erwartet für das laufende Jahr in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 1,2 %. Die offizielle Wachstumsprognose der Bundesregierung liegt allerdings bei nur rund 0,75 %.

Euro behauptet sich

Der Wirtschaftsexperte der Union, Lothar Späth, ist dagegen skeptisch. Ihn erfülle mit Sorge, "dass wir auf keinen Fall den temperamentvollen Aufschwung bekommen, an den auch die Fachwelt geglaubt hat. Den vielen instabilen und schwächlichen Firmen, die bei uns in der Krise sind, wird ein solch schwächlicher Aufschwung kaum helfen."

Skeptisch äußern sich auch Volkswirte und Marktstrategen. "Angesichts dieser Zahlen muss man den Aufschwung in Deutschland möglicherweise weiter nach hinten ins zweite Halbjahr verschieben", meinte Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank. Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank erwartet, dass es keinen steilen Aufschwung geben wird: "Der Index passt ins Bild einer ,Wellblechkonjunktur?. Die Erwartungshaltung hat sich verschlechtert, die Lageeinschätzung ist besser geworden." Der Wirtschaftsweise Bert Rürup geht allerdings nach wie vor davon aus, dass der Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte kommt. Ein "Overshooting des Dollars" würde allerdings ein zusätzliches Risiko für die Konjunktur bedeuten.

Der Euro behauptete sich gestern trotz der negativen Ifo-Zahlen oberhalb der Marke von 0,97 $. Das sind gut 15 % mehr als noch vor drei Monaten. Exportorientierte Branchen wie der Maschinenbau und die Autoindustrie werden durch den Höhenflug gebremst. Für besonders betroffen hält Automobil-Analyst Peter Rieth von der BHF-Bank vor allem die Hersteller Porsche und BMW wegen ihres starken US-Geschäfts. Porsche setzt die Hälfte seiner Autos in Amerika ab. "Wir haben uns gegen einen steigenden Euro-Kurs rechtzeitig abgesichert", beschwichtigt Firmensprecher Manfred Ayasse.

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