In einigen Ländern gelingt Eindämmung: WHO warnt vor Reisen nach Hongkong

In einigen Ländern gelingt Eindämmung
WHO warnt vor Reisen nach Hongkong

Wegen der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS hat die Weltgesundheitsorganisation WHO am Mittwoch erstmals in ihrer Geschichte eine Reisewarnung veröffentlicht und vom Aufenthalt in Hongkong und der südchinesischen Provinz Guangdong abgeraten. Die Ausbreitung der Krankheit habe ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, teilte die WHO zudem mit.

Reuters GENF. Die Krankheit übertrage sich nach neuesten Erkenntnissen nicht nur wie bisher angenommen bei engem persönlichen Kontakt, sondern auch über die Umwelt, warnte die WHO in Genf. Dies gelte zumindest für Hongkong, wo sich der Erreger in einem Wohnkomplex vermutlich über Wasser- oder Abwasserleitungen ausgebreitet und zahlreiche Bewohner angesteckt habe. Im Gegensatz zur Influenza verbreite sich das Virus allerdings wohl nicht auf weitere Distanz über die Luft. In China breitete sich die Erkrankung unterdessen auf drei weitere Provinzen aus.

"Ich glaube nicht, dass das Problem international bereits seinen Höhepunkt erreicht hat", sagte der WHO-Seuchenexperte Robert Breiman vor Journalisten in Peking. Es sei wichtig, in Guangdong die Ausbreitung der Lungenkrankheit zu untersuchen. Positiv wertete die WHO, dass es in Vietnam, Singapur, Taiwan und Kanada offenbar gelinge, die Krankheit einzudämmen.

Auch in Guangdong seien im März weniger Neuinfektionen festgestellt worden als im Februar. Weltweit sind bisher 75 Menschen an SARS gestorben, fast 2300 Verdachtsfälle beziehungsweise bestätigte Fälle sind bekannt. Die meisten Menschen erkrankten in Hongkong und Guangdong. Symptome für eine SARS-Erkrankung sind hohes Fieber, Husten und Atembeschwerden. Die Krankheit hatte sich vermutlich seit November von Guangdong ausgebreitet, ein Heilmittel gibt es bisher nicht.

Das Auswärtige Amt in Berlin rät bisher lediglich erkälteten Menschen von Reisen in die Risiko-Gebiete Asiens ab, weil sie dort unter Quarantäne gestellt werden könnten. Eine offizielle Reisewarnung der Bundesregierung gibt es noch nicht. Die australische Regierung dagegen rät ihren Bürgern, die Region zu meiden. Die USA wollen wegen SARS ihr diplomatisches Personal in Hongkong und Guangzhou, der Provinz-Hauptstadt von Guangdong, reduzieren.

Der Leipziger Infektionsexperte Bernhard Ruf warnte unterdessen vor Panikmache. Die Sterblichkeitsrate bei SARS liege bei drei bis vier Prozent und damit niedriger als bei einer Influenza, sagte er im ZDF. Nüchtern betrachtet entsprächen die Zahlen einer schweren Grippe-Epidemie. Durch die Isolation aller SARS-Verdachtsfälle lasse sich eine Ausbreitung in Deutschland verhindern. Die zahlreichen SARS-Erkrankungen in Kanada dagegen seien Folge einer nicht konsequenten Isolation.

In Kanada waren zuvor zwei weitere Patienten an SARS gestorben, die sich nach Angaben der Behörden vermutlich in einem mit dem Virus verseuchten Krankenhaus in Toronto angesteckt hatten. In dem Land sind inzwischen sechs Patienten an SARS gestorben, rund 150 weitere Menschen leiden an der Krankheit. In Deutschland sind fünf Menschen an SARS erkrankt, aber bereits wieder auf dem Weg der Besserung.

In Thailand müssen Touristen aus SARS-Gebieten auf Anordnung der Regierung seit Mittwoch ständig einen Mundschutz tragen. Wer dagegen verstoße, müsse mit sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe rechnen, kündigte die Regierung an. Reisende aus China und Hongkong, Taiwan, Singapur und Vietnam würden bei der Einreise ab sofort von Ärzten untersucht. Zeigten sie Symptome von SARS, würden sie sofort ausgewiesen. Die Ankündigung kam nach dem Tod eines zweiten SARS-Patienten am Mittwoch in Thailand. Malaysia, das bisher nach eigenen Angaben keine SARS-Fälle verzeichnet, will künftig keine Gastarbeiter aus Risiko-Gebieten mehr ins Land lassen.

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