In Europa gibt es keinen freien Wettbewerb in der Autosparte
Brüssel belegt führende Autohersteller mit Bußgeldern

Das erwartete Millionen-Bußgeld der EU gegen Daimler-Chrysler markiert einen neuen Höhepunkt in dem sich zuspitzenden Brüsseler Streit um den europäischen Autovertrieb. Mit saftigen Strafgeldern versucht EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti, den Herstellern die gezielte Abschottung einzelner Märkte in der Europäischen Union zu vergällen. Dem italienischen Wirtschaftsprofessor sind dabei auch die weiterhin großen Vorsteuer- Preisunterschiede bei Neuwagen in der EU ein Dorn im Auge.

dpa BRÜSSEL. In der Wettbewerbsbehörde stapeln sich noch immer Schreiben von EU-Bürger, die beim Kauf von preisgünstigen Neuwagen im Ausland behindert werden. "Obwohl EU-Recht vorschreibt, dass jeder Bürger im Land seiner Wahl kaufen kann, gibt es immer noch Restriktionen", moniert ein EU-Mitarbeiter.

Bei spektakulären Brüsseler Strafgeld-Beschlüssen gegen einzelne Unternehmen wird daher immer aufs Prinzip gepocht: So kann es mit dem Autovertrieb in Europa nicht weitergehen. Tatsächlich hat die EU- Kommission selbst vor sechs Jahren den Herstellern gestattet, exklusive Händlernetze zu führen, um eine gute Qualität des Service zu sichern.

Die nun - stets beklagte - Folge: Es gibt keinen freien Wettbewerb in dieser Sparte. Das System der im September kommenden Jahres auslaufenden Kartellausnahme im Autohandel steht derzeit auf dem Brüsseler Prüfstand. Wie es weitergeht, weiß keiner so recht. "Monti und die Wettbewerbsbehörde lassen sich nicht in die Karten sehen", lautet ein gängiger Vorwurf. "Die Wettbewerbsbehörde veranstaltet Anhörungen und nimmt Informationen entgegen. Sie ist nicht bereit, darüber zu diskutieren", bemängelt ein Vertreter der Autobranche.

Daimler-Chrysler hat die Vorwürfe, preiswerte Reimporte behindert zu haben, stets zurückgewiesen. Dies wird die Kommission jedoch nicht davon abhalten, am 10. Oktober ein hohes Millionen-Bußgeld festzulegen. Die Stuttgarter werden voraussichtlich mehr bezahlen müssen als Opel-Niederlande (43 Mill. Euro) und weniger als VW (90 Mill. Euro), heißt es in Kommissionskreisen.

Anders als der VW-Konzern, der deutschen Kunden in Italien am Kauf preisgünstiger Wagen hinderte, soll die Marke mit dem Stern keine Gesamtstrategie zur Marktabschottung in Europa entwickelt haben. Stuttgart soll unter anderem in der zweiten Hälfte der 90er Jahre in Belgien die Gewährung von Rabatten für Mercedes-Autos im größeren Stil verhindert haben. Ob der 58 Jahre alte Monti außer deutschen Autoriesen auch gegen deren Konkurrenten vorgeht, ist derzeit völlig offen. Verfahren gegen die französischen Hersteller Peugeot und Renault wurden bisher nicht eröffnet.

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