In diesem Jahr wieder schwarze Zahlen
Die Allianz mit Renault hilft Nissan in Europa

Auch in Europa will der japanische Automobilhersteller Nissan von der Allianz mit Renault profitieren: In der europäischen Region sollen dieses Jahr wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

HB PARIS. Der neue Chef verbreitet frischen Wind: Mario Canavesi, seit wenigen Monaten an der Spitze von Nissan Europa, will mit seinem Unternehmen und in seinem Verantwortungsbereich wieder Erfolge verbuchen. "In diesem Jahr wird Nissan Europa die Gewinnschwelle erreichen", betonte der frühere Renault-Manager auf dem Pariser Autosalon. In der europäischen Verkaufsregion profitiere der japanische Automobilhersteller von der im vergangenen Jahr vollzogenen Allianz mit Renault. Anfang 1999 waren die Franzosen mit gut 36 % bei Nissan eingestiegen.

Canavesi will in diesem Jahr in Europa etwa 550 000 Autos verkaufen, etwas mehr als 1999. Sorgen bereitet ihm speziell der deutsche Markt, wo Nissan erneut seine Verkaufsziele zurücknehmen muss. In diesem Jahr sollen es jetzt endgültig 85 000 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge werden, 5 000 weniger als noch zu Jahresanfang geplant. Wie die meisten anderen Großserienhersteller leidet Nissan in Deutschland an der akuten Marktschwäche. Probleme haben die Japaner außerdem in Großbritannien, wo das starke Pfund die Kosten in die Höhe treibt.

Ungünstige Währungsrelationen

Negativ wirken sich die ungünstigen Währungsrelationen besonders im britischen Nissan-Werk Sunderland aus, wo der japanische Hersteller einen Großteil seiner Autos für den europäischen Markt produziert. "Es ist kein Vorteil, einen Teil der Kosten im Pfund-Bereich zu haben", unterstrich Europa-Chef Canavesi. Nissan komme nicht darum herum, das Werk in England produktiver zu machen und Teile verstärkt auf dem Kontinent in der Euro-Zone einzukaufen. Alternativ könnte Nissan auch stärker in seinem zweiten europäischen Werk in Barcelona produzieren lassen.

Canavesi bestätigte, dass im Moment noch keine Entscheidung über den künftigen Produktionsstandort des Kleinwagens Micra gefallen ist. Im Moment wird das Auto noch in Sunderland hergestellt; bei dem kleinen Auto wirkt sich der hohe Pfund-Kurs besonders negativ aus. Nissan verhandelt mit der britischen Regierung über die Zahlung von Subventionen für die künftige Micra-Fertigung. Möglich wäre auch eine Produktion bei Renault.

Produkte werden europäischer

Auf der Modellseite verspricht Canavesi, dass sich Nissan in Zukunft stärker an regionalen Besonderheiten orientieren wolle. "Unsere Produkte werden europäischer", sagte er. Nissan werde mehr "kühnes und mutiges Design" wagen. Dem japanischen Automobilhersteller war in den vergangenen Jahren stets vorgehalten worden, mit einem zu langweiligen Design auf dem europäischen Markt vertreten zu sein.

Mit einer langsamen Erneuerung der Modellpalette soll Nissan in den nächsten Jahren kontinuierlich seinen Marktanteil in Europa steigern (heute: 3 %). Nach dem Jahr 2005 will Canavesi eine Quote von 5 % erreichen. Dies soll nach seinen Vorstellungen auch mit Hilfe von Nischenmodelle geschafft werden. Chancen sieht er beim Allradantrieb und mit Geländewagen.

Schwarze Zahlen

Nicht nur in Europa, sondern weltweit sei Nissan auf dem Weg der Gesundung. Der vom neuen Konzernchef Carlos Ghosn verkündete "Wiederbelebungsplan" des hochverschuldeten japanischen Automobilherstellers zeige erste positive Wirkungen. Nach den Worten Canavesis bleibt es dabei, dass der gesamte Nissan-Konzern im Geschäftsjahr 2000/01 (31. März) schwarze Zahlen schreiben werde.

Besonders vielversprechend wirke sich die Kooperation mit Renault beim Teileeinkauf aus. "Da liegen wir jetzt schon besser als erwartet", hob Canavesi in Paris hervor. Außerdem entwickle sich der Fahrzeugabsatz auf dem nordamerikanischen Automarkt ausgesprochen positiv.

Nach außen hin sollen die beiden Marken Nissan und Renault auf jeden Fall getrennt bleiben. Intern rücken beide Unternehmen jedoch immer stärker aufeinander zu. In Deutschland werden beispielsweise die beiden Vertriebszentralen während der kommenden Monate zusammengelegt. Europa-Chef Canavesi zieht mit seiner kaufmännischen Direktion im November aus der europäischen Nissan-Zentrale in Amsterdam aus und wechselt nach Paris.

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