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In der Politik tummeln sich die Doppelnamen

Berlin (dpa) - Die SPD-Politikerin Gabriele Lösekrug-Möller hat viele Leidensgenossen. Es koste ja die halbe Redezeit, ihren Namen auszusprechen, rief ihr kürzlich eine Kollegin bei einer Bundestagsdebatte zu. Wer einen Doppelnamen trägt, braucht manchmal ein dickes Fell: Im Internet sammeln Scherzbolde Kombinationen wie Herr Große-Macke, Frau Hammer-Stark oder Dr. Büchsenschütz-Nothdurft. Besonders die Politik scheint in jüngster Zeit für solche Listen reichlich Material zu bieten.

Berlin (dpa) - Die SPD-Politikerin Gabriele Lösekrug-Möller hat viele Leidensgenossen. Es koste ja die halbe Redezeit, ihren Namen auszusprechen, rief ihr kürzlich eine Kollegin bei einer Bundestagsdebatte zu. Wer einen Doppelnamen trägt, braucht manchmal ein dickes Fell: Im Internet sammeln Scherzbolde Kombinationen wie Herr Große-Macke, Frau Hammer-Stark oder Dr. Büchsenschütz-Nothdurft. Besonders die Politik scheint in jüngster Zeit für solche Listen reichlich Material zu bieten.

Im Hamburger Kabinett sitzen jetzt Alexandra Dinges-Dierig (parteilos) und Birgit Schnieber-Jastram (CDU), in Berlin ist seit kurzem Ingeborg Junge-Reyer Senatorin für Stadtentwicklung und bestellte wiederum eine neue Staatssekretärin: Hella Dunger-Löper (beide SPD). «Auffällige Namen bleiben leichter im Gedächtnis», sagt die Sprachwissenschaftlerin Gabriele Rodriguez von der Universität Leipzig. «Bei Politikern ist es vielleicht auch ein Geltungsaspekt.» Auf jeden Fall seien Doppelnamen heutzutage «salonfähig».

SPD-Politikerin Sigrid Skarpelis-Sperk trägt den Spitznamen «Triple S»; FDP-Politikerin Irmgard Adam-Schwaetzer trennte sich hingegen 1991 nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von dessen Namen und heißt seitdem nur noch Frau Schwaetzer. Auch auf die Reihenfolge wird geachtet - so hat sich die Ehefrau des Kanzlers, Doris Schröder- Köpf, vermutlich bewusst dafür entschieden, ihren Namen nach hinten zu stellen.

Die wohl bekannteste Kombination führt die Liberale Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Den Spott trägt sie «mit großer Fassung», wie die ehemalige Bundesjustizministerin sagt. «Jeder, der sich lustig macht, hat nicht begriffen, dass ein Name Ausdruck der Persönlichkeit ist.» Die Kombination sei einprägsam und habe sich «wunderbar eingespielt». Heute sei ein Doppelname viel selbstverständlicher als früher, sagt die 52-Jährige und verweist auf die FDP-Kandidatin für die Europawahl, Silvana Koch-Mehrin (33).

Offizielle bundesweite Zahlen, wer sich bei der Heirat wie entscheidet, gibt es nicht. Beim Standesamt in Hamburg-Altona haben beispielsweise in den vergangenen Jahren zwischen 10 und 15 Prozent der Eheleute einen Doppelnamen gewählt. Gesetzlich möglich ist das Bindestrichmodell, bei dem die Reihenfolge beliebig ist, seit 1976, und seit zehn Jahren darf man auch nach der Hochzeit weiter so heißen wie vorher.

Winfried Breidbach von der Gesellschaft für deutsche Sprache (Wiesbaden) vermutet als Motiv bei Frauen, die sich für die Bindestrichvariante entscheiden, ein «ausgeprägtes Selbstbewusstsein». Die Namenswahl sei «in den ersten Jahren sicher ein Ausdruck von Emanzipation» gewesen, meint Breidbach. Seine Kollegin Rodriguez aus Leipzig pflichtet ihm bei: «Bei Frauen ist das ein Aspekt der Gleichberechtigung.» Es gebe aber auch durchaus Männer, die den Namen ihrer Frau anhängen.

Kinder dürfen laut Bundesverfassungsgericht hingegen keine Doppelnamen tragen. Gut so, befand die «Süddeutsche Zeitung»: Denn sonst könnte, falls die Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Gerhard Mayer-Vorfelder, heiraten würde, der Nachwuchs Greiner-Petter-Memm-Mayer-Vorfelder heißen. Und womöglich mit Vornamen Jaden-Gil.

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