In München steigt das Derby-Fieber
„Löwen" lauern auf Bayern-Ballett

Madrid, Mailand, Manchester: Vor großen Namen hat der FC Bayern München keine Angst. Vor dem Stadtduell gegen den kleinen Nachbarn TSV 1860 München beschleicht Karl-Heinz Rummenigge aber ein mulmiges Gefühl, denn gegen die "Löwen" ist eine Niederlage streng verboten.

HB MÜNCHEN. "Das Derby ist wichtiger als ein normales Spiel. Ich möchte nicht den Hohn und Spott ertragen, wenn wir verlieren würden", sagte der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters vor der 196. Partie zwischen "Rot" und "Blau" am Dienstag (20.00 Uhr). Auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld warnt sein in der Fußball-Bundesliga in dieser Saison noch ungeschlagenes Starensemble: "Beim Derby muss man immer hellwach sein. Die sind unberechenbar."

Beim TSV 1860 ist nach dem mit zwei Siegen in drei Spielen geglückten Bundesliga-Start gute Laune eingekehrt. Während der FC Bayern eher moderate Töne pflegt, versuchen die "Sechziger" den großen Rivalen gezielt zu provozieren. Besonders der sonst ruhige Trainer Peter Pacult neigt plötzlich zu verbalen Frotzeleien. Seinen Spielmacher Thomas Häßler findet der Österreicher "wertvoller" als FCB-Antreiber Michael Ballack, er will den Fußballer des Jahres 2002 deshalb auch nicht in Sonderbewachung nehmen lassen. Im zur Zeit gerne angestellten Vergleich mit Real Madrid sieht Pacult die Spanier klar vor den Bayern. "Weißes Ballett ist für mich nur Real", sagte der frühere Stürmer in Anspielung auf das neuerdings identische Outfit der Weltpokal- und Champions-League-Sieger.

Zumindest für einen kurzen Augenblick aus dem Schatten des großen Rivalen treten zu können, haben sich die "Löwen" zum Ziel gesetzt, und selten war die Chance größer. "Mit einem Sieg können wir endlich die Aufmerksamkeit erlangen, die wir verdienen", sagte Pacult. Mit einem Erfolg würden die "Sechziger" nämlich vom fünften Platz in der Tabelle am derzeit mit einem Punkt Vorsprung auf Rang drei stehenden FC Bayern vorbeiziehen und somit das immer noch heftig schmerzende 1:5 aus dem Vorjahr, das Pacults Vorgänger Werner Lorant den Job kostete, vergessen machen. Seit dem Wiederaufstieg 1994 hat der TSV 1860 in 16 Vergleichen erst zwei Mal gegen den FCB gewonnen.

Sticheleien bringen die Bayern aber nicht aus der Ruhe. Im Gegensatz zu den "Blauen" (11 000 ?) gibt es für Kahn & Co. auch keine Sonder-Siegprämie im Nachbarschaftsduell zu gewinnen. Mit dem ihnen eigenen Selbstvertrauen kennen die "Roten" ihre Favoritenrolle und kündigen wie Thorsten Fink an: "Wir gewinnen, weil wir die bessere Mannschaft haben." Auch der nach seiner Fußprellung vom vergangenen Donnerstag wieder einsatzfähige Giovane Elber sprüht förmlich vor Derby-Vorfreude und präsentierte in der "Bild-Zeitung" schon einmal groß und bunt seinen neuen roten Wunderschuh, mit dem er den FCB zum 101. Sieg gegen den TSV 1860 schießen will.

Während die "Sechziger" kurzfristig nur auf ihren Co-Spielmacher Markus Weissenberger (Muskelfaserriss) verzichten müssen, kehrt bei den Bayern neben Stürmer Elber wohl auch dessen Landsmann Ze Roberto nach überstandenen Leistenproblemen in den Kader zurück. Nur "Sorgenkind" Mehmet Scholl plagt sich weiter mit Muskelproblemen und wird das Derby definitiv verpassen. Erstmals seit Jahren verdient das Münchner Stadtduell allerdings seinen Namen nicht mehr. Nach dem Abgang des "Löwen" Daniel Bierofka zu Bayer 04 Leverkusen wird am Dienstag kein gebürtiger Münchner auf dem Rasen stehen.

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