In Deutschland und den USA
Chronik der Terror-Ermittlungen

Seit den Terrorangriffen vom 11. September fahnden Ermittler in den USA und in Deutschland fieberhaft nach den Hintermännern des Massenmords.

ap FRANKFURT/MAIN. Seit den Terrorangriffen vom 11. September fahnden Ermittler in den USA und in Deutschland fieberhaft nach den Hintermännern des Massenmords. Am Montag lief in Deutschland, wo drei der mutmaßlichen Haupttäter lebten, eine bundesweite Rasterfahndung nach weiteren potenziellen islamistischen Terroristen an.

11. September: Die amerikanische Bundesbehörde FBI nimmt nach den blutigen Terroranschlägen von New York und Washington die Ermittlungen auf.

12. September: Das FBI macht nach ersten Erkenntnissen vier Terroristengruppen für die Terroranschläge verantwortlich. Ins Ziel der Fahnder geraten der 33-jährige gebürtige Ägypter Mohamed Atta und der 23-jährige Marwan Al Shehhi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die zeitweilig in Hamburg wohnten. Ihre Namen stehen auf den Passagierlisten zwei der entführten Flugzeuge. Am Bostoner Flughafen finden die Ermittler ein von Atta gemietetes Auto. Ein Ehepaar in Florida wird vernommen, weil es im Sommer 2000 Atta und Al Shehhi als Flugschüler für einige Tage bei sich untergebracht hatte. Insgesamt waren die beiden von Juli 2000 bis Januar 2001 in Florida. Die Hamburger Polizei durchsucht ihre letzte Wohnung im Stadtteil Harburg.

13. September: Die US-Behörden identifizieren im Zusammenhang mit den Terroranschlägen mehr als ein Dutzend Entführer nahöstlicher Herkunft. Nach Angaben des US-Justizministerium wurde mindestens ein Entführer in jedem der vier betroffenen Flugzeugen an einer US-Flugschule ausgebildet. Laut Generalbundesanwalt Kay Nehm lebte neben Atta und Al Shehhi noch ein weiterer der Selbstmordattentäter, der 26-jährige gebürtige Libanese Ziad Samir Jarrahi, zeitweilig in Hamburg. Er verließ den Ermittlungen zufolge im Juni 2000 Deutschland und besuchte zwei Flugschulen in Florida. Atta befand sich in der ersten Maschine, die auf das World Trade Center stürzte, Al Shehhi in der zweiten und Jarrah in jenem Flugzeug, das in Pennsylvania abstürzte.

14. September: Die New Yorker Polizei tätigt die erste Festnahme. Der Festgenommene gilt als "unentbehrlicher Zeuge".

15. September: Das FBI verhaftet 25 Personen. In Bochum durchsucht die Polizei zwei Wohnungen, in einer lebt Jarrahis Freundin, die diesen als vermisst gemeldet hatte. Bei ihr wird ein Koffer mit "Flugzeug bezogenen Unterlagen", gefunden, den Jarrahi zurückgelassen hatte.

16. September: Die New Yorker Polizei verhaftet eine zweite Person. Die amerikanische Bundespolizei FBI veröffentlicht die Namen von 19 Personen, die nach bisherigen Ermittlungen die vier Flugzeuge entführt haben, die an der Terrorserie beteiligt waren.

17. September: Weitere Wohnungen werden in Hamburg und Bochum durchsucht.

19. September: Gesucht wird nach einer Fahndungsliste des FBI auch der 26-Jährige Deutsch-Marokkaner Said Bahaji. Der Hamburger TU-Student war kurz vor den Anschlägen verschwunden.

20. September: In Deutschland leben nach Angaben aus Nordrhein-Westfalen rund 100 so genannte Terror-Schläfer. In Hamburg läuft die Rasterfahndung nach weiteren möglichen Terroristen in der islamistischen Szene auf vollen Touren. Das FBI verhaftet den 34-jährigen Nabil Al Marabh. In seiner Wohnung werden Aufzeichnungen zu Flugplänen und der Anordnung von Start- und Landebahnen beschlagnahmt.

