In Deutschland gibt es rund 400 Einkaufs- und Marketingverbände
Verbundgruppen zögern beim E-Business

Einkaufs- und Marketing-Kooperationen wie Vedes haben beste Voraussetzungen für den Internet-Handel - nutzen sie bislang aber zu wenig aus.

DÜSSSELDORF. Die Partner scheinen so gar nicht zusammenzupassen: Auf der einen Seite die Gebrüder Samwer, drei Vorzeige-Gründer der Neuen Wirtschaft, auf der anderen Electronic Partner (EP), die mit über 4 300 Mitgliedern größte europäische Verbundgruppe für Elektronik-Artikel. 10 % am neuen Unternehmen der Samwers, dem Mobilfunk-Portal Jamba, übernahm der Zusammenschluss kleiner und mittlerer Elektro-Händler im Oktober.

Ein erstaunliches Geschäft, denn Verbundgruppen gelten als konservativ. Rund 400 dieser Einkaufs- und Marketing-Kooperationen von mittelständischen Fachhändlern und Handwerkern gibt es in Deutschland: Vedes, Garant Schuh und Electronic Partner sind die bekanntesten unter ihnen.

"Die Mehrheit steht der Einführung des Internet-Vertriebs äußerst skeptisch gegenüber", sagt Jörg Glaser, Geschäftsführer des Zentralverbandes Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) in Bonn. Erst knapp ein Drittel der Handelskooperationen bieten Möglichkeiten des Online-Shopping für den Endverbraucher an oder planen diesen Schritt in nächster Zeit, ergab eine Studie des ZGV.

Verbundgruppen scheuen die Kosten

"Die Unternehmensstruktur der Verbundgruppen ist sehr komplex", erläutert Werner Zündorf, Unternehmensberater und Verbundgruppen-Experte aus Grevenbroich, "Sie lässt sich nicht so ohne weiteres kurzfristig auf den E-Commerce übertragen." Die Verbundgruppen wissen häufig nicht, wie sie Internet-Auftritte praktisch umsetzen sollen, zudem scheuen sie die Kosten - und vor allem den Ärger mit den Händlern vor Ort.

Dabei hätte das Konstrukt eine gute Ausgangsposition im Online-Geschäft mit den Endkunden: Die Konsumenten kennen die Marken oft seit Jahrzehnten, mit ihren Filialen sind die Verbundgruppen sogar in der Provinz präsent. Und Einzelhändler, die es schaffen, die Vertriebskanäle Internet und Laden geschickt zu verbinden, haben in Zukunft gute Karten, prophezeien Marktbeobachter.

Beispiel Electronic Partner: Im Februar brachten die Düsseldorfer auf einen Schlag mehr als 500 Fachhändler über ihren Netshop ins Web. So eng wie möglich will die EP-Zentrale ihre Geschäftsleute vor Ort in das Internet-Angebot einbinden. Zum Beispiel können Kunden, die sich die online gekaufte Ware nicht per Post schicken lassen wollen, ihre Bestellung im Laden des nächsten EP-Händlers abholen. Auf Wunsch bringt dieser das Gerät auch ins Haus und installiert es gleich.

Nur kein Ärger mit dem Fachhandel

Beim Bezahlen offeriert Electronic Partner den Kunden ebenfalls mehrere Möglichkeiten - sie können die Rechnung am PC mit Kreditkarte oder Lastschrift begleichen, oder bar bezahlen, wenn sie die Ware in Empfang nehmen. "Die meisten Kunden möchten bequem in der virtuellen Einkaufswelt bestellen, jedoch gleichzeitig die Gewissheit haben, dass ihnen bei Fragen, Problemen oder Reklamationen ein kompetenter Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung steht", meint Michael Krumpholz, Geschäftsführer der EP GmbH. -Netshop

Die Verbundgruppe versucht, Ärger mit ihren Fachhändlern zu vermeiden: Der Auftrag eines Kunden wird anhand der Postleitzahl des Bestellers dem nächstgelegenen Händler zugewiesen. Auch bei einer direkten Lieferung aus den EP-Logistikzentren in Augsburg und Berlin binden die Düsseldorfer die Filialen ein. So übernimmt der Händler vor Ort den Kundendienst und tauscht die online georderte Ware bei Bedarf um - dafür ist er am Umsatz der EP-Internet-Sparte beteiligt. Zudem können die einzelnen Händler über EP-Netshop auch ihre Filiale leicht ins Netz bringen. Für die eigene Seite müssen sie 50 monatlich an EP-Netshop zahlen.

