In diesem Jahr noch einmal rote Zahlen
MG Rover kommt auf keinen grünen Zweig

MG Rover, der letzte verbliebene britische Automobilhersteller, kommt nicht vom Fleck. In Deutschland ist der Absatz der früheren BMW-Tochter in diesem Jahr bislang um 70 % eingebrochen, in Italien um 40 %. Nur auf dem britischen Heimatmarkt kann das Unternehmen derzeit noch zulegen. Wegen der insgesamt schwachen Verkaufszahlen erreicht MG Rover in diesem Jahr auch nicht wie geplant die Gewinnschwelle und verschiebt dieses Ziel auf das nächste Jahr.

zel DÜSSELDORF. Ungeachtet der schlechten Zahlen verbreitet das Management Optimismus. "Wir haben in kurzer Zeit viel erreicht", sagte John Sanders, Marketing-Vorstand des britischen Unternehmen, am Dienstag in Neuss im Gespräch mit Journalisten. Seit der Trennung von BMW vor gut zwei Jahren seien die jährlichen Verluste von MG Rover Schritt für Schritt abgebaut worden. Ende 2002 stehe in den Büchern wahrscheinlich ein Minus von wenigen 10 Mill. £, im Jahr 2000 waren es noch 380 Mill. £ (600 Mill. Euro).

Sanders bekräftigte, dass MG Rover in der Lage sei, in den kommenden Jahren eine Reihe neuer Modelle auf den Markt zu bringen. Für das Jahr 2004 plane MG Rover den Produktionsstart eines neuen Mittelklasse-Modells, das den bisherigen Rover 45 ablösen soll. Ein Jahr später, so kündigte der Vertriebschef an, sei im Kleinwagenbereich mit einem Nachfolger für den Rover 25 zu rechnen.

Bei dem neuen Kleinwagen setzt das Unternehmen aus Longbridge (nahe Birmingham) auf die Zusammenarbeit mir dem chinesischen Kooperationspartner Brilliance Automotive, mit dem der britische Autohersteller im März eine Allianz eingegangen war. MG Rover würde das neue Auto am liebsten gemeinsam mit den Chinesen fertigen. Konkrete Formen hat die Zusammenarbeit allerdings noch nicht angenommen, bislang ist es bei Absichtserklärungen geblieben. Sanders reagierte nur ausweichend auf die Frage, ob MG Rover das kleine Auto auch ohne die Chinesen bauen würde: "Wir hatten ohnehin schon früher Pläne für ein Nachfolger-Modell."

Im Vergleich zum Rest der Branche sind die Briten ein Minispieler auf den Automärkten. 170 000 Fahrzeuge fertigen sie pro Jahr, die Produktionszahlen der wichtigsten Konkurrenten gehen in die Millionen. MG Rover hat Probleme, Größenvorteile aus einer Massenproduktion zu nutzen. Außerdem fehlen dem Unternehmen die Milliarden-Etats zur Entwicklung neuer Modelle. Einen Nachfolger für den Rover 45 kann sich MG Rover leisten, weil das Unternehmen den größeren, noch von BMW entwickelten Rover 75 auf ein Mittelklasse-Format zurückstutzt.

Vertriebschef Sanders sieht sein Unternehmen in Sachen Liquidität auf der sicheren Seite. Unverändert stehe in der Rover-Bilanz ein Betrag von etwa 300 Mill. £ als freie Reserve zur Verfügung, MG Rover drohe also keine Überschuldung. Die Zahl von 6 500 Beschäftigten solle in etwa konstant gehalten werden, es gebe genug zu tun.

Außerhalb wird der letzte britische Autohersteller jedoch ganz anders gesehen. "MG Rover ist kein ernst zu nehmender Wettbewerber mehr", sagte Erik Burgold, Automobilanalyst bei der BHF-Bank in Frankfurt. Die dauerhaften Überlebenschancen des Unternehmens seien denkbar gering.

Besonders schwierig ist die Lage für MG Rover inzwischen in Deutschland. Vor wenigen Wochen war der Chef der Deutschland-Niederlassung in Neuss abgesetzt worden - gut 2 000 bislang in diesem Jahr zugelassene Neuwagen bedeuten ein Absatzminus von etwa 70 %. Der Grund: Vertriebschef Sanders klagt über das starke Pfund, das die Verkaufschancen auf dem Kontinent sinken lasse.

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