In Mailand steigt die Zahl der Neuzugänge
"Made in Italy“ geht an die Börse

Investoren in Italien kommen in diesen Tagen kaum noch mit. Beinahe jeden Tag geht ein Unternehmen an die Börse, kündigt ein anderes die Quotierung in naher Zukunft an. Die größte Aufmerksamkeit gilt Campari, die den Börsengang für Juli planen. Doch daneben haben sieben andere Unternehmen bereits einen Fuß in der Börse.

13.6.2001 MAILAND. Investoren in Italien kommen in diesen Tagen kaum noch mit. Beinahe jeden Tag geht ein Unternehmen an die Börse, kündigt ein anderes die Quotierung in naher Zukunft an. Die größte Aufmerksamkeit gilt Campari, die den Börsengang für Juli planen. Doch daneben haben sieben andere Unternehmen bereits einen Fuß in der Börse. Und für den Herbst haben mindestens weitere sieben Firmen den Börsengang angekündigt, darunter Prada und Artemide, Hersteller von Designerlampen.

Die "Old economy" schlägt dabei weit den Nuovo mercato: Nur zwei der Neuzugänge sind High-tech-Firmen, darunter Algol, die ab Freitag (15.6.) an der Mailänder Börse quotiert werden. Die auch in Deutschland operierende IT-Firma, bereits an der Easdaq notiert, will rund 25 % des Kapitals an die Börse bringen und mit dem erhofften Gewinn in Deutschland und in anderen europäischen Ländern investieren. Alle anderen Neulinge sind typisch für das "made in Italy". Von der Air Dolomiti über den Baustoffhersteller Graniti Fiandre bis zu Giacomelli Sport haben sie etwas gemeinsam: es sind regional geprägte, mittlere und kleine Unternehmen, die charakteristisch für die italienische Wirtschaft sind. Ihre Branchen sind Handwerk, Vertrieb, Luxusgüter und Dienstleistungen.

Gibt es Anzeichen für eine Sommer-Rally in Italien? "Nein, nichts außergewöhnliches", heißt es bei der Börsengesellschaft Borsa italiana spa. Dort erinnert man an 2000, als bis zum Mai nur ein Neuzugang zu vermelden war, der Fußballclub AS Roma, bevor der Boom einsetzte. Die neuen Kandidaten werden in Mailand vielmehr als mutig eingeschätzt, denn die Kurse der wenigen Unternehmen, die seit Jahresbeginn notiert werden, sind durchweg eingebrochen. "Es gibt große Lust, an die Börse zu gehen, aber wenig Lust der Investoren, denn die Situation ist noch immer schwierig", beschreibt Giovanni Tamburi, Präsident der Investmentbank Tamburi, die Situation. Die Neulinge werden es schwer haben, prophezeit er.

"Es scheint einen Run auf die Börse zu geben, der in Italien größer ist als in anderen Ländern, aber das Volumen der Angebote ist sehr klein", sagt auch Marco Taricco, Executive Director bei Morgan Stanley. Die Marktbedingungen seien einfach nicht ideal, deswegen würden die "Großen" wie Prada und Albacom zunächst abwarten. "Für kleine Unternehmen ist die Quotierung einfacher, denn sie können den heimischen Markt anpeilen", so Taricco.

Anders interpretiert Lorenzo Pugassi, bei der HSBC Italia für corporate finance zuständig, die Zunahme der IPOs in Italien. "Der Börsengang wird zum Schlüssel für den Erfolg eines Unternehmens, denn alle müssen sich auf den großen europäischen Markt vorbereiten, den wir 2002 mit der endgültigen Einführung des Euros haben werden", erklärt er. "Die Unternehmer brauchen neues Kapital, um gerüstet zu sein und wachsen zu können" Und sie müssen international mitspielen können, denn er sieht für 2002 eine "Explosion von Übernahmen".

Genau daran hapert es oft bei den kleinen und mittleren Unternehmen in Italien. Es fehlt es an internationalem Know-how und Kommunikation. Um ihnen zu helfen, hat die Mailänder Börse im April das Segment STAR eingerichtet, ähnlich dem deutschen SMax. Zu den 20 Unternehmen sollen Anfang Juli weitere kommen. Graniti Fiandre und der Börsenneuling Biesse, der Maschinen und Systeme für Holz-, Glas- und Marmorbearbeitung herstellt, werden am STAR notiert.

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