In i-mode liegt ein großes Potenzial: E-Plus wagt das I-Mode-Abenteuer

In i-mode liegt ein großes Potenzial
E-Plus wagt das I-Mode-Abenteuer

E-Plus will den mobilen Internetdienst nach Deutschland holen, was nicht ganz einfach ist. Der Starttermin ist schon mehrfach verschoben worden. Floppt i-mode - ähnlich wie Wap -, weil die Erwartungen der Kunden durch falsche Versprechungen nicht erfüllt werden können?

DÜSSELDORF. I-Mode ist in Japan sehr erfolgreich. Von den rund 39 Millionen Kunden des Mobilfunkanbieters NTT Docomo nutzen über 30 Millionen den mobilen Internetdienst. Das hat seine Gründe: Im Gegensatz zu Europäern sind die Japaner mit dem Festnetz-Internet weniger vertraut. Informationen und Unterhaltung beziehen sie lieber über ein leicht zu bedienendes mobiles Endgerät, bei dem ein farbiges Display, ordentliche Bildauflösung und 3D-Animation nicht fehlen dürfen. Und dafür sind die japanischen Kunden auch bereit, ordentlich zu zahlen. Vergleicht man die Applikationen und Displays japanischer i-mode-Handys mit hiesigen Geräten, kommen letztere schlecht weg. Zu klein ist das Display, zu dürftig die optische Qualität, zu gering das Angebot von Inhalten.

Die Nutzer von i-mode in Japan hingegen haben mittlerweile die Wahl zwischen rund 2000 offiziellen Contentangeboten und über 50 000 sogenannten Voluntary Sites: "NTT Docomo betreibt mit i-mode eine Open Policy, bei der die Contentanbieter als Partner betrachtet werden. Neben kostenpflichtigen Premiuminhalten lässt dies auch sogenannte Voluntary Contents zu, auf welche der Nutzer kostenlos zugreifen kann", erläuterte Kim Kauffmann, CEO von Mobile Webzone, am Donnerstag beim Euroforum "Mobilfunk Trends" das i-mode-Konzept von NTT Docomo.

Zu große Erwartungen in Deutschland ?

Jetzt soll i-mode auch Einzug in Europa halten. In Deutschland wird der Dienst von E-Plus eingeführt. Aber ganz so einfach ist es nicht, das japanische Konzept hier zu Lande ans Laufen zu bringen: Erstmals angekündigt war der Start von i-mode für Oktober 2001 und wurde bis auf weiteres verschoben. Letzten Mitteilungen zufolge wird E-Plus es auch nicht zur CeBit schaffen. Maria Zimmermann, Logica Consulting GmbH, erwartet weitere Verzögerungen: "Startet i-mode nicht bis zur CeBit, erlebt der Markt ein weiteres Overpromissing - genau wie bei WAP. Das floppte, weil die Erwartungen der Kunden durch falsche Versprechungen nicht erfüllt werden konnten."

Ohne Mehrwert kein Erfolgspotenzial

Aber nicht nur die Erwartungen der Nutzer müssen erfüllt werden, vielmehr sollen auch die Mobilfunkbetreiber und Inhalteanbieter davon profitieren. "I-mode kommt nur zum Tragen, wenn die beteiligten Parteien einen deutlichen Mehrwert erfahren", sagte Zimmermann. Ihrer Einschätzung nach ist der Mehrwert der europäischen Variante von i-mode zum jetzigen Zeitpunkt eher limitiert. Es gibt noch zu wenig Content, zudem ist das Umsatzpotential für die Contentanbieter noch viel zu gering. Und mit i-mode-fähigen Geräten sieht es bislang auch eher bescheiden aus. E-Plus bietet ein Handymodell von NEC zum Start von i-mode an. Und dafür hat der Kunde tief in die Tasche zu greifen: Unter 200 bis 300 Euro ist ein solches Endgerät nicht erhältlich, was für die Nutzergruppe der 15- bis 29-Jährigen, die bisher den Massenmarkt ausmacht, ein ganz schöner Batzen ist. Außerdem wird sich noch zeigen müssen, ob ein Handy der Marke NEC in dem von Nokia dominierten Markt überhaupt aktzeptiert wird.

Ein weiterer Knackpunkt ist außerdem der Konflikt zwischen den Geräteherstellern und den Providern: "Die europäischen Handyhersteller können nicht die erforderliche Technik bieten und diktieren den Content-Providern somit, was sie anbieten können", meinte Martin Hecker von Gateway Service Company.

Stell Dir vor, es ist i-mode und keiner geht hin...

Thorsten Dirks, Vorstandsmitglied bei E-Plus, reagierte gelassen auf die kleine Spitze von Moderator Michael Franke, Wirtschaftsredakteur bei "Focus". Bei E-Plus sieht man der Einführung von i-mode offenbar zuversichtlich entgegen. Allen Unkenrufen zum Trotz glauben die Düsseldorfer Mobilfunker, dass die Einführung die Kundschaft mobilisieren und i-mode zum Selbstläufer wird. Ganz so, wie es mit dem SMS-Dienst gelaufen ist, den die Kunden ohne große Ankündigung sehr positiv aufgenommen haben.

Kunden-Service im Fokus

Voraussetzung für einen ähnlichen Treffer bei i-mode sei allerdings, dass der Kunde und seine Bedürfnisse berücksichtigt würden. "Wir vermarkten Services, nicht technische Begriffe", betonte Dirks. Letztendlich interessiere sich kein Kunde dafür, was hinter den Begriffen i-mode, Wap, GSM, GPRS oder UMTS steckt - Hauptsache es funktioniert.

Personalisierung der Dienste

Dabei ist Personalisierung das Stichwort: Der Nutzer stellt sich seine persönlichen i-mode-Site aus dem Contentangebot zusammen und entscheidet damit, was läuft und was floppt. Moderate 25 Cents bis 2 Euro soll den Kunden ein einmonatiges Abo bei E-Plus kosten. Er kann dafür zwischen den Kanälen News, Infos, Kultur, Games, Erotik und Sport wählen. (Zur Preisgestaltung einer monatlichen Grundgebühr haben die Düsseldorfer allerdings bislang noch keine Angaben gemacht.) "Langfristig gesehen funktioniert i-mode aber nur in Partnerschaften", ist Dirks überzeugt und unterstreicht damit die Forderung nach gemeinsamen Standards bei Geräten und Inhalten. Den Contentpartnern will E-Plus offenbar einiges vom Umsatzkuchen abgeben: Nur 14 % des Umsatzes verbleiben bei E-Plus, 86 % gehen an den Partner. Damit sind die Düsseldorfer nicht ganz so großzügig wie NTT Docomo, die nur 9 % der Umsätze für sich behalten.

Die Tatsache, dass E-Plus bisher rund 100 Partner unter Vertrag hat und davon nur 60 i-mode-Portale zum Kick-off anbietet, sei nicht weiter problematisch. "Wichtig ist, dass jemand endlich damit anfängt. Weitere Dienste, Anbieter und die passenden Endgeräte werden schon folgen", zeigte sich Dirks optimistisch.

Schreiben Sie der Autorin: u.latzke@vhb.de

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