In Frankreich und Deutschland hinkt die private Altersvorsorge hinter her
Europäer müssen noch viel für ihr Alter sparen

Kontinentaleuropäer müssten rund 3 Bill. US-Dollar in ihre private Altersvorsorge investieren, um auf das gleiche Versorgungsniveau zu kommen wie Amerikaner. Rund ein Drittel davon hätten die Deutschen anzusparen, erklärte Mark Scott, Managing Director von Deutsche Asset Management, auf dem Pensions Market Forum in München.

HB MÜNCHEN. Ein Europäer hat im Durchschnitt zwischen 4 000 und 5 000 in seine Altersvorsorge investiert, während Amerikaner und Briten zwischen 25 000 und 40 000 über Sparpläne in so genannten Pensionsfonds für die Altersvorsorge angespart haben. Derzeit verwalten europäische Fondsmanager in Pensionfonds 2,8 Bill. $.

Europäische Regierungen haben mit dem Problem zu kämpfen, dass die gestiegene Lebenserwartung und damit längere Rentenbezugszeiten die Ausgaben für die staatlichen Rentensysteme kräftig anschwellen lassen. Über Steuererleichterungen und andere Anreize wollen sie daher mehr Bürger dazu bringen, einen Teil ihres Gehaltes in die Altersvorsorge zu investieren. Dies könnte etwa auch in Deutschland über die geplanten Pensionfonds nach angelsächsischem Modell erfolgen. "Das Wachstum in diesem Bereich wird davon abhängen, wie schnell die politischen Veränderungen in Steuergesetze und Aufsichtsvorschriften umgesetzt werden", erklärte Scott. Im Rahmen der Riester-Rentenreform wird in Deutschland die Förderung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge erweitert.

Auch auf der Konferenz war das beherrschende Thema unter den 300 Delegierten die Folgen der Terroranschläge in den USA. Analysten äußerten die Befürchtung, dass die Anschläge als Katalysator für eine weltweite Rezession wirken und die Aktienkurse weiter in den Keller treiben. "Die Leute werden vorsichtiger sein", sagt Divyesh Hindocha, Partner beim US-Investmentberater Frank Russell & Co. "Aber langfristig kann ich keine Auswirkungen sehen, es ist mehr eine psychologische Sache." Craig Gillespie, Investmentberater bei Watson Wyatt & Co., rechnet nicht damit, dass angelsächsische Pensionsfonds in Folge der Anschläge übereilte Entscheidungen treffen. "Dafür ist es noch zu früh", begründet er. "Viel wichtiger ist, ob die US-Wirtschaft tatsächlich in eine Rezession abgleitet."

In den Niederlanden und der Schweiz werden bereits rund 25 % des Bruttoinlandsprodukts in Pensionsfonds investiert. In diesen Ländern liegt der Aktienanteil dieser Anlagen bei weniger als 50 %, während in Großbritannien und Irland etwa 70 % in Aktien angelegt sind, ist aus den UBS Phillips & Drew's Pension Fund Indicators 2001 abzulesen. In Frankreich werden dagegen nur 5 % des BIP in Altersvorsorgeprogramme gesteckt. Nach Ansicht von Hindocha gibt es in dem Land kaum Bestrebungen, die Verantwortung für die Altersvorsorge vom Staat auf den Einzelnen zu übertragen. Auch Deutschland steckt hier noch in den Anfängen.

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