In Hessen verdienen sie am besten
Heimliche Goldgräber

"Treasurer" sind Liquiditätsmanager und kassieren satte Gehälter.

Banken und Sparkassen ächzen unter sinkenden Betriebsergebnissen. Während sie weiter Filialen schließen und kräftig Personal abbauen, wird es jene, die die Ertragslage verbessern, nicht erwischen: Treasurer oder "Zinsbuchmanager". Sie mischen im Zins-, Aktien-, Beteiligungs- und Immobiliengeschäft mit, steuern die Marktpreisrisiken. Sie entscheiden, wie, wo und in welcher Aufteilung das Eigenkapital von Geldhäusern angelegt wird. Kurz: Sie sind Liquiditätsmanager.

Großbanken, die schon seit längerem Treasurer beschäftigen, halten eisern an ihnen fest. Etwa die Commerzbank, die auch im nächsten Jahr keine der 90 Stellen abbauen wird, "was ja auch schon viel in diesen Zeiten ist", wie ein Sprecher lakonisch feststellt.

Kein Wunder: Die heimlichen Goldgräber sind rar. Und sie streichen ein stattliches Gehalt ein. Was unter stattlich im Detail zu verstehen ist, schlüsselt eine gerade erschienene Vergütungsstudie der Berliner Unternehmensberatung Roland Eller auf.

Befragt wurden 52 Sparkassen. Die Ergebnisse, stellt Projektleiter und Senior Consultant Peter Lösch fest, gäben aber auch ein gutes Bild für die gesamte Branche ab. "Viele Kreditinstitute bauen gerade eine Organisationseinheit Treasury auf, um ihr Zinsbuch nach Ertrags- und Risikorelationen zu managen. Dafür ist es wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was ein Treasurer kostet." Dabei seien die Angaben öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute in Finanzzentren wie Frankfurt am Main mit denen privater Großbanken zu vergleichen. Generell sei das Gehaltsgefüge gehoben.

Kleinere Institute - höhere Gehälter

Überraschend dabei ist, dass im Bereich Treasury nicht die Größe oder Bilanzsumme der Bank über die Höhe des Gehalts entscheidet, wie das in anderen Positionen üblich ist. Kleinere Kreditinstitute mit einer Bilanzsumme von bis zu einer Milliarde Euro zahlen ihren Leitern Treasury, die in der Hierarchie ganz oben stehen, deutlich mehr als Häuser mit einer Bilanz zwischen zwei und fünf Milliarden Euro.

"Mehr als die Größe des Unternehmens spielt die Frage ob Handelsbuch- oder Nichthandelsbuchinstitut eine Rolle", stellt Lösch fest. Grund: Die Verantwortung in Handelsbuchinstituten ist meist größer, da dort die Erträge durch Daytrading verbessert werden, während bei Nichthandelsbuchinstituten die Handelsstrategie eher mittel- bis langfristig angelegt sei. Was nicht heißt, dass Händler und Treasurer dort als Portfolioverwalter eine ruhige Kugel schieben. Sie hechten nur nicht dem kurzfristigen Erfolg hinterher.

Ein Liquiditätsmanager kann bei einem Handelsbuchinstitut mit einer Bilanzsumme zwischen zwei und fünf Milliarden Euro mit Jahresgesamtbezügen zwischen 50 000 Euro und 60 000 Euro rechnen. Bei einem Nichthandelsbuchinstitut kommen Spitzenverdiener lediglich auf 46 000 Euro. Ein Händler kann hier mit einem Gehalt von 38 300 Euro rechnen. Positiv auf das Salär wirken sich ein Hochschulstudium, Berufserfahrung im Handel oder Controlling und die Dauer der Betriebszugehörigkeit aus. Klassischerweise waren Treasurer vorher im Kredit- oder Handelsgeschäft einer Bank tätig.

Wie gut man verdient, hängt davon ab, wie mobil man bei der Jobsuche ist. Regional gibt es große Unterschiede. Am höchsten dotiert sind die Stellen in Frankfurt am Main. Die Stadt wurde sogar aus der Betrachtung herausgenommen, weil Sparkassen hier absolute Spitzengehälter bis zu 125 000 Euro zahlen.

Die besten Gehälter gibt es in Hessen

Aber auch ansonsten werden in Hessen mit durchschnittlich 80 000 Euro Führungskräften stattliche Gehälter gezahlt. Damit führt dieses Bundesland die Statistik an. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kommen im Schnitt auf 66 000 Euro, Bayern und Institute des Ostdeutschen Sparkassenverbandes auf 65 000 Euro und Thüringen auf 50 000 Euro.

Zu den kommoden Grundgehältern kommt meist ein variabler Anteil. Der ist entweder vertraglich fixiert oder wird nach Ermessen oder Goodwill gewährt. Ein Extra, das nicht zu unterschätzen ist. So erhalten laut Umfrage knapp 60 Prozent aller Leiter Treasury von Handelsbuchinstituten eine variable Vergütung, meist in einer Bandbreite zwischen fünf und 20 Prozent. An immerhin 46 Prozent der Treasurer wird eine Vertragstantieme überwiesen, deren Spannbreite zwischen 4 500 Euro und 18 000 Euro liegt.

Viel Geld, weswegen mancher Banker die Frage stellt: "Können wir uns professionelle Treasurer leisten, oder können wir es uns leisten, uns keine zu leisten?" Berater Peter Lösch: "Die Banken werden bei sinkenden Betriebsergebnissen weiter unter Druck stehen, weshalb die Ertragslage immer stärker von aktivem Trading abhängen wird. Und da genügen nur wenige Treasurer, um am ganz großen Rad zu drehen."

Wie sich das auswirken kann, lässt sich nur erahnen. Ein Liquiditätsmanager kann jedoch schon mal satte 43 Prozent Ermessenstantieme zusätzlich auf die Vertragstantieme gepackt bekommen - wegen "herausragender Ergebnisse und großem Engagement".

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