In einem Jahr alle Anteile erworben
Chronik: Das Ringen um Ruhrgas

Der Energiekonzern Eon hat nach nur einem Jahr die von den verschiedensten Eigentümern gehaltenen Anteile an der Ruhrgas AG erworben und wird nun alleiniger Besitzer von Deutschlands größtem Gasimporteur. Auf Grund der verflochtenen Eigentümerstruktur galt Ruhrgas immer als uneinnehmbar. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilte am Freitag die Erlaubnis zu der Fusion unter Auflagen.

Reuters DÜSSELDORF. Im Folgenden eine Chronologie der Transaktionen:



  • Juli 2001: Eon vereinbart mit dem Mineralölkonzern BP, ihre Tochter Veba Oel mit dem Tankstellenbetreiber Aral gegen eine Beteiligung der BP an der Ruhrgas zu tauschen. Im Zuge einer Kapitalerhöhung will Eon 51 Prozent an der BP-Tochter übernehmen, die 25,5 Prozent an der Ruhrgas hält. Der britische Konzern leistet eine Ausgleichszahlung von 1,63 Milliarden Dollar und übernimmt Verbindlichkeiten von 950 Millionen Dollar. Bis zu diesem Zeitpunkt hält Eon über den Ruhrgas Bergemann GmbH, -Aktionär die 34,8 Prozent an Ruhrgas hält, 0,2 Prozent an Ruhrgas und zudem eine Option auf den Erwerb von 3,5 Prozent vom Konkurrenten RWE.



  • Oktober 2001: Eon erwirbt von Vodafone für 850 Millionen Euro deren Anteil von 23,6 Prozent an dem Ruhrgas Bergemann GmbH, -Aktionär was indirekt einem Anteil von 8,2 Prozent an Ruhrgas entspricht. Damit wird Eon mittelbar 37,4 Prozent an dem Essener Gas-Importeur und-Großhändler halten.



  • 14. November 2001: Eon meldet beim Bundeskartellamt die Übernahme der Mehrheit an Ruhrgas an. Mit RWE, ThyssenKrupp und Vodafone sei Einvernahme über den Erwerb ihrer Ruhrgas-Anteile erzielt worden, hieß es damals. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) signalisiert sein grundsätzliches Einverständnis zur geplanten Übernahme.



  • 22. November 2001: Das Bundeskartellamt meldet Bedenken gegen die Fusionspläne an.



  • 3. Dezember 2001: Das Bundeskartellamt erteilt dem Tauschgeschäft zwischen Eon und BP eine Abmahnung und setzt den Unternehmen eine Frist bis zum 7. Dezember, die Bedenken auszuräumen.



  • 11. Dezember 2001: Das Kartellamt gewährt eine Fristverlängerung bis zum 21. Januar für die geplante Übernahme der BP-Beteiligung an Ruhrgas durch Eon.



  • 20. Dezember 2001: Das Bundeskartellamt genehmigt die Übernahme der Veba Oel mit seinem Aral-Tankstellennetz durch BP.



  • 19. Januar 2002: Das Bundeskartellamt untersagt die geplante Übernahme des 25,5-prozentigen Ruhrgas-Anteils der Deutschen BP durch Eon. Gleichzeitig kündigt Eon einen Antrag auf eine Ministererlaubnis an.



  • 19. Februar 2002: Eon beantragt Ministererlaubnis. Der Bundeswirtschaftsminister kündigt für Juni 2002 eine Entscheidung an.



  • 28. Februar 2002: Das Bundeskartellamt untersagt die Übernahme der Bergemann GmbH durch Eon. Die negativen Folgen für den Wettbewerb wären qualitativ und quantitativ noch gravierender als bei dem bereits untersagten Erwerb der Gelsenberg AG.



  • 6. März 2002: Eon beantragt zweite Ministererlaubnis für den Erwerb des Ruhrgasmiteigentümers Bergemann GmbH. Das Bundeswirtschaftsministerium sagt eine zusammenfassende Stellungnahme der Monopolkommission zu.



  • 21. Mai 2002: Eon und die RAG AG vereinbaren einen Ringtausch. Eon will ihre Mehrheit an dem Chemiekonzern Degussa an die RAG abgeben und im Gegenzug den RAG-Anteil an der Ruhrgas übernehmen. Für rund 1,9 Milliarden Euro will Eon die 18,4-prozentige RAG-Beteiligung an Ruhrgas erwerben. Unterdessen empfiehlt die Monopolkommission die Ablehnung der Übernahmen. Das Urteil der Kommission ist für eine Ministererlaubnis nicht bindend.



  • 3. Juli 2002: Eon-Chef Ulrich Hartmann trifft sich zu Gesprächen über die Ruhrgastransaktion und die anstehende Entscheidung des Wirtschaftsministeriums in Berlin mit Staatssekretär Tacke. Stunden später teilt Eon mit, der Konzern wolle von ExxonMobil, Shell und Preussag deren Ruhrgas-Anteile von zusammen 40 Prozent erwerben und damit Ruhrgas vollständig in seinen Besitz nehmen.



  • 4. Juli 2002: Aus Koalitionskreisen verlautet, die Übernahme des Ruhrgas-Konzerns werde unter Auflagen genehmigt.



  • 5. Juli 2002: Das Bundeswirtschaftsministerium erteilt unter Auflagen die Erlaubnis der Fusion.
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