In ihrem Monatsbericht
EZB sieht beginnende Wirtschaftserholung

Nach Ansicht der EZB mehren sich die Zeichen für eine baldige Erholung der Wirtschaft in der Euro-Zone ohne Inflationsgefahr. Die EZB habe die Leitzinsen in der vergangenen Woche nicht geändert, da das Zinsniveau zur Sicherung stabiler Preise zurzeit angemessen sei.

Reuters FRANFURT. "Insbesondere deuten Umfrageergebnisse für den Unternehmenssektor zunehmend auf eine Erholung Anfang 2002 hin", heißt es im Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) für März, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Trotz anhaltender Unsicherheit über das genaue Ausmaß des Aufschwungs sollte die Wirtschaft in der Euro-Zone gegen Jahresende eine Wachstumsrate dem Potenzialwachstum entsprechend von bis zu 2,5 Prozent erreichen. Zudem mehrten sich die Hinweise auf eine Erholung des weltweiten Wirtschaftswachstums im Laufe dieses Jahres.

Die Notenbank bekräftigte ihre Erwartung, dass die jährliche Teuerungsrate in der Euro-Zone in den kommenden Monaten unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent fallen wird und dort verharren wird, falls es keine unvorhersehbaren Entwicklungen gibt und die Löhne nicht zu stark steigen.

Die Konjunktur der Euro-Zone könnte die Talsohle nach Darstellung der EZB bereits durchschritten haben. Es gebe "weitere Anzeichen kurzfristiger Indikatoren dafür, dass der Tiefpunkt der konjunkturellen Entwicklung Ende letzten Jahres erreicht worden sein könnte", schreiben die EZB-Volkswirte im Editorial, in dem die Ausführungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg vor der Presse in der vergangenen Woche wiederholt werden. Neben den optimistischeren Umfrageergebnisse für den Unternehmenssektor weisen die EZB-Volkswirte auf den Kursrückgang an den Rentenmärkten hin, der die erwartete Konjunkturerholung widerspiegele.

Das Bruttoinlandsprodukt sollte im Laufe dieses Jahres ansteigen und gegen Jahresende mit seiner Potenzialrate wachsen. Es "kann davon ausgegangen werden, dass er gegen Jahresende so kräftig ist, dass das Wirtschaftswachstum wieder ein Niveau erreicht, das mit dem Potenzialwachstum in Einklang steht." Das Potenzialwachstum ist das Wachstum, das eine Volkswirtschaft ohne einen Anstieg der Inflationsrate erreichen kann. Nach EZB-Einschätzung liegt dieses bei 2,0 bis 2,5 Prozent.

Das derzeitige Leitzinsniveau in der Euro-Zone ist nach Einschätzung der EZB weiterhin angemessen. Dies hatte auch Duisenberg vergangenen Woche betont und damit verdeutlicht, damit die Erwartung von Volkswirten bestärkt, dass mit einer Zinssenkung der EZB nicht mehr zu rechnen ist. "Was die Leitzinsen betrifft, waren, sind und bleiben wir der Meinung, dass die geldpolitische Haltung gegenwärtig angemessen ist", hatte Duisenberg gesagt.

Die Jahresinflation werde voraussichtlich in den kommenden Monaten unter zwei Prozent sinken und dann unter dieser Marke bleiben, falls keine unvorhergesehenen Entwicklungen einträten und die Löhne nicht zu stark stiegen. "Darin spiegelt sich die Erwartung wieder, dass von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage kaum Aufwärtsdruck auf die Preise ausgehen wird", heißt es in dem Bericht. Allerdings müsse sich hierfür auch die Lohnzurückhaltung fortsetzen - deshalb werde die Notenbank die anstehenden Lohnverhandlungen genau beobachten.

Das starke Wachstum der Geldmenge M3 deute bisher nicht auf Risiken für die Preisstabilität hin. Doch die monetäre Entwicklung in den kommenden Monaten müsse genau analysiert werden. Ein Anstieg der Geldmenge lässt Volkswirte normalerweise einen künftigen Inflationsanstieg erwarten. Doch die M3-Rate ist seit Monaten deutlich über dem EZB-Referenzwert von 4,5 Prozent, weil die Anleger wegen der Unsicherheit an den Finanzmärkten nach den Anschlägen vom 11. September Kapital aus den Aktienmärkten in liquidere verzinsliche Anlagen umgeschichtet haben.

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