In Europa ist ein Fünftel des Marktes weggebrochen
Preiskampf setzt Bus-Herstellern zu

Rückläufige Verkaufszahlen bescheren den europäischen Busherstellern rote Zahlen. Mit drastischen Sparprogrammen und Produktionsverlagerungen wollen die Hersteller die Krise meistern.

STUTTGART/MÜNCHEN. Für die europäischen Bushersteller ist ein Ende der Talfahrt nicht in Sicht. In Westeuropa sind nach Angaben des Verbands der Deutschen Automobilindustrie seit Jahresbeginn ein Fünftel weniger Reise- und Stadtbusse zugelassen worden, in Deutschland sogar ein Viertel. Laut Daimler-Chrysler Nutzfahrzeug-Vorstand Eckhard Cordes ist derzeit "im Busgeschäft keine konjunkturelle Besserung abzusehen". MAN-Nutzfahrzeugchef Hakan Samuelsson fehlen Signale für einen Aufwärtstrend.

Bei den beiden größten deutschen Herstellern, Daimler-Chrysler und MAN, die beide zusammen den heimischen Markt zu 90 % beliefern, ist die Auftragslage dünn. In den deutschen Bus-Werken bei Daimler-Chrysler reichen sie nur noch für wenige Monate. Die Hoffnung der Firmen gilt der Mitte September beginnenden Nutzfahrzeugmesse IAA, die Aufträge für das Frühjahrsgeschäft bringen soll.

Für Christoph Terrahe vom Beratungsunternehmen Arthur D. Little hat die Krise auf dem europäischen Busmarkt konjunkturelle Gründe. Das Busgeschäft sei sehr zyklisch. Die europäischen Bushersteller sind in den vergangenen Jahren zwar kräftig gewachsen. "Die Terroranschläge vom 11. September haben jedoch das Geschäft in die Rezession fahren lassen", sagt Terrahe. Reiseunternehmen schieben den Kauf neuer Busse auf, weil amerikanische und japanische Touristen Europa meiden und viele Deutsche mit Blick auf die schwache Wirtschaft zuhause bleiben statt in Urlaub zu fahren.

Bei Stadtbussen, dem zweiten Marktsegment, herrsche ruinöser Wettbewerb, erläutert Terrahe. Vor allem die deutschen Kommunen halten sich wegen leeren Haushaltskassen mit Käufen zurück und lassen die Anbieter gegeneinander antreten: Sie verlangen Sonderentwicklungen und aufwendige Garantieleistungen, so dass ausländische Bushersteller wie Volvo oder Irisbus kaum noch als Anbieter auftreten und sich lieber auf ihre Heimatmärkte konzentrieren.

Kaum ein Hersteller in Europa verdient derzeit bei Bussen Geld, heißt es bei vielen Herstellern. Der schwedische Hersteller Volvo, dessen Hauptabsatzmärkte in Europa Skandinavien und Großbritannien sind, verbucht im Bus-Geschäft ebenso rote Zahlen wie MAN oder Daimler-Chrysler.

"In Westeuropa und in Deutschland schreiben wir bei den Bussen rote Zahlen", bestätigt Daimler-Vorstand Cordes, betont aber, dass die Verluste in Europa mit Gewinnen in Südamerika kompensiert werden könnten. "Insgesamt werden wir bei Bussen in diesem Jahr keine roten Zahlen haben."

Drastisches Sparprogramm bei Daimler-Chrysler

Daimler-Chrysler hat im Juni ein drastisches Sparprogramm durchgesetzt. Die Beschäftigten der deutschen Bus-Tochter Evo-Bus müssen im Schnitt auf 5 % ihres Einkommens verzichten. Zugleich wird etwa jeder zehnte Arbeitsplatz abgebaut, insgesamt sind das 800 Stellen. Daimler-Chrysler verzichtet dafür bis Ende 2005 auf betriebsbedingte Kündigungen. Cordes ist zuversichtlich, damit die Bus-Rezession überbrücken zu können: "Das Maßnahmenbündel, das wir bei Evo-Bus verabschiedet haben, dürfte ausreichen, um 2004 das Ertragsniveau der Vorjahre zu erreichen."

MAN-Nutzfahrzeugchef Samuelsson rechnet in diesem Jahr mit einem Absatzminus um 500 auf 3 800 Busse. Die starke Marktposition hat sich MAN durch den Kauf des Busherstellers Auwärter mit der Marke Neoplan vor zwei Jahren teuer erkauft. "Die Integration von Neoplan verläuft schwieriger als erwartet", räumt Samuelsson ein. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat MAN bereits 900 von ehemals 4 800 Stellen in Deutschland in der Bussparte abgebaut. Das Neoplan-Werk in Berlin wurde dicht gemacht. "Der Personalabbau ist bei Neoplan sicher noch nicht abgeschlossen, vor allem wenn das Plattformkonzept umgesetzt wird", sagt Samuelsson.

Im Gegensatz zu Daimler setzt MAN auf Verlagerung der Produktion ins Ausland. Die arbeitsintensive Fertigung von Busgerippen wurde bereits komplett vom Werk in Salzgitter in das polnische Werk in Posen verlegt. Die Fertigungskapazität in Ankara wurde um 50 % erhöht.

Die Ertragsprobleme der Bus-Sparte von MAN bleiben dennoch gewaltig. Allein im ersten Halbjahr überstieg der Verlust das Vorjahresminus von 54 Mill. Euro. Erst ab 2004 soll sich die neue Plattformstrategie auszahlen.

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