In diesem Jahr konnten 28 Schwellenländer Anleihen und Bankkredite nicht bedienen
Ratingagenturen befürchten mehr Zahlungsausfälle bei Staatsanleihen

Ein möglicher Krieg gegen den Irak und die Unsicherheit über die Entwicklung der Weltwirtschaft könnte im nächsten Jahr zu noch mehr Zahlungsausfällen (Defaults) bei den Schwellenländern führen als in diesem.

cü FRANKFURT/M. Zu diesem Schluss kommt die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) in einer aktuellen Studie. Auch die Ratingagenturen Fitch meint, dass sich die Lage für viele Schwellenländer weiter verschlechtern könnte. Dabei betont Fitch jedoch, dass die Situation in asiatischen und europäischen Schwellenländern wesentlich besser ist als in Lateinamerika.

Besonders gefährdet sieht S&P Ecuador, Indonesien, Moldawien und Nigeria. Ecuador und Indonesien bewertet die Ratingagentur mit der Bonitätsnote CCC+ und damit dem siebt-schlechtesten Rating. Für Nigeria und Moldawien gibt es kein Rating. Mit Sorge beobachten die Ratingagenturen auch die Lage in der Türkei. Die Türkei wird mit B- (S&P) bzw. B (Fitch) eingestuft und immerhin noch deutlich besser als Ecuador und Indonesien. Großer Bedeutung wird in der Türkei den am 3. November stattfindenden Wahlen zugemessen. Hier ruht die Hoffnung der Agenturen darauf, dass die Reformkräfte die Wahlen am 3. November gewinnen und die Finanzkrise des Landes in den Griff bekommen.

Am dramatischsten wäre ein Zahlungsausfall Brasiliens. Die Bonität des Landes stufen S&P und Fitch mit B+ geringfügig besser als die der Türkei ein. Moody? vergibt mit B2 für Brasilien das schlechteste Rating. Einen Default Brasiliens schließen die Agenturen nicht aus. Selbst Länder mit einem Rating innerhalb der Investitionsklasse wie Mexiko, Polen und Südafrika, wären bei einem Zahlungsausfall Brasiliens nicht komplett vor Ansteckungsgefahr geschützt, meint Fitch.

In diesem Jahr gerieten nach Angaben von S&P 28 Länder mit Zins- und Rückzahlungen ihrer Anleihen und Bankkredite in Verzug. Das ist zwar nur ein Land mehr als Ende 2001: Das Volumen der betroffenen Bonds und Kredite stieg jedoch auf insgesamt fast 133 Mrd. $. Das ist fast doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Dabei wog der Default Argentiniens mit von S&P bewerteten Auslandsschulden über rund 95 Mrd. $ besonders schwer. Offiziell gilt Argentinien erst seit Anfang dieses Jahres als zahlungsunfähig. S&P rechnet nicht damit, dass Argentinien im nächsten Jahr seinen Schuldendienst wieder aufnehmen wird.

Neben Argentinien gerieten in diesem Jahr Indonesien, Madagaskar, Moldawien, Gabun und Nauru in Zahlungsverzug. Auf der anderen Seite nahmen nach Umstrukturierungen fünf andere kleinere Länder ihren Schuldendienst wieder auf.

Die Ausfallquote der staatlichen Schuldner ist in diesem Jahr laut S&P leicht auf 13,9 % gestiegen, liegt aber noch deutlich unter dem Spitzenniveau von 31 % im Jahr 1990, als die Nachwirkungen der Russland- und der Asienkrise sowie die US-Rezession die Ausfallquote auf ein Rekordniveau trieben.

Quelle: Handelsblatt

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