In der Finanzbranche gibt es den Trend zu riesigen Allfinanzkonzernen
Größe allein ist kein Kaufargument

Groß, größer, besser? Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz wirft die Frage auf, was Aktionäre von diesen Finanztankern erwarten können. Grundsätzlich mögen Fondsmanager weltweit aufgestellte Allfinanzkonzerne - doch diese Strategie rentabel zu gestalten, sei ungeheuer schwer. Auch Spezialhäuser bieten Chancen.

FRANKFURT/M. Investoren mögen es einfach. Daher sind an den Kapitalmärkten Unternehmen gerne gesehen, die einen klaren Geschäftsfokus haben. Konglomerate mit sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern werden daher mit einem Abschlag gehandelt.

Doch während in anderen Branchen aus diesem Grund Fokussierung angesagt ist, gibt es in der Finanzindustrie den Trend hin zu Groß-Konzernen, die alles aus einer Hand anbieten wollen; siehe Dresdner/Allianz: Allfinanz heißt das Zauberwort. Was ist nun besser, fragen Anleger: die klar fokussierten Unternehmen oder die breit aufgestellten Finanzdienstleister? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nach Ansicht von Fondsmanagern und Analysten aber nicht.

"Bei der Schaffung von weltweit aktiven Finanzsupermärkten geht es vor allem darum, Ertragssynergien zu erschließen", erklärt James Ellman, Fondsmanager für Finanzwerte bei Merrill Lynch, den Trend zur Schaffung von Allfinanzkonzernen. Das bedeutet: Über alle Vertriebskanäle - vom Bankschalter bis zum Internet - soll ein Unternehmen alle Finanzprodukte absetzen, um dadurch mehr zu verdienen. "Das zu schaffen, ist das schwerste überhaupt", schickt Ellman gleich einschränkend hinterher. So habe American Express in den 80er Jahren einen Versuch in Richtung Allfinanz gestartet, sei aber damit gescheitert. Entsprechend skeptisch sind jetzt die Experten, ob es dem Allianz/Dresdner-Verbund nun gelingen wird, mehr Versicherungsprodukte über die Dresdner-Bankschalter zu verkaufen, und ob dazu die Übernahme der Bank wirklich nötig war.

"Groß ist nicht gleich gut"

"Groß ist nicht gleich gut", findet auch William Hawkins, Analyst der auf Finanzwerte spezialisierten Investmentbank Fox-Pitt, Kelton. Seiner Ansicht nach gibt es sowohl bei den breit aufgestellten Finanzkonzernen als auch bei den Spezialhäusern interessante Werte - und auch Nieten.

Bei dem breiter aufgestellten Finanzhäusern gefällt ihm die französische Axa sehr gut, die zurzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis basierend auf der Gewinnprognose für das Jahr 2001 von 20 hat. Das Unternehmen ist weltweit aktiv, bietet dabei sowohl Sachversicherungen an und ist stark im Bereich der Vermögensverwaltung. Der Vorteil der Diversifikation erkennt Hawkins darin, dass die Erträge stabiler sind - läuft es im einem Geschäftsfeld mal nicht so gut, kann das Ergebnis durch die anderen Sparten ausgebügelt werden. "Breit aufgestellte Finanzdienstleister haben den Charakter einer defensiven Investments", bestätigt Pedro Yaguez, Fondsmanager bei Citigroup Asset Management in London. Das bedeutet: Die Aktien schwanken im Kurs weniger stark.

Aktien von Finanzdienstleistern sind transparenter

Diesen Vorzug schätzt auch Matthias Grimm, Adig-Fondsmanager. Bei den Allroundern präferiert er die niederländische ING, auch wenn "die zurzeit ein bisschen teuer" sei. Das KGV auf Basis der Gewinnschätzung für 2001 liegt bei etwa 16 und ist damit ähnlich hoch wie das der Citigroup.

Die Aktien von klar fokussierten Finanzdienstleister wie zum Beispiel der US-Investmentbank Merrill Lynch bieten dem Anleger den Vorteil, dass sie transparenter sind. "Wegen ihrer hohen Abhängigkeit von den Kapitalmärkten sind diese Werte aber auch volatiler", merkt Adig-Experte Grimm an. Ihm wie auch Fox-Pitt-Kelton-Analyst Hawkins gefällt die schwedische Skandia gut. Der größte Versicherer Skandinaviens konzentriert sich auf die Entwicklung von fondsgebundenen Versicherungen, Sparplänen und Vermögensverwaltung mit Fonds. Wichtigster Absatzmarkt sind die USA. Daneben gefällt Grimm auch der Vermögensverwalter Amvescap, der in Deutschland seine Fonds unter dem Namen Invesco vertreibt.

Am Beispiel Skandias lassen sich die Auswirkungen der hohen Kapitalmarktabhängigkeit der Strategie ablesen: Die Skandia-Aktie zählt zu den am schlechtesten gelaufenen Versicherungstiteln in diesem Jahr - im Bärenmarkt sind die Anleger schwerer für fondsgebundene Produkte zu begeistern. Dennoch halten die Experten Skandias Strategie für richtig.

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