„In der Kirche schlägt mein Herz“
Papst tritt nicht zurück

Papst Johannes Paul II. (82) hat bei einer Messe im moslemischen Aserbaidschan Spekulationen über einen Rücktritt zurückgewiesen.

dpa BAKU. Vor Hunderten von Gläubigen in der Hauptstadt Baku meinte er am Donnerstag: "Mit der Kirche und in der Kirche schlägt das Herz des Papstes." Allerdings war er auch beim zweiten Besuchstag in der ehemaligen Sowjetrepublik derart geschwächt, dass er nur wenige Worte der Predigt selbst lesen konnte. Ein Priester trug den Text vor. Vor seiner Weiterreise nach Bulgarien traf der Papst kurz mit Vertretern von Moslems und Juden zusammen.

Spekulationen über einen möglichen Rückzug aus dem Papstamt mehren sich in jüngster Zeit, weil sich die Gesundheit des Papstes rapide verschlechtert. Niemals zuvor hatte der Führer von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vor einer so verschwindend kleinen katholischen Minderheit gepredigt wie im zentralasiatischen Aserbaidschan. Unter den acht Millionen Einwohnern leben selbst nach offiziellen Angaben lediglich 120 Katholiken; die überwiegende Mehrheit sind Moslems. Zur Messe in den Sportpalast kamen auch mehrere hundert Gläubige aus Nachbarländern im Kaukasus sowie orthodoxe Christen.

Weitere Besonderheit in Baku war es, dass der Papst in einem normalen Hotel übernachten musste. Es handelte sich um eine eher mäßige Drei-Sterne-Herberge mit Blick auf das Kaspische Meer. Ansonsten hat der Papst bei seinen bisher 95 Auslandsreisen in Vatikan-Botschaften oder kirchlichen Einrichtungen genächtigt.

"Heute ist der Papst mit Euch", hieß es in der Predigt des Kirchenführers. Zugleich erinnerte er an die Verfolgung von Christen und anderen Gläubigen während der Sowjetherrschaft. Der Papst machte erneut einen hinfälligen Eindruck, saß tief gebeugt auf seinem Stuhl und sprach mit brüchiger Stimme. Der Papst leidet an der Parkinsonschen Krankheit.

Zu einem Zwischenfall kam es zu Beginn des Gottesdienstes, als sich ein offenbar geistig verwirrter Mann auf Krücken dem Papst näherte. Sicherheitsbeamte konnten ihn wegdrängen. Später hieß es, es sei ein aserbaidschanischer Flüchtling aus dem benachbarten Armenien. Die beiden Länder liegen seit längerem im Konflikt; bei Kämpfen um die armenische Enklave Berg-Karabach in Süd-Aserbaidschan starben zwischen 1988 und 1994 Zehntausende von Menschen.

Beim Papstbesuch in Bulgarien ist das Hauptthema die Annäherung zwischen römischen Katholiken und Orthodoxen. Politische Kreisen in Sofia werten die Visite aber auch als endgültige Aussöhnung zwischen dem Vatikan und Bulgarien. Nach dem Attentat auf den Papst 1981 auf dem Petersplatz war längere Zeit von einer "bulgarischen Verbindung" die Rede. Mehrere Bulgaren kamen ins Visier der italienischen Fahnder, weil sie dem türkischen Attentäter Ali Agca geholfen haben sollen. Sie wurden aber später freigesprochen, einige aus Mangel an Beweisen.

Die Hintergründe der Tat liegen bis heute im Dunklen. Der Papst, der damals durch mehrere Schüsse schwer verletzt wurde, hatte sich offen gegen Kommunismus und Sowjetherrschaft gestellt. Es hieß, deshalb hätten ihn östliche Geheimdienste beseitigen wollen.

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