In der Nähe von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern muss die Leistung der Antennen gedrosselt werden: Massenhysterie wegen Mobilfunkantennen in Spanien

In der Nähe von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern muss die Leistung der Antennen gedrosselt werden
Massenhysterie wegen Mobilfunkantennen in Spanien

In Spanien geht die Angst vor Mobilfunkantennen um. Die Spanier bringen einige Krebs-Todesfälle mit den Antennen in Zusammenhang. Auf Gran Canaria musste der Anbieter Telefónica nach Bürgerprotesten einen Sendemast abbauen.

dpa MADRID. Eladio Trell war ein kräftiger Mann gewesen, der nie krank war. Vor gut einem Jahr bekam der 54-jährige Madrider plötzlich Krebs, wenige Monate später war er tot. Vor ihm waren bereits zwei Nachbarn an Krebs gestorben, zwei weitere plagen sich mit Krebsleiden herum. Die Bewohner des Wohnblocks im Stadtteil Aluche im Süden der spanischen Hauptstadt haben keine Zweifel, was die Krankheit ausgelöst hat: der riesige Mast mit den Mobilfunk- Antennen, der neben ihren Wohnungen emporragt.

Nicht nur in Madrid, sondern in ganz Spanien hat sich Angst vor den Telefon-Antennen ausgebreitet. Auf Gran Canaria musste der Anbieter Telefónica nach Bürgerprotesten einen Sendemast abbauen. Bei Teruel in Ostspanien kappte ein Dorfbürgermeister einer Mobilfunkanlage die Stromzufuhr. Ausgelöst wurde die "Antennenphobie" dadurch, dass kürzlich in Valladolid (Mittelspanien) an einer Schule vier Kinder an Leukämie erkrankten. Auf dem Dach eines Nachbargebäudes befinden sich 36 Antennen.

In einzelnen Orten wurden gar Antennen-Techniker tätlich angegriffen oder mit Steinen beworfen. Die Presse spricht von einer "Massenhysterie". Der Manager eines Mobilfunkanbieters berichtete der Zeitung "El País": "Der Bürgermeister eines Dorfes hat sich bei mir darüber beschwert, dass die Hälfte der Bewohner wegen eines Antennenmastes unter Übelkeit und Kopfschmerzen leide. Dabei waren die Antennen noch gar nicht angeschlossen."

Die Experten versichern, dass die von den Antennen ausgehenden Strahlen harmlos seien. Allerdings so ganz sicher scheinen sie sich auch nicht zu sein. Der Direktor des Instituts für Bioelektromagnetismus in Alcalá de Henares, José Luis Bardasano, betont: "Die Antennen produzieren nun einmal Strahlen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass diese Strahlen keine Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Ebenso wenig lässt sich behaupten, dass sie schwere Krankheiten auslösen."

Auf Grund der wachsenden Angst in der Bevölkerung ordnete die spanische Regierung an, dass die Telefon-Antennen in der Nähe von Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern ihre Leistung drosseln müssen. "Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme", betont Wissenschaftsministerin Anna Birulés. "Man hält auch die Kinder davon ab, zu lange vor dem Fernseher zu sitzen."

Die Betreiber der Mobilfunknetze räumten mittlerweile ein, dass sie die Bevölkerung früher hätten informieren sollen. Der Sozialpsychologe Rafael González bestätigt dies: "Die Angst breitete sich deshalb aus, weil die Leute nur über Gerüchte von möglichen Gefahren erfuhren. Wir benutzen das Mobiltelefon, sind aber nicht damit vertraut. Beim Euro geschah genau das Gegenteil. Die neue Währung kannten wir schon, bevor sie eingeführt wurde. Deshalb wurde sie ein Erfolg."

In ganz Spanien gibt es etwa 40 000 Mobilfunk-Antennen. Sie waren in den 90er Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, als die vier Anbieter in einem Wettrennen darum stritten, wer zuerst das gesamte Territorium abdeckte. "Heute gibt es für jeden Abschnitt vier Antennen. Das ist so, als hätte man zwischen Madrid und Barcelona vier Autobahnen nebeneinander gebaut", meint "El País".

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