In Großbritannien
Gesetzeslücke: Mediziner will Menschen klonen

Der italienische Mediziner Severino Antinori will eine Gesetzeslücke in Großbritannien ausnutzen und dort erstmals einen Menschen klonen.

dpa LONDON. Der Fortpflanzungsspezialist reagierte am Freitag auf einen Gerichtsbeschluss, wonach das beim Klon-Schaf Dolly angewandte Verfahren auch bei Menschen legal wäre. Die britische Regierung gab zu, dass sie die Gesetzeslage falsch eingeschätzt hatte. Sie will nun möglicherweise im Schnellverfahren ein neues Gesetz im Parlament einbringen.

Am Donnerstag hatte der High Court, das oberste britische Zivilgericht, entschieden, dass eine befruchtete menschliche Eizelle, in die ein fremder Zellkern eingesetzt worden ist, nach der derzeitigen britischen Gesetzgebung nicht als Embryo betrachtet werden kann. Der von 1990 stammende Gesetzestext beziehe sich noch nicht auf eine solche Technik. Die Methode, mit der das Schaf Dolly geklont wurde, könnte nach dieser Rechtsprechung auch beim Menschen angewendet werden.

Kein gesetzlicher Schutz

Das Verfahren vor dem High Court war von Klon- und Abtreibungsgegnern angestrengt worden, um der Regierung die Gesetzeslücke deutlich zu machen. "Es gibt in diesem Land keinen gesetzlichen Schutz gegen Klonen", folgerte der Direktor der ProLife- Allianz, Bruno Quintavalle. "Wir haben gezeigt, dass die Regierung lügt, wenn sie sagt, dass das Klonen von Menschen verboten ist."

Antinori dagegen zeigte sich erfreut: "Diese Entscheidung steigert meine Chancen außerordentlich", sagte er der BBC. "Wir wollen jetzt in Großbritannien ein Programm beginnen." Dies könne schon sehr schnell geschehen, da in Großbritannien alle technologischen Voraussetzungen gegeben seien: "Ich bin überzeugt, dass zwei Monate reichen, um eine Menge Programme auszuführen."

Sir Brian Heap, Vizepräsident der Wissenschaftsgesellschaft Royal Society, forderte die Labour-Regierung von Premierminister Tony Blair zum Handeln auf: "Die Regierung sollte sicherstellen, dass das Gesetz das reproduktive Klonen von Menschen in Großbritannien ausdrücklich verbietet."

Lord Hunt, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, kündigte Berufung gegen das Urteil an. Er gab zu, dass sich die Regierung getäuscht habe: "Wir dachten, wir hätten das mit dem Gesetz von 1990 verboten. Wir dachten, dass die Behörden das Recht hätten, jede Lizenz für Leute, die klonen wollen, abzulehnen. Anscheinend ist das nicht der Fall, und deshalb müssen wir jetzt sehr dringend überlegen, was als nächstes zu geschehen hat." Die Regierung nehme die Äußerungen Antinoris sehr ernst. Selbstverständlich sei sie radikal gegen das Klonen von Menschen. Ein Gesetz, das Klonen zu einem Straftatbestand mache, sei bereits in Vorbereitung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%