In diesem Jahr erreicht die Ausschüttung vieler MDax-Werte sechs Prozent und mehr: Nebenwerte bieten stabile Dividenden

In diesem Jahr erreicht die Ausschüttung vieler MDax-Werte sechs Prozent und mehr
Nebenwerte bieten stabile Dividenden

Auf dividendenstarke Aktien zu setzen, ist bei Anlegern "in". Dabei gilt: Je stärker die Kurse fallen, desto höher ist die Rendite - wenn die Ausschüttung konstant bleibt. Doch da liegt der Haken. Denn die Geschäfte vieler Unternehmen laufen schlecht. Sie sind daher gezwungen, ihre Gewinnbeteiligung zu kürzen oder ganz zu streichen.

DÜSSELDORF. Anleger, die bei der Auswahl ihrer Aktien vor allem auf eine hohe Dividendenrendite setzen, haben es zurzeit nicht leicht. Zwar erreichen nach den Kurseinbrüchen der vergangenen Monate viele Titel Rekordwerte in dieser Kategorie. Doch es lauert eine große Gefahr: Wird die Ausschüttung gekürzt oder bleibt sie ganz aus, stürzt der Kurs der jeweiligen Aktie ab.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von knapp 3 % gegenüber 1,8 % im amerikanischen S&P-500-Index daher nur auf den ersten Blick interessant. Denn die Zahl basiert auf der Annahme, dass beispielsweise der Versicherungsmakler MLP oder die Hypo-Vereinsbank ihren Anteilseignern auch tatsächlich eine Dividende zahlen. Da beide Unternehmen derzeit allerdings rote Zahlen schreiben, ist davon jedoch nicht auszugehen.

Mehr Stabilität verspricht die so genannte zweite Reihe - der MDax. Dessen 70 Werte weisen eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,5 % aus. Das ist nicht nur günstiger als beim Dax. Nach Recherchen des Handelsblatt können die Anleger zudem davon ausgehen, dass viele Unternehmen, die auf dem derzeitigen Kursniveau Renditen von rund 6 % bieten, ihre Ausschüttung auch halten.

"Wir streben eine Ausschüttungsquote von gut 37 % an", sagt beispielsweise Indus-Chef Helmut Ruwisch. Bei einem voraussichtlichen Gewinn von etwas über 3 Euro pro Aktie errechnet sich daraus eine Dividende auf dem Vorjahresniveau in Höhe von 1,15 Euro. Weil sich die Beteiligungsgesellschaft auf die Übernahme solider und alteingesessener Mittelständler fokussiert und auf waghalsige Investments verzichtet, wachsen Umsätze und Erträge Jahr für Jahr. Der Aktienkurs notiert dagegen auf dem historischen Tief von 16 Euro. Daraus errechnet sich eine Dividendenrendite von 7 %.

Dauerhaft stabile Dividenden sind auch bei IWKA zu erwarten. Der Maschinen- und Anlagenbauer schafft es, sich in einem schwierigen Branchenumfeld zu behaupten. 2002 erhöhten sich Auftragseingänge, Umsatzerlöse und das operative Ergebnis. Der Vorstand wird daher dem Aufsichtsrat wie im Vorjahr vorschlagen, 0,66 Euro pro Aktie auszuschütten. Das entspricht bei einem aktuellen Aktienkurs von 10,75 Euro einer Rendite von 6,14 %.

Wer noch mehr will, wird in tieferen Börsenregionen fündig. Die Vorzugsaktien des Modemachers Adolf Ahlers bringen derzeit 10 %. Anders als die größeren Wettbewerber Hugo Boss und Gerry Weber, die im konjunkturanfälligeren Hochpreis-Segment tätig sind, kann Ahlers mit seinen margenstarken Marken seine Ertragsziele erfüllen.

Doch Vorsicht: Von den 88 Cents, die Ahlers pro Vorzugsaktie verdient, sollen nach dem Willen des Vorstandes und des Aufsichtsrats 87 Cents an die Anteilseigner ausgeschüttet werden - so viel wie seit acht Jahren. Da besteht kaum Spielraum, die Dividende stabil zu halten, wenn die Zeiten doch einmal schlechter werden.

Im Dax sind kontinuierliche Dividendenausschüttungen dagegen rar. Karsten Rahlf von der Vereins und Westbank - setzt auf Bayer, Tui, Lufthansa, MAN und Thyssen-Krupp, die Dividendenrenditen zwischen 4 % und 7 % bieten. "Wir gehen davon aus, dass bei diesen Unternehmen die Ausschüttungen nachhaltig sind, also mindestens auch im nächsten Jahr gezahlt werden", sagt Rahlf.

Doch Zweifel sind angebracht. So hält Tui zwar in diesem Jahr an seiner Vorjahresdividende von 0,77 Euro pro Aktie fest. Doch das hat dem Kurs bislang kaum geholfen. Allein seit Jahresanfang verloren die Tui-Papiere 40 % an Wert. Denn vieles spricht dafür, dass der Reisekonzern für das laufende Geschäftsjahr nicht umhin kommt, seine Ausschüttung zu kürzen. Der immer härtere Wettbewerb durch Billigfluglinien und die gedämpfte Reiselust der Verbraucher setzen Tui - und der Lufthansa - kräftig zu. Sollten die Erträge weiter einbrechen, müssten die Dividenden gekürzt oder aber aus Reserven bestritten werden. Doch wenn das Geld nicht operativ verdient, sondern der Substanz entnommen wird, schneidet sich der Anleger quasi ins eigene Fleisch.

Dividenden-Erhöhungen, wie bei Daimler-Chrysler von 1,00 Euro auf 1,50 Euro pro Aktie, werden im Dax wohl die Ausnahme bleiben. Denn in Deutschlands Beletage fehlen defensive Titel wie es sie mit Altria (früher Philip Morris) im amerikanischen Dow-Jones-Index gibt. Der Tabak- und Nahrungsmittelkonzern erhöht Jahr für Jahr seine Dividende. Ertragseinbußen im umkämpften amerikanischen Zigarettenmarkt macht Altria mit Nahrungsmitteln und durch Expansion in andere Märkte mehr als wett. Doch auch Titel wie J.P. Morgan - die Bank zahlt seit 1827 ununterbrochen Dividende und damit länger als jedes andere Unternehmen - und Royal Dutch fehlen in Deutschland. Die Aktie des niederländischen Ölkonzerns notiert trotz hoher Ölpreise nahe ihrem Sechs-Jahrestief. Bleibt ein Einbruch bei den Ölpreisen aus, winken eine Dividendenrendite von knapp 5 % - und zusätzliche Kursgewinne.

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