21. September: Nehm erlässt wegen Beteiligung an den Terroranschlägen Haftbefehl gegen Bahaji und einen weiteren Hamburger Studenten, den 29-jährigen gebürtigen Jemeniter Ramsi Mohamed Abdullah Binalshibh. Beide hatten nachweislich Kontakt mit Atta und Al Shehhi und gelten als Logistiker des Terrornetzwerks. Bahaji, der Wehrdienst bei der Bundeswehr geleistet hatte, war den Ermittlungen zufolge am 3. September über Istanbul nach Pakistan geflogen, um dort angeblich ein Praktikum zu absolvieren. Binalshibh wollte wie Jarrahi eine Flugschule in Florida besuchen. Ein Visum für die USA wurde ihm verweigert. Die britische Polizei verhaftet einen algerischen Piloten, der Verbindungen zu vier der mutmaßlichen Flugzeugentführer in den USA unterhalten haben soll. Die USA beantragen die Auslieferung des 27-jährigen Lotfi Raissi.

22. September: Die US-Justizbehörden leitet gegen Nageeb Abdul Jabar Mohamed al Hadi ein Strafverfahren ein. Am Tag der Anschläge war dieser in Kanada festgenommen worden, weil er mit zwei Lufthansa-Uniformen und falschen Papieren nach Chicago fliegen wollte.

23. September: Der Verdacht, dass an den Börsen aus den Terroranschlägen in den USA Kapital geschlagen wurde, erhärtet sich. Untersuchungen in Deutschland zufolge gab es am 11. September ungewöhnliche Aktienbewegungen.

24. September: In einem Vorort von Dallas nimmt das FBI einen Palästinenser fest, dessen Name in einem Adressbuch eines ehemaligen Privatsekretärs Bin Ladens auftauchte. In Texas werden zwei als Zeugen gesuchte Männer in einem Flugzeug der American Airlines festgenommen.

25. September: Die USA bringen einen ersten Verdächtigen wegen Unterstützung der Entführer vor Gericht. Herbert Villalobos wird beschuldigt, dem Terroristen Abdul Asis El Omari im US-Staat Virginia bei der Beschaffung eines Ausweises geholfen zu haben. Der 23-jährige Karim Kubriti und der 33-jährige Ahmed Hannan, die sich mit Villalobos auch auf der KFZ-Zulassungstelle aufgehalten hatten, wurden am 17. September festgenommen. Auf einer Liste der US-Regierung mit Organisationen, deren Konten wegen angeblicher Kontakte zu Bin Laden eingefroren wurden, taucht auch der Name des in Hamburg lebenden syrischen Geschäftsmann Mamoun Darkazanli auf. Dieser weist jeden Verdacht auf eine Verbindung mit den Terroranschlägen in den USA zurück.

27. September: Das FBI veröffentlicht Fotos der 19 mutmaßlichen Flugzeugentführer. Es wird geprüft, ob sich die Männer möglicherweise eine falsche Identität zugelegt haben. In Wiesbaden werden drei Männer im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Islamisten festgenommen. Bei ihnen werden zahlreiche gefälschte Dokumente und Kreditkarten, Stadtpläne sowie eine geladene Waffe gefunden.

28. September: Nach Angaben von US-Justizminister John Ashcroft wurden im Zuge der Ermittlungen mehr als 480 Personen festgenommen. Die Ermittlungen konzentrierten sich nicht nur auf eine Gruppe, die mit Bin Ladens Organisation El Kaida in Verbindung steht, sondern auf eine Serie von Netzwerken weltweit. Ashcroft legt ein fünfseitiges, handgeschriebenes Dokument in arabischer Sprache vor, das im Gepäck von Atta gefunden wurde. Es enthält Anweisungen für das Verhalten vor und während des Fluges und zahlreiche religiöse Passagen. Auch ein Testament aus dem Jahr 1996 wurde gefunden. Im Zusammenhang mit dem illegalen Konsulat der Taliban-Regierung in Frankfurt am Main ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Afghanen, die im Auftrag der Taliban Visa für Afghanistan ausgestellt haben sollen.

29. September: In Deutschland gibt die Deutsche Bank den Ermittlungsbehörden Auskunft über Konten der Familie Bin Ladens.

30. September: Den Terroristen standen nach Angaben eines amerikanischen Ermittlers 500 000 Dollar (1 074 000 DM) zur Verfügung. Laut Bundeskriminalamt soll Binalshibh für die Todespiloten Pässe und Quartiere beschafft haben.

1. Oktober: In Deutschland beginnt die bundesweite Rasterfahndung nach Verdächtigen in Zusammenhang mit islamischem Terrorismus. Das FBI hat inzwischen mehr als zehn Agenten in Hamburg stationiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%