In Hollands Nationalelf ist er nicht erste Wahl
Störenfried Makaay ist den Bayern lieb und teuer

Noch nie hat ein Verein so große Anstrengungen unternommen, um einen Spieler für die Ersatzbank zu verpflichten. Denn dort dürfte Roy Makaay, 28, angesichts starker und eingespielter Konkurrenz erst einmal Platz nehmen.

MÜNCHEN. Dennoch: Anstatt in den Sommerferien Abstand zu gewinnen von der Geschäftigkeit der Münchner Fußballfabrik, haben sich die Macher der FC Bayern AG, Manager Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, unentwegt der Personalie Makaay gewidmet. Der Verhandlungspoker um den Holländer vom spanischen Klub Deportivo La Coruna ist nun in die entscheidende Runde gegangen.

Bayern will Makaay, Makaay will zum Deutschen Meister, und La Coruna will den Torjäger auch abgeben - zu einer stattlichen Ablösesumme von angeblich 21 Millionen Euro. Für Münchner Verhältnisse ist das eine sehr große Summe, zumal in diesem Sommer. Der kontinentale Transfermarkt ist derzeit ein ruhiges Pflaster. Doch die Festgeldfraktion von der Säbener Straße, die sich gern als schlechtes Gewissen der wild investierenden Konkurrenz zu Wort meldet, greift ausgerechnet jetzt tief in die Tasche. Denn obwohl sich der Rummenigge bereits öffentlich festlegte, dass man 21 Millionen bestimmt nicht zahlen wolle, liegen die Klubs nicht übermäßig weit auseinander. Anfangs war von zwölf Millionen die Rede, dann von 15, und als plötzlich Chelseas Besitzer Abramowitsch im Poker um Makaay mit Scheinen wedelte, erhöhten die Münchner ihr Angebot auf 18 Millionen. Und das, obwohl die Bayern "drei erstklassige Stürmer plus Alexander Zickler" haben, wie Trainer Ottmar Hitzfeld bemerkte. Allerdings fällt Zickler nach einem im Training erlittenen Schienbeinbruch vermutlich für ein halbes Jahr aus. Insofern dürften die Chancen auf baldige Einsätze für Makaay gestiegen sein.

Er könnte dabei aus Bayern-Sicht einiges wieder gutmachen: Im vergangenen Herbst schüttelte den deutschen Top-Klub eine heftige Krise, weil die Mannschaft aus der Champions League ausgeschieden war. Das nationale Double war letztlich kaum mehr als ein wenig Klebstoff, um die Saison zu kitten. Bei der Ursachenforschung für die Schwächephase führte Hitzfeld immer wieder jene Heimniederlage an, die den Beginn der Talfahrt markierte. Er tat das in einer Hartnäckigkeit, als habe sich das 2:3 gegen La Coruna in der Champions League tief in seine Seele gebrannt - genau wie der Name des dreifachen Torschützen: Roy Makaay. Vielleicht reifte schon da der Gedanke, den Störenfried unschädlich zu machen - per Verpflichtung. So wie es auf nationaler Ebene seit jeher erfolgreiche Praxis ist.

Die Galaform jener Septemberwoche konnte Makaay konservieren. Mit 29 Treffern ist er in Spanien Torschützenkönig geworden - mit sechs Toren Vorsprung auf Ronaldo. Makaay ist antrittsschnell, kopfballstark, trotz seiner 1,88 Meter wendig und hat das, was Angreifer gerne als ihren "Instinkt" bezeichnen. Ein weiter Vorzug: "Er versteht wie kein anderer die Kunst des Laufens ohne Ball", adelte ihn Landsmann Johan Cruyff.

In Hollands Nationalelf hat Makaay seine sportliche Emanzipation trotzdem nicht geschafft. Bei den fünf Spielen der EM-Qualifikation stand er nur ein einziges Mal in der Anfangsformation; beim jüngsten Auftritt in Weißrussland schaute er wieder einmal van Niestelrooy und Kluivert bei der Arbeit zu. Deren Vorteil: Sie spielen bei großen Vereinen - Manchester United und FC Barcelona. La Coruna da- gegen ist so etwas wie das Kaiserslautern Spaniens. Trotz einiger feiner Erfolge im letzten Jahrzehnt verströmt "Depor" den Mief der Provinz.

Um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, muss Makaay wechseln. München war freilich nicht auf Anhieb seine erste Wahl. Im Frühjahr noch hatte er freimütig verkündet, die Bundesliga sei seine Sache nicht, weshalb sein Berater Rob Jansen bei jeder Gelegenheit energisch versichern muss, dass "Makaay einzig zum FC Bayern will".

Ob ihn der Wechsel voranbringt? Als Hitzfeld gefragt wurde, ob ein Zusammenhang bestehe zwischen den drei Toren vom vergangenen Herbst und dem unbedingten Wunsch, Makaay zu verpflichten, schmunzelte Hitzfeld. "Ja klar", sagte er lächelnd, "den werde ich rausrotieren." Rache ist süß.

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