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In Jolo keine Freilassung für Mittwoch erwartet

Chefunterhändler sind zu Gesprächen mit den Entführern auf der philippinischen Insel Jolo eingetroffen, rechnen aber nicht mit einer Freilassung der Geiseln am Mittwoch. Der Chefunterhändler der philippinischen Regierung, Roberto Aventajado, sagte am Mittwoch nach seiner Ankunft in Jolo, die Verschleppten würden voraussichtlich nicht mehr im Laufe des Tages, aber vielleicht am Donnerstag auf freien Fuß kommen.

Reuters MANILA. Vor einer Einigung mit den Entführern der Abu-Sayyaf-Gruppe müssten noch Einzelheiten geklärt werden, hatten Aventajado und der libysche Unterhändler Radschab Assaruk bereits am Dienstag mitgeteilt. Aus Verhandlungskreisen hieß es, drei malaysische und zwei philippinische Geiseln könnten freikommen.

Aventajado sagte in Jolo, er wolle nichts dem Zufall überlassen. Ziel sei die Freilassung aller derzeit 17 Geiseln der Abu-Sayyaf. Unter den Verschleppten befinden sich auch zwei Deutsche aus Göttingen. Da sich die Ankunft Aventajados und Assaruks wegen schlechten Wetters für mehrere Stunden verzögert hatte, wuchsen Befürchtungen, auch die Freilassung der Geiseln könne sich weiter verzögern. Aventajado hatte am Dienstag mitteilen lassen, die westlichen Geiseln würden vermutlich am Donnerstag und nicht wie ursprünglich erwartet am Mittwoch freikommen, weil sich in letzter Minute Schwierigkeiten ergeben hätten.

Moslem-Rebellen der Abu Sayyaf hatten am 23. April auf der malaysischen Urlaubsinsel Sipadan 21 Menschen, darunter zehn Touristen, in ihre Gewalt gebracht und nach Jolo verschleppt. Sechs Malaysier und die Deutsche Renate Wallert wurden freigelassen. Zu den zwölf westlichen Geiseln, die auf ihre Freilassung warten, gehören der Ehemann Renate Wallerts sowie Sohn Marc, eine Libanesin, die während der Gefangenschaft die französische Staatsbürgerschaft erhielt, zwei weitere Franzosen, zwei Finnen und zwei Südafrikaner. Zudem halten die Rebellen noch drei Malaysier und zwei philippinische Staatsbürger in ihrer Gewalt. Hinzu kommen drei Angehörige eines französischen Fernsehteams. Die Entführer wollen Verhandlungskreisen zufolge die Entlassung des Fernsehteams hinauszögern.

Die fünf asiatischen Geiseln könnten bald freikommen, hieß es aus den Verhandlungskreisen. Dies bestätigte der malaysische Botschafter in Manila, H.M. Arshad, nicht. Allerdings werde noch für Mittwoch die Ankunft eines Flugzeugs aus Malaysia im philippinischen Zamboanga erwartet, verlautete aus den Kreisen. Mit dieser Maschine sollten die malaysischen Geiseln in ihre Heimat zurückgebracht werden.

Abu-Sayyaf-Anführer Galib Andang, alias "Kommandant Robot", hatte sich über Truppenbewegungen in der Nähe des Geisellagers beschwert. Daraufhin hatte Aventajado den zuständigen Armeeoberst gebeten, seine Truppen zurückzuziehen, um die Geiselfreilassung nicht zu gefährden.

Die Geiseln sollen nach ihrer Freilassung mit einem libyschen Flugzeug nach Tripolis gebracht und dort Vertretern ihrer Regierungen übergeben werden. Libyen hat nach einem Zeitungsbericht den Geiselnehmern Lösegeld in Höhe von rund 25 Mill. $ (53 Mill. DM) angeboten. Assaruk widersprach dem Bericht allerdings. Die Regierung in Tripolis sei jedoch bereit, Entwicklungshilfe für Projekte im Süden der Philippinen zu leisten. Dort kämpfen moslemische Gruppen seit Jahren für einen unabhängigen Staat in den überwiegend katholischen Philippinen.

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