In Holland kratzen Fielmann und die britische Specsavers einander die Augen aus
Der Brillenkrieg von Enschede

In der holländischen Stadt Enschede sind Brillen so billig wie nie zuvor. Deutschlands Optikmarktführer Fielmann stößt bei seinem Versuch, in den Niederlanden Fuß zu fassen, auf die Gegenwehr etablierter Ketten. Analysten sehen den Brillenkrieg dennoch mit Gelassenheit.

HAMBURG. Die niederländische Stadt Enschede in der Nähe der deutschen Grenze ist zum Mekka der holländischen Fehlsichtigen geworden. Denn noch nie war der Brillenkauf so günstig wie jetzt. Für einen Eurocent gibt es in Enschede die komplette Kassenbrille mit geschliffenen Gläsern aus Glas oder Kunststoff.

Der Grund: in der kleinen holländischen Stadt übt Deutschlands führender Optikfilialist, die Fielmann AG, Hamburg, den Markteintritt in die Niederlande. Dabei ist es zu einen erbitterten Schlagabtausch mit dem bisherigen Platzhirsch, der britischen Optikkette Specsavers gekommen.

Angefangen hatte es vergleichsweise ruhig. Mitte Februar eröffnete Fielmann mit vier Mitarbeitern die neue Filiale in der Einkaufsstraße Kalanderstraat in der Nähe des Wettbewerbers Specsavers aus Guernsey. Doch schon die erste Anzeigenkampagne Fielmanns mit dem Anspruch, der preisgünstigste Anbieter zu sein, ließ die Briten mit einer juristischen Attacke reagieren. Die Klage wurde am 2. Mai abgeschmettert.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Das Fielmann-Einstiegsangebot einer Komplettbrille für 15 Euro konterte Specsavers umgehend. Bis zur letzten Woche waren die Preise für eine Komplettbrille mit Specsavers- oder Fielmann-eigenem Gestell auf einen Cent gerutscht. Um dem Anspruch zu genügen, immer der Günstigste zu sein, legt Fielmann noch ein Hartschalenetui und ein Außenthermometer dazu.

Die Verkäufe schossen in die Höhe, beobachtet Fielmann-Manager Robert Leitl, der für das Holland-Geschäft verantwortlich ist. Nach anfänglich 150 Brillen täglich sind es jetzt mehr als 1 000. Dank umfänglicher Berichterstattung in den holländischen Medien reisen die Kunden mittlerweile aus ganz Holland an, während sich der Zustrom aus Deutschland noch in Grenzen hält.

Um den Ansturm zu bewältigen, hat Fielmann zeitweise 60 zusätzlich Mitarbeiter nach Enschede beordert. Zwei mobile Teststationen wurden für die Augenprüfung nach Holland verlegt, so dass jetzt in sechs Räumen gleichzeitig die Augen untersucht werden können.

Über die Kosten schweigt sich Leitl aus: "Dies ist unser Markteintrittspreis." Auch was die Dauer der Materialschlacht betrifft, will er sich nicht festlegen. Sie werde jedenfalls so lange dauern, bis Specsavers wieder über dem Preis von Fielmann anbietet. "Weil wir garantiert die Günstigsten sind", gibt sich Leitl zuversichtlich.

Damit kann der deutsch-britische Konflikt auf niederländischem Gebiet noch eine Weile anhalten. Anders als in Deutschland, wo es Fielmann nur mit mittelständischen Optikern zu tun hat, gehört Specsavers mit 500 Filialen in Großbritannien und den Niederlanden und einem Marktanteil in England von 25 % zu den großen und kapitalkräftigen Konzernen der Branche. Anders als Fielmann, der eigene Filialen vorzieht, arbeitet Specsavers aber überwiegend mit Franchisenehmern zusammen.

Während es aus Enschede heißt, der Preiskampf habe mittlerweile auch Designerbrillen erreicht - so würden Gucci-Gestelle für 12 Euro statt für 100 Euro verkauft, wird dies von Leitl vehement dementiert. Leitl: "In die Aktion sind nur eigene Gestelle einbezogen."

Michael Röhrs von der Hamburger Sparkasse bewertet die Auslandsexpansion von Fielmann in Österreich, der Schweiz und in den Niederlanden weiter grundsätzlich positiv. Auseinandersetzungen wie in Enschede könnten dabei vorkommen, wenngleich schwer absehbar sei, wie es ausgeht.

Röhrs und sein Kollege Thilo Kleibauer von Warburg halten Fielmann bei einem Kurs zwischen 36 und 38 Euro für fair bewertet und setzen die Aktie auf "halten".

Erwartet wird in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von knapp 6 % und ein leicht überproportionaler Anstieg des Ergebnisses. In der Einladung zur Hauptversammlung am 4. Juli nach Hamburg hat Fielmann diese Prognose untermauert. In den ersten fünf Monaten hat sich der Umsatz um 5 % erhöht, während die Branche ein ebenso großes Minus verbuchte.

Quelle: Handelsblatt

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