In Kürze ein neues Portal
Nun drängen die deutschen Apotheken selbst ins Netz

Der Europäische Gerichtshof wird voraussichtlich entscheiden, ob das deutsche Verbot des Medikamentenhandels im Internet gegen europäisches Recht verstößt. Bis dahin bereiten sich die Apotheker bereits auf den E-Commerce vor.

DÜSSELDORF. Die Internetapotheke Docmorris.com im niederländischen Kerkrade ist den deutschen Apothekern ein Dorn im Auge. Mit mehreren Einstweiligen Verfügungen versuchten Apothekervertreter und Industrie, den Onlineversand von Medikamenten in Deutschland zu verhindern. Am 10. August wird das Landgericht Frankfurt höchstwahrscheinlich entscheiden, dass der Europäische Gerichtshof über das deutsche Versendeverbot für Medikamente aus dem Arzneimittelgesetz richten muss. Zu klären ist dann, ob die strikte deutsche Regel gegen den freien Warenverkehr in der Europäischen Union verstößt. In den Niederlanden und Großbritannien ist der E-Commerce mit Medikamenten wie in einigen schweizerischen Kantonen längst erlaubt. Auch deutsche Krankenkassen fordern den Onlinehandel, um Kosten zu senken.

Zwar hoffen die deutschen Apotheker auf ein Urteil, dass ihren Bestand und damit bundesweit rund 136 000 Arbeitsplätze sichert, aber gleichzeitig bereiten sie sich auf den E-Commerce vor. Der Apotheker Gerhard Bischoff aus Berlin/Reinikendorf führt mehr als 600 Produkte in seinem Onlineshop, allerdings keine apothekenpflichtigen Waren, wie er betont. "Mir widerstrebt der Onlinehandel", sagt Bischoff im Gespräch mit Handelsblatt.com, "aber man muss ja mit der Zeit gehen. Deswegen legen wir bereits Daten für Medikamente an und sorgen vor, falls die deutschen Gesetze geändert werden." Bischof glaubt, dass das deutsche Versendeverbot fällt, haben doch mittlerweile Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Klaus Kirschner (SPD), sich deutlich für einen Versandhandel mit Medikamenten ausgesprochen.

Die Gegner des Internethandels führen neben wirtschaftlichen vor allem medizinische Argumente an. Apotheker sei ein Heilberuf und im persönlichen Gespräch könne der Pharmazeut eine bessere Beratung garantieren, sagt Elmar Esser, Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Nichtsdestotrotz verkauft Apotheker Bischoff im Internet die Verhütungsmethode "Persona" zur Überprüfung des Hormonspiegels. Ob nicht gerade das ein besonders beratungsintensives Präparat ist? "Persona ist bei Frauen bekannt", sagt Bischoff, "wer Fragen hat, ruft mich an oder meldet sich über das Internet." So funktioniert auch die Beratung bei Docmorris.com, wenn auch mit verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Derweil versucht die ABDA , ebenfalls im E-Commerce Fuß zu fassen. In wenigen Wochen will der Verband sein Intranet für deutsche Apotheker unter dem Namen Aponet für Patienten öffnen. Dann sollen Kunden Medikamente in den mehr als 21 000 Apotheken abholen können. "Wir verschließen uns dem E-Commerce nicht", sagt ABDA-Sprecher Esser. Allerdings sollten nur im Ausnahmefall Medikamente zugestellt werden, und dann auch nur vom Apotheker. Im Juni hatte die ABDA alle Apotheken angeschrieben, damit sie ihre Daten online zur Verfügung stellen. "Mehr als 5 000 Apotheker haben signalisiert, dass sie mitmachen wollen", sagt Esser, "Ende des Jahres sollen es 10 000 sein." Die Apotheken wären dann Abholstellen für den E-Commerce mit Medikamenten. In diese Onlinepräsenz investiert die ABDA 2 Mill. DM. Sollte das deutsche Versendeverbot aus dem Arzneimittelgesetz fallen, besäßen die Apotheker durch diese Datenbank eine gute Ausgangslage für den freien E-Commerce.

EuGH-Urteil frühestens in 18 Monaten

Vor der Bundestagswahl wird das deutsche Arzneimittelgesetz allerdings kaum geändert, und auch bis zu einem Urteil des EuGH dürften mindestens 18 Monate verstreichen. Als Zwischenlösung bereitet das Bundesgesundheitsministerium einen regionalen Onlinehandel mit Medikamenten vor. Apotheken sollen in ihrem Einzugsbereich über Boten Medikamente zustellen dürfen, wofür allein die Apothekenbetriebsverordnung geändert werden müsste - nicht das Arzneimittelgesetz. Apotheken, die diesen Service anbieten wollen, würden von der örtlichen Gesundheitsbehörde kontrolliert. Letztendlich soll der Apotheker dann im Einzelfall entscheiden, ob er eine Zustellung verantworten kann. Die Kriterien für eine Zustellung würden vom Bundesgesundheitsministerium gemeinsam mit den Apothekern entwickelt, ebenso wie ein Qualitätssicherungssystem.

"Ein regionaler Onlinehandel ist nicht das, was wir anstreben", sagt ABDA-Sprecher Esser. Aber eine Zustellung durch einen Apotheker kann er sich vorstellen.

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