In diesem Jahr könnten Anlegern Börsengänge erspart bleiben: Bitte keine Neuemissionen!

In diesem Jahr könnten Anlegern Börsengänge erspart bleiben
Bitte keine Neuemissionen!

Gab es selbst im ersten Quartal des von Experten als miserabel eingestuften Emissionsjahres 2002 noch zwei Börsengänge am Deutschen Aktienmarkt, so deutet nun vieles darauf hin, dass sich im ersten Quartal dieses Jahres überhaupt niemand an die Börse wagt.

FRANKFURT/M. Bisher hat kein Unternehmen hier zu Lande entsprechende Pläne geäußert, und es sieht auch nicht danach aus, als würde demnächst irgendetwas in diese Richtung passieren. Zwar sprechen Banken und Emissionsberater stets "von dem guten halben dutzend Unternehmen", die bei ihnen "in der Pipeline stehen", fügen aber sofort hinzu, dass sie bei diesen Kandidaten frühestens 2004 mit einem Börsengang rechnen.

Müssen also Anleger in diesem Jahr auf Neuemissionen verzichten? Möglich ist es. Das wäre vor allem auch gut so, möchte man in deren Interesse hinzufügen. Denn was sie im vergangenen Jahr mit den ohnehin nur sechs Börsengängen ertragen mussten, unterbot in vielem sogar qualitativ die Auswüchse, die es zu Hoch-Zeiten des Neuen Marktes gegeben hatte. Das Ergebnis ist vernichtend: Weniger war 2002 nicht etwa mehr; gar nichts wäre am besten gewesen.

Nun sei hier die Aktie des Hamburger Windkraftspezialisten Repower ausdrücklich ausgenommen. Erstens waren die Zahlen für das Jahr 2002 in Ordnung, und zweitens ist die Aktie künftig im Tec-Dax gelistet. Trotzdem hat sie im Vergleich zum Ausgabepreis von 42 Euro knapp die Hälfte ihres Werts verloren.

Bei anderen sah es noch trüber aus. Die Krone setzte allem aber Uniprof Real Estate auf. Bei dem Altbau-Sanierer aus Stuttgart lagen zwischen Börsengang Ende März 2002 und der Insolvenz im Januar nur knapp zehn Monate. Zwar ahnten viele Anleger wohl schon bei der Emission, dass hinter dem Unternehmen mit der niedrigen Eigenkapitalquote von 6,6 % kaum Substanz stecken konnte, denn es wurde nicht einmal alle 670 000 Aktien gezeichnet. Für die Anleger wäre es wohl besser gewesen, Uniprof wäre gleich zum Insolvenzrichter gegangen und hätte nicht erst den Umweg über die Börse gewählt.

Aber auch, wer vermeintlich solidere Titel wählte wie beispielsweise die Aktie der Freiburger Solar-Fabrik, wurde bitter enttäuscht. Der Hersteller von Solarmodulen brachte mit, was am Kapitalmarkt gewünscht war: Produkte mit Zukunft, zahlreiche Referenzen, dazu ein Saubermann-Image. Trotzdem hat die Aktie seit der Emission im Juli gut drei Viertel an Wert verloren. Nicht mal ein Vierteljahr nach der Emission wurden bereits Umsatz- und Gewinnziele drastisch nach unten geschraubt. Der Aktie fiel wie ein Stein.

Gesetzt den Fall, es würde im derzeit miserablen Umfeld tatsächlich ein Unternehmen den Börsengang wagen, man würde es am Kapitalmarkt sicherlich nicht für seinen Wagemut loben. Vielmehr würde zu Recht die Frage gestellt, ob nicht - siehe Uniprof - dringend Geld benötigt wird, um überhaupt weiter existieren zu können. Wer solide finanziert und in seiner Branche gut positioniert ist, der wagt sich im Moment sowieso nicht an die Börse. Zumal beim Ausgabepreis mit erheblichen Bewertungsabschlägen zu rechnen wäre. "Gute Unternehmen haben es nicht nötig, sich derzeit an der Börse unter Wert zu verkaufen", heißt der lapidare Kommentar von Emissionsberatern.

Für Anleger lautet die Konsequenz daraus: Wenn sich im Moment tatsächlich ein Unternehmen an die Börse wagen würde, sollte er die Papiere schon aus Prinzip nicht kaufen. Die Chancen, auf einen Qualitätstitel mit Substanz zu stoßen, sind in etwa so groß, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden. Denn nicht zeichnen heißt für den Anleger inzwischen Geld sparen. Das belegen vor allem die Erfahrungen aus den nur sechs Emissionen des Jahres 2002.

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