In Flüchtlingslager Dschenin
Israelische Truppen fahnden nach Extremisten

Israelische Truppen sind am Montag nach Augenzeugenberichten in das palästinensische Flüchtlingslager Dschenin im Westjordanland eingedrungen, um nach militanten Palästinensern zu suchen.

Reuters DSCHENIN. Die Soldaten seien mit gepanzerten Fahrzeugen in den frühen Morgenstunden in das Lager, das im April Schauplatz heftiger Gefechte war, eingerückt, berichteten Augenzeugen. Nach kurzem Schusswechsel hätten die Soldaten dann Häuser durchsucht, in denen Mitglieder der radikalen Hamas und der Organisation Islamischer Dschihad vermutet worden seien. Im israelischen Armeerundfunk wurde lediglich die Militäraktion bestätigt. Israels Verteidigungsminister Binjamin Ben Elieser sagte im Armeerundfunk, die mit den Palästinensern getroffene Vereinbarung "Bethlehem-Gaza zuerst" sei weiter in Kraft.

Die israelische Armee hat ihre wiederholten Razzien damit begründet, dass es Geheimdienstwarnungen über geplante Selbstmordanschläge gegeben habe. Ben Elieser sagte, das ernste Problem für die mit den Palästinensern geschlossene Vereinbarung bestehe darin, dass es der Palästinenser-Regierung nicht gelungen sei, Hamas und Islamischer Dschihad zu bewegen, diese zu respektieren.

Nach der Vereinbarung "Betlehem-Gaza zuerst" hatte Israel im Westjordanland Bethlehem geräumt und die Sicherheit der palästinensischen Polizei überantwortet. Im Gaza-Streifen sollten sich die Palästinenser verpflichten, Angriffe auf jüdische Siedlungen einzustellen. Dem palästinensischen Innenminister Abdel Rassak el Jahja hatte in Gesprächen mit 13 Palästinenser-Gruppen aber keine Zustimmung zu dieser Vereinbarung erhalten. Außerdem warfen diese Israel vor, die versprochenen Erleichterungen - etwa bei der Bewegungsfreiheit - nicht eingehalten zu haben.

Ben Elieser sagte in dem Rundfunkinterview: "Alle Erleichterungen, die wir versprachen, sind ausgeführt." Bei den Gesprächen stehe man erst am Anfang. "Dies ist ein Prozess - Schritt für Schritt." Vergangene Woche waren allerdings Gespräche ergebnislos geblieben, im Westjordanland zu weitern Lockerungen zu kommen. Dem Vernehmen nach war auch ein Abzug israelischer Truppen aus Hebron im Gespräch. Etwa 400 israelische Siedler leben in der Stadt mit seinen etwa 150 000 Einwohnern.

Aus Protest gegen seine weitere Inhaftierung in einem palästinensischen Gefängnis in Jericho trat der militante Palästinenser-Anführer Ahmed Saadat nach Angaben der PFLP in den Hungerstreik. Saadats Bruder war vergangene Woche bei einem israelischen Angriff getötet worden. Die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) erklärte, Saadat werde festgehalten, obwohl es ein Urteil gebe, ihn freizulassen. Er habe am Sonntag mit dem Hungerstreik begonnen und wolle nach 72 Stunden entscheiden, wie er weiter vorgehen wolle, teilte die PFLP weiter mit.

Seit Beginn des Aufstands der Palästinenser im September 2000 sind mindestens 1510 Palästinenser und 589 Israelis getötet worden.

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