In diesem Jahr keine Gewerbesteuerzahlungen
Bayer verabreicht Kommunen eine bittere Pille

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer reißt massive Steuerlöcher in zahlreiche Kommunalhaushalte. Bayer werde dieses Jahr keine Gewerbesteuer an den deutschen Standorten zahlen, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag in Leverkusen.

dpa LEVERKUSEN. Deshalb würden die betroffenen Kommunen aufgefordert, geleistete Vorauszahlungen zurückzuerstatten. Angaben über das genaue Ausmaß der Rückforderungen machte der Bayer-Sprecher nicht.

Unterdessen gingen die Spekulationen über einen Verkauf der angeschlagenen Pharmasparte von Bayer weiter. Das beflügelte die Bayer-Aktie, die zeitweise über die Marke 36 ? kletterte und bis zum Nachmittag der größte Gewinner im Aktienindex Dax war. Der Schweizer Pharmakonzern Roche dementierte am Dienstag einen Medienbericht, wonach er ein Angebot für die Pharmasparte von Bayer vorgelegt haben soll. Die aktuellen Gerüchte entbehrten jeder Grundlage, hieß es in einer Erklärung.

Allein in Nordrhein-Westfalen sind mindestens sechs Kommunen von Bayer-Steuerausfällen betroffen. Im rund 63 000 Einwohner zählenden Dormagen wurde am Dienstag eine Haushaltssperre verhängt. Der Stadt fehlten nun voraussichtlich Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe, sagte ein Verwaltungssprecher. Bayer sei der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuer-Zahler in der Kommune. Andere Städte wie Krefeld und Wuppertal arbeiten schon mit Haushaltssperre, bei der alle Ausgaben nochmals auf Notwendigkeit geprüft werden. Die Bayer AG begründete ihren Schritt mit der eingetrübten Konjunktur, die sich gerade bei Polymeren bemerkbar mache. Hinzu kämen die finanziellen Auswirkungen durch den Vermarktungsstopp beim Cholesterin-Senker Lipobay/Baycol.

Die Steuerzahlungen von Bayer waren fest eingeplant, wie eine dpa- Umfrage ergab. "Die ersten drei Quartalsraten sind von uns im Haushalt ausgegeben worden", schildert Martina Eckermann, Sprecherin der Stadt Wuppertal. Die Gewerbesteuererwartungen der rund 375 000 Einwohner zählenden Stadt für 2001 seien vor der Bayer-Ankündigung schon um 45 Mill. DM gesenkt worden. Leverkusen muss auf etwa 90 Mill. DM Einnahmen verzichten. Alle Projekte und Ausgaben würden überprüft, sagte ein Stadt-Sprecher. In Krefeld fehlen dem Vernehmen nach nun 24 Mill. DM zusätzlich. Damit weitet sich das bestehende Finanzloch im laufenden Jahr jetzt auf über 100 Mill. DM aus.

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