In der Saison 2002 sind Siege das Mindeste
Familien-Leben und Favoriten-Druck: Schumi II in neuer Rolle

Privat auf Wolke sieben, beruflich im Stress wie selten zuvor: Ralf Schumacher steht ein womöglich entscheidendes Jahr seiner Karriere bevor. Siege werden langsam Pflicht.

dpa MÜNCHEN. Der größte Rivale sitzt im eigenen Team, die Chefs erwarten noch mehr von ihm als im Vorjahr, und erstmals ist sogar der Weltmeister-Titel möglich. Dabei hätte der frisch gebackene Familienvater gerade in dieser Saison durch Söhnchen David besonders viel Ablenkung. Doch wie den erfolgreichen Bruder soll ihn die junge Familie gleichfalls nicht bremsen. Im Gegenteil: "Michael ist nach der Geburt seines Sohnes auch schneller geworden", so Ralf Schumacher.

Um den Schlaf bringt ihn der Nachwuchs jedenfalls nicht mehr. Anfangs sei er noch nachts aufgestanden, berichtete der 26-Jährige, "mittlerweile habe ich das an meine Frau weiter geleitet." Der Williams-BMW-Pilot will sich auf den Job konzentrieren. Er muss es allerdings auch.

Für Ralf Schumacher ist es in bisher fünf Formel-1-Jahren kontinuierlich bergauf gegangen. Erst mit Achtungsergebnissen mit dem unterlegenen Jordan-Team, dann in den beiden "Aufbau-Jahren" mit der neuen Kombination Williams und BMW. Seine drei Grand-Prix-Siege waren eine freudige Überraschung, in der Saison 2002 jedoch sind Siege das Mindeste. Die Vorgesetzten machten das klipp und klar. "Ralf hatte eine hervorragende erste Saisonhälfte, die zweite Halbzeit war nicht so gut", sagte BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger und schraubte die Messlatte hoch: "Es gibt Fahrer, die ziehen das knallhart die ganze Saison durch - wie Michael Schumacher."

Das interne Duell ist hart

Teamkollege Juan Pablo Montoya hingegen hatte zugelegt. Diesmal spricht der selbstbewusste Kolumbianer sogar offen vom Titel. Ralf Schumacher kann sich nicht erlauben, Trainingsduelle und Rennen gegen den Kolumbianer zu verlieren. Denn die interne Auseinandersetzung gilt in der Branche als das wichtigste Indiz für die Stärke eines Piloten. Weltmeister Michael Schumacher setzte den Bruder zusätzlich unter Druck, indem er Ralf und Montoya in den Rang seiner größten WM- Rivalen erhob. "Schumi II" gab sich offiziell unbeeindruckt von den Vorgaben. "Mit der Favoritenrolle gehe ich locker um", meinte er.

Im Vorjahr hatte der Kerpener noch mehr als mit den ersten Siegen mit seinem Privatleben für Schlagzeilen gesorgt: Dem Umzug ins neue Eigenheim bei Salzburg, der Hochzeit mit Cora, der Geburt von David. 2002 sollen die Erfolge dominieren, wenn auch zunächst die neue Sehhilfe ein öffentliches Thema war. Schumacher: "Letztes Jahr hat mir in der zweiten Saisonhälfte der Durchblick ein bisschen gefehlt. Da dachte ich, ich versuch's mal mit Brille."

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