In Europa mehren sich positive Konjunkturdaten
Börse feiert schon den Aufschwung

Positive Konjunktursignale aus den USA und Europa beflügelten weltweit die Börsen. In Europa legten vor allem die zuletzt arg gebeutelten Technologie-, Medien- und Telekomwerte zu.

ost/pbs/som DÜSSELDORF. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte erstmals seit September vergangenen Jahres über die 200-Tage-Linie, also den durchschnittlichen Indexstand der vorangegangenen 200 Tage. Vor allem professionelle Investoren orientieren sich an der Linie, um kurzfristig ein- bzw. auszusteigen.

"Das gibt Anlegern ein zusätzliches Signal zum Einstieg", meint Achim Matzke von Commerzbank Securities. Das Überwinden der "wichtigen Marke" bestätige die deutlich besseren Tendenzen an den Aktienmärkten. In den USA hatte der Dow-Jones-Index Ende vergangener Woche die 200-Tage-Linie überwunden. Angesichts der konjunkturell und an der Börse wieder verbesserten Lage gibt es für Matzke keinen Grund, vom Optimismus abzuweichen: "Bis Jahresende sind 6 000 Punkte im Dax machbar." Seine Zuversicht und die vieler Investmentbanken gründet auf einen Blick in die Vergangenheit: In fast allen früheren Wirtschaftsabschwüngen hatten die Aktienbörsen sechs bis neun Monate vor Beginn der Erholung ihren Tiefpunkt erreicht.

Durch positive Vorgaben aus Fernost hatte die Rally in Europa am Vormittag begonnen. In Tokio stieg der Nikkei-Index um 5,9 % auf ein Sechs-Monats-Hoch. Händler werteten die Pleite des Bauriesen Sato Kogyo als positives Signal. Die Banken seien endlich bereit, faule Kredite aus ihren Bilanzen zu streichen. Doch auch die staatlichen Restriktionen gegenüber Anlegern, die auf fallende Kurse spekulieren, trug zum Höhenflug in Japan bei.

Von konjunktureller Seite sendet in Deutschland neben dem stark gestiegenen Ifo-Geschäftsklima-Index der Handelsblatt-Frühindikator positive Signale. Er ist im März erneut deutlich gestiegen - auf 1 % von 0,4 % in gleitender Jahresrate. Die im Dezember begonnene Erholung hat sich damit im März verstärkt. Für den Aufschwung in Deutschland signalisiert der Indikator: Im ersten Quartal dürfte die Talsohle mit nahezu Nullwachstum erreicht sein, im zweiten Vierteljahr setzt moderates Wachstum ein und ab der Jahresmitte belebt sich die Konjunktur nachhaltig.

Im Widerspruch dazu steht der gestern von der EU-Kommission veröffentlichte Index zur Stimmung in der Industrie der Euro-Zone: Für Ökonomen vollkommen überraschend verharrte die Laune der Industrie-Unternehmen auf dem Januar-Niveau von minus 14 Punkten. Im Schnitt hatten Volkswirte mit einem Anstieg von zwei Punkten gerechnet. "Die Ergebnisse sind bizarr", sagt Robert Prior-Wandesforde von HSBC. Credit Swiss First Boston (CSFB) erklärt den Widerspruch der Indikatoren so: Das EU-Barometer betone die schwache derzeitige Situation der Industrie stärker als die besseren Zukunftserwartungen. Die Banker trauen Ifo mehr und glauben an eine Erholung der Industrie.

In der vergangenen Woche kam eine Reihe positiver Konjunkturdaten aus den USA. Der wichtige Einkaufsmanager-Index stieg auf den höchsten Wert seit April 2000. Die Entwicklungen in den USA verliefen "jenseits aller Erwartungen", sagt Joachim Scheide, Konjunkturexperte beim Kieler Institut für Weltwirtschaft. Möglicherweise müsse das Institut die US-Prognose erhöhen. Bisher erwarteten die Kieler ein 2 % Wachstum im Jahresdurchschnitt.

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