Auf diese Weise versucht zum Beispiel Fred Pahl, Inhaber von EP-Pahl in Herzberg im Harz, neue Kunden zu gewinnen. "Mit dem Internet-Shop hat sich unsere Verkaufsfläche und unser Warenangebot vervielfacht", sagt er. "Alleine hätten wir einen solchen Shop nie in dieser Qualität und zu diesen Kosten einrichten können."

Vedes setzt auf das Web

Schwerer tut sich da schon Vedes. Im Oktober vergangenen Jahres öffnete die Vereinigung der Spielwaren eG-Fachgeschäfte (Vedes) in Nürnberg ihren Online-Shop und vertreibt rund 1 000 Artikel über das Netz. Für die 1904 gegründete Einkaufsgenossenschaft ein großer Schritt: Mit dem Online-Shop versucht Vedes zum ersten Mal, an den Filialen vorbei direkt Geschäft mit dem Endkunden zu machen. Und die Zentrale der Genossenschaft, berichten Branchenkenner, hat sich dafür heftige Kritik von Händlern eingefangen, die um ihre Umsätze fürchten. "Das ist nicht nur bei Vedes so, alle Verbundgruppen haben mit diesem Problem zu kämpfen", sagt Unternehmensberater Zündorf.

Doch die Vedes-Zentrale setzt auf das Web: "Wir haben einen Marken-Bekanntheitsgrad von über 80 Prozent und die Verbindung zum stationären Fachhandel", sagt Stephan Bercher, Marketingleiter bei Vedes. Er baut daher auf "die enge Verzahnung des Internet-Auftritts mit dem Fachhandel". Derzeit ist davon auf der Web-Seite von Vedes aber erst wenig zu spüren. Lediglich eine schnelle Suche des nächstgelegenen Vedes-Ladens anhand der Postleitzahl wird angeboten. Doch die Einbindung von Internet-Auftritten der einzelnen Händler sei geplant, sagt Bercher.

Nicht alle Verbundgruppen glauben an den elektronischen Vertriebskanal

Die ersten Erfolge von Vedes oder EP lassen aber noch nicht alle Verbundgruppen an das Netz als Vetriebskanal glauben: So rät zum Beispiel die Garant Schuh + Mode AG in Düsseldorf, mit 4 800 Mitgliedern in 12 Ländern größte europäische Verbundgruppe selbstständiger Schuh-, Sport und Lederwarenfachhändler, vom direkten Verkauf über das Internet dringend ab. "Bei Retourenquoten von über 30 Prozent beim Versandgeschäft von Schuhen braucht ein Fachhändler wohl kaum ernsthaft über diesen Vertriebskanal nachzudenken", warnt Vorstandsmitglied Erika Reinhard vor dem "blauäugigen Einstieg" in den E-Commerce.

Komplett verschließt sich Garant dem Internet aber nicht. Die Verbundgruppe erledigt seit Anfang des Jahres Geschäfte mit den Einzelhändlern elektronisch. Die Geschäftsleute vor Ort können über das Internet Ware ordern, Rechnungen austauschen, Informationen abrufen und Werbemittel bestellen - ein Weg, den viele Verbundgruppen gehen. Mehr als die Hälfte aller Einkaufs- und Marketing-Kooperationen wickeln inzwischen Geschäfte zwischen den einzelnen Mitgliedern und der Zentrale über das Netz ab, ergab die ZGV-Studie. "Dadurch sind erhebliche Kostenreduzierungen möglich", sagt Berater Zündorf. Allein im Beschaffungsbereich ließen sich durch die elektronische Geschäftsabwicklung bis zu 60 Prozent der Bearbeitungskosten einsparen, schätzen Fachleute.


INTERNET-ADRESSEN

www.verbundgruppen.de - Web-Portal für Verbundgruppen von Unternehmensberater Werner Zündorf

www.zgv-online.de - der Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) im Netz

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%