In der Serie A stürzten nur die Favoriten, in der Serie B ging gleich der gesamte Fußball zu Boden
Italiens Regierung beruft Fußball-Krisengipfel ein

Es sollte nur ein Fußball-Spiel werden. Doch noch bevor der Anpfiff ertönte wurde es eine Schlacht zwischen Hooligans und Polizei: Das Lokalderby zwischen Avellino und dem SSC Neapel geriet völlig aus den Fugen, ganz Italien ist fassungslos.

HB ROM. Hunderte randalierende Neapel-Fans lieferten sich in und um das Stadion "Partenio" am Wochenende Schlachten mit der Polizei und verhinderten den Anpfiff des Zweitligaderbys. Ein 20-jähriger Fan liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus, 34 Polizisten wurden verletzt. Für Montag rief Italiens Innenminister Giuseppe Pisano Clubs, Liga und Polizei zum Krisengipfel nach Rom. "Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun", klagte Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Iervolino.

"Die Hölle von Avellino" wird Folgen haben, berichtete am Montag die "La Gazzetta dello Sport". Neapel wird das Spiel mit 0:3 Toren aberkannt werden, zudem muss der Club wohl vier oder fünf Heimspiele auf neutralem Platz austragen. "Hier sind bewaffnete Leute ins Stadion gekommen, um Krieg zu führen", sagte Avellino-Trainer Zdenek Zeman, der keinerlei Mitleid mit dem verletzten Fan aufbringen konnte. "Wer ohne Eintrittskarte versucht, über ein Plexiglasdach in ein Stadion einzudringen, der geht das Risiko bewusst ein", sagte Zeman. Nachdem andere Fans das Spielfeld bereits über das Dach erreicht hatten, war der 20-Jährige durch die Scheiben gebrochen und zehn Meter in die Tiefe gestürzt. Die Ankunft des Rettungswagens nutzten daraufhin weitere Randalierer, um mit Knüppeln bewaffnet und vermummt ins Stadion vorzudringen.

Mit Hilfe von Video-Aufzeichnungen hoffte die Polizei noch am Montag die ersten Randalierer identifizieren und festnehmen zu können. Ein neues Gesetz ermöglicht es der Polizei, Randalierer noch 48 Stunden nach der Tat nur auf Grund von Video-Beweisen ohne richterliche Anordnung festnehmen zu können.

Während die Serie B am Sonntag fassungslos über die Gewaltausbrüche von Avellino diskutierte, gönnten sich die in der Champions League so grandiosen Top-Clubs der Serie A am dritten Spieltag geschlossen eine Auszeit: Titelverteidiger Juventus Turin kam im Spitzenspiel gegen den AS Rom am Sonntagabend beim hochklassigen 2:2 genauso wenig über ein Unentschieden hinaus wie Champions League-Sieger AC Mailand und Lokalrivale Inter. Milan spielte in Perugia 1:1, Inter musste sich zu Hause mit einem 0:0 gegen Aufsteiger Sampdoria Genua zufrieden geben. Lazio Rom erwischte es mit einer 2:3-Heimniederlage gegen den AC Parma noch schlimmer. An der Spitze bilden Rom, Juve, Parma und die beiden Mailänder Clubs nun punktgleich (7) ein Führungs-Quintett. Lazio folgt mit sechs Zählern auf Rang sechs.

"Wir sind im Titelrennen dabei", jubelte Roms Jonathan Zebina nach seinem Ausgleichstor in Turin. Nach der 2:0-Führung durch den Doppelschlag von Marco Di Vaio in der ersten Halbzeit mussten die Turiner, die Stürmerstar Alessandro Del Piero wegen einer Wadenverletzung früh für mindestens 45 Tage verloren, am Ende mit der Punkteteilung zufrieden sein. Hätte Nationaltorhüter Gianluigi Buffon nicht kurz vor dem Abpfiff gegen Roms Spielmacher Francesco Totti mit einer Glanzparade brilliert, wären die Turiner am Ende sogar noch als Verlierer vom Platz gegangen.

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