In der Zange von Bill Gates
Microsoft will den PDA-Markt erobern

So wie Tempo für Papiertaschentücher steht und Walkman für tragbare Kassettenrekorder, so steht Palm allgemeingültig für handtellergroße Kleincomputer. Den offiziellen Begriff Personal Digital Assistents (PDA) verwendet kaum jemand mehr. Doch so wie Tempos Konkurrenten am Marktanteil knabbern, könnte auch Palm bald nur noch eine Warengruppenbezeichnung sein, deren Namensgeber in der Masse der Anbieter entschwindet.

Auf dem Markt für die Handflächen-Rechner zeichnet sich ein gnadenloser Kampf ab: Palm gegen Microsoft. Der Software-Konzern will mit seinem Betriebssystem Pocket PC 2002 den Markt für PDA aufrollen.

Nach eher erfolglosen Anläufen mit PDA auf Basis des Betriebssystems Windows CE scheint Microsoft mit Pocket PC 2002 ein Erfolg versprechender Wurf gelungen zu sein, sagen Analysten. So verlor der bisherige Platzhirsch Palm nach Angaben der Marktforscher von Dataquest im Laufe des vergangenen Jahres knapp 10 % Marktanteil auf nun rund 45 %. Hingegen konnte der Pocket-PC-basierte Compaq Ipaq seinen Marktanteil binnen eines Jahres von 7,2 auf 18,7 % steigern. Auch Hewlett-Packard, ebenfalls ein Microsoft-Anhänger, legte von 5,9 auf 11,8 % zu.

Doch die Zeiten rasanten Wachstums sind für alle Beteiligten vorbei: "Der gesamte europäische PDA-Markt zeigte in 2001 ein nur geringes Wachstum um 0,9 % auf 2,17 Millionen Geräte", konstatiert Dataquest-Analyst Roberto Cozza.

"Die Weihnachtssaison begünstigte die Hersteller mit einer guten Präsenz in den Handelsketten und ersten Produkten auf Basis von Pocket PC 2002. Doch der Preis war letztlich für die meisten Konsumenten das wichtigste Kaufkriterium."

Der Fokus des Aufsteigers Microsoft liegt im lukrativen Markt der Unternehmens-Anwender - und für die zählt etwas weniger der Preis und dafür umso mehr die Integration ins Firmennetz. Und in der Tat scheint Microsoft hier Vorteile zu haben: Schließlich läuft fast jeder PC auf dem Schreibtisch auf Windows-Basis. Zu den ersten Herstellern entsprechender Hardware gehören neben Compaq und Hewlett-Packard auch Casio, MMO2, NEC und Toshiba. Dabei sind alle PDA mit dem Intel-Prozessor Strong ARM und 64 oder 128 Megabyte Arbeitsspeicher sowie einem Farbdisplay von 240 x 320 Bildpunkten ausgestattet. Das Gewicht liegt durchgängig unter 200 Gramm, die Batterielaufzeit reicht für einen vollen Arbeitstag aus.

Preislich liegen die Microsoft-liebenden PDA weit oberhalb 500 - und kosten damit erheblich mehr als ihre Palm-kompatiblen Gegenstücke. Doch gleichzeitig bieten sie meist mehr Funktionen. So lassen sich die neuen Ipaq-Modelle Compaqs nicht nur per Sprache bedienen, ein Handy-Anschluss ermöglicht auch das drahtlose Surfen im Internet. "Der Ipaq ist für uns eine Lösung für Fahrer-Informationssysteme im Automobil, für Flottenmanagement oder auch für die Bergrettung", sagt Karole Bode, Direktor Access Business bei Compaq Deutschland. Compaq-Fusionspartner in spe Hewlett-Packard will auf der Cebit dagegen mit dem Vorurteil aufräumen, PDA mit Microsoft-Betriebssystem schluckten so viel Energie, dass ihr Akku chronisch leer sei. Die Energiereserven des HP Jornadas 565/568 sollen 14 Stunden halten, obwohl das Gerät mit einem 206-Megahertz-Prozessor protzt.

Neu im Markt ist MMO2, frisch umbenannter Mobilfunk-Arm von British Telecom und Muttergesellschaft von Viag Interkom. Deren neuestes Produkt O2XDA ist eine Kombination aus PDA und Handy. "Mit ihm wollen wir das mobile Internet mit GPRS realisieren", erklärt Produkt-Manager Gerhard Mayrhofer.

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