In Fernglas-Reichweite des republikanischen Parteitags haben die Demokraten ihre Eingreiftruppe positioniert. Ein Besuch im War-Room des John Kerry.
Mission heute: Arnold schlagen

Attacken mit Gegenattacken bekämpfen: Die Strategien im US-Wahlkampf erinnern teilweise stark an moderne Kriegsführung. Professionell werden Schwachstellen des Gegners gesucht und Kämpfe um die Werte ausgetragen. Ein Blick hinter die Kulissen der Wahlkampf-Maschinerie.

HB NEW YORK. Leslie Dach reibt sich den Schlaf aus den Augen. "Mein Körper ist nicht dafür gemacht, so früh aufzustehen", sagt er lächelnd und nimmt einen großen Schluck aus dem Starbucks-Kaffeebecher. Es ist acht Uhr morgens und Dach hat seine erste Sitzung hinter sich. Jeden Morgen um halb sieben trifft sich der PR-Experte im kleinen Kreis, um den Gegenangriff des Tages zu planen.

Gegner heute: Arnold Schwarzenegger.

Dach gehört zum Rapid-Response- Team der Demokratischen Partei: einer Eingreiftruppe, die jeden politischen Angriff vom Parteitag der Republikaner abwehren und mit einem Gegenangriff beantworten soll.

30 Polit-Profis und 50 freiwillige Helfer haben zehn Blocks südlich vom Madison Square Garden in einem ehemaligen Gewerkschaftshaus ihr Hauptquartier, im Wahlkampf-Amerikanisch War-Room, bezogen. Draußen an der Fassade des beigefarbenen Bürogebäudes hängt ein riesiges Plakat: "Save America - Defeat Bush" - "Rettet Amerika, besiegt Bush". Von drinnen, aus dem 15. Stock, kann man per Fernglas sogar den Gegner beobachten.

Die letzten Wochen waren hart für die demokratischen Wahlkämpfer. Die Behauptung von Bush-nahen Vietnam-Veteranen, Präsidentschaftskandidat John Kerry sei kein so großer Held gewesen, wie er behauptet, hat die Umfragewerte nach unten gedrückt.

Während Kerry dem Vernehmen nach in seinem Ferienhaus auf der Insel Nantucket frustriert gegen die Wand tritt, fordern Parteifreunde einen Personal- und Strategiewechsel im Kampf gegen Bush. "Ich wünschte, (Kerry) würde sich eine Scheibe von Bill Clinton abschneiden: Wenn man attackiert wird, muss noch am gleichen Tag die Antwort kommen", sagt Ron Oliver, Vorsitzender der Demokraten in Arkansas, in der "New York Times". Kerry hat reagiert und die ehemaligen Clinton-Mitarbeiter Joe Lockhart und Joel Johnson an die Spitze seiner Eingreiftruppe gesetzt.

Im New Yorker War-Room bereiten die Demokraten unterdessen fieberhaft den Tag vor. Bis zehn Uhr muss der Schlachtplan stehen, dann beginnt die Haupt-Pressekonferenz.

Auf Holztischen oder auf dem Fußboden sitzen junge Wahlkampfhelfer mit Laptops und durchforsten das Internet nach Schwachstellen der Republikaner. An den Wänden hängen die Botschaften, die die Wahlkämpfer im Kopf behalten und an den Mann bringen sollen. Zum Beispiel: "Familieneinkommen um 1 400 Dollar gesunken". Auf der 140 Quadratmeter großen Etage gibt es neben den winzigen Büros einen Konferenzraum, ein TV- und ein Radiostudio.

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