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In der Metallindustrie steht ein Tarifpoker bevor

Zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ist ein heftiger Streit um angemessene Lohnerhöhungen in der nächsten Tarifrunde entbrannt.

dpa BERLIN. Während der Arbeitgeberverband Gesamtmetall angesichts der labilen Konjunkturentwicklung nur geringen Verteilungsspielraum erkennen kann, pochte die IG Metall erneut auf spürbare Einkommenserhöhungen. Der DGB wandte sich gegen abermalige Lohnzurückhaltung. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zeigte sich am Dienstag besorgt über die Wirtschaftsentwicklung und warnte vor einem Ansteigen der Arbeitslosenzahlen über die Vier-Millionen-Marke.

Ein Tarifabschluss für die 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie muss sich nach Ansicht von Gesamtmetall - Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch am gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt ohne vollen Inflationsausgleich orientieren. Für 2001 sei dieser bislang mit knapp einem Prozent veranschlagt. Auch Hundt erwartet kein nennenswert höheres Wirtschaftswachstum.

Die Warnung vor überhöhten Tarifabschlüssen verknüpften die Metallarbeitgeber mit der Befürchtung negativer Auswirkungen für die Belegschaften. Die Metall- und Elektrobranche habe trotz der seit Jahresbeginn um drei Prozent geschrumpfter Produktion mit knapp 3,6 Millionen Beschäftigten den höchsten Juli-Stand seit sechs Jahren erreicht - gut 100 000 Leute mehr als zu Jahresbeginn 2000. Die produktivitätsorientierte Tarifpolitik habe sich trotz sinkender Gewinne als "Entlassungsbremse" erwiesen. Durch flexible Regelungen wie Arbeitszeitkonten hätten bislang 35 000 Arbeitsplätze gesichert werden können.

Hundt forderte die Regierung angesichts der Konjunkturflaute zum Gegensteuern auf. "Ich bin außerordentlich besorgt über die wirtschaftliche und konjunkturelle Entwicklung in Deutschland." Der BDA-Chef mahnte Reformen zur Befreiung des Arbeitsmarktes von einengenden Vorschriften an. Eine Vergleichsstudie im Auftrag des Bündnisses für Arbeit habe dem deutschen Arbeitsmarkt mit Blick auf seine internationale Wettbewerbsfähigkeit "ein vernichtendes Zeugnis" ausgestellt.

Die IG Metall bekräftigte ihre Forderung nach höheren Einkommen in der kommenden Tarifrunde. "2002 wird es um deutlich mehr Geld für die 3,5 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie gehen", sagte IG Metall-Sprecher Claus Eilrich. Es reiche nicht aus, nur den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt an die Beschäftigten weiterzugeben, wie dies Gesamtmetall wolle. Die Metall- und Elektroindustrie mache unverändert glänzende Geschäfte und werde auch in diesem Jahr ein Produktionswachstum von etwa fünf Prozent einfahren.

Der DGB machte sich für eine Ankurbelung der Binnennachfrage stark. "Die jahrzehntelange Lohnzurückhaltung hat nichts gebracht", sagte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer. Eine DGB-Studie zeige, dass die Kaufkraft je Arbeitnehmer - also der reale Nettolohn - seit 1980 um 0,4 % gesunken sei. Die realen Nettogewinne der Unternehmen seien dagegen um 96,5 % hochgeschnellt. Die moderate Lohnpolitik habe den Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht verhindert. "Eine weitere Umverteilung der Einkommen zu Gunsten der Gewinne und zu Lasten der Lohneinkommen und der Kaufkraft der Arbeitnehmer verspricht keine Besserung der Arbeitslage." Putzhammer forderte die Regierung auf, die staatlichen Investitionen nicht zurückzufahren.